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Kaminkehrer

Zur Ge­schich­te des Ka­min­keh­rer­ge­wer­bes in Deg­gen­dorf
Von Lutz-Die­ter Beh­rendt

Ab wann gibt es Ka­min­keh­rer in un­se­rer Re­gi­on, wel­chen Stel­len­wert hat­te der Schorn­stein­fe­ger, wie wa­ren sei­ne Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, wel­che Be­son­der­hei­ten cha­rak­te­ri­sie­ren die­ses Hand­werk und – nicht zu­letzt – wel­che Im­pul­se für das Tra­di­ti­ons­be­wusst­sein las­sen sich aus der Ge­schich­te zie­hen? Die­se Fra­gen be­wo­gen uns im Zu­sam­men­hang mit der Son­der­aus­stel­lung des Deg­gen­dor­fer Hand­werks­mu­se­ums, das Stadt­ar­chiv in Deg­gen­dorf nach Quel­len über das Ka­min­keh­rer­we­sen zu durch­fors­ten. Die Su­che war über Er­war­ten recht er­gie­big. Ih­re Er­geb­nis­se sol­len hier vor­ge­stellt wer­den.

Erste Brandschutzbestimmungen

Un­se­re Städ­te wa­ren im Mit­tel­al­ter und in der Neu­zeit stän­dig vom Feu­er be­droht. Be­son­ders in Kriegs­zei­ten ver­viel­fach­te sich durch Brand­schat­zun­gen der Sol­da­tes­ka die­se Ge­fahr. Die en­ge Be­bau­ung, Holz als ver­brei­te­tes Bau­ma­te­ri­al, teil­wei­se selbst in oder an Ka­mi­nen, das of­fe­ne Feu­er auf den Her­den und die ein­ge­schränk­ten Mög­lich­kei­ten der pri­mi­ti­ven Lösch­ge­rä­te führ­ten da­zu, dass bei ei­nem Brand bin­nen kur­zer Zeit nicht nur die be­nach­bar­ten Häu­ser, son­dern gan­ze Stra­ßen­zü­ge und Stadt­vier­tel nie­der­brann­ten. Durch klei­ne Un­acht­sam­kei­ten konn­ten in Win­des­ei­le ver­hee­ren­de Brän­de mit gro­ßem Scha­den ent­ste­hen. Die gro­ßen Stadt­brän­de in Deg­gen­dorf um 1190, in den Jah­ren 1257, 1308, 1313, 1332, 1633, 1638, 1743, 1822, 1839, 1845, 1868 und 1893 sind Be­leg da­für.

Es nimmt da­her nicht Wun­der, dass man sich be­reits früh Ge­dan­ken über Si­cher­heits­vor­keh­run­gen mach­te und spe­zi­el­le Brand­schutz­ver­ord­nun­gen er­ließ, in de­nen auf be­son­de­re Sorg­falt im Um­gang mit Licht und Feu­er ori­en­tiert wur­de. In der äl­tes­ten er­hal­te­nen Samm­lung von Sat­zun­gen und Pflich­ten der Stadt Deg­gen­dorf, der Ehe­haft-Ord­nung aus dem Jah­re 1556 ge­bie­ten ain er­sa­mer Radt al­len Bur­gern, In­wo­nern und Un­tertho­nen, das man das Liecht und Feur in son­der gue­ter Ach­tung und Sorg­fell­tig­khait prau­chen und ha­ben sol­le, auf das dar­durch Ver­der­ben Laibs und Guets ver­hu­et, das auch die Haus­wirttleut dar­ob sey­en, auf das ire Dienstleudt und Ee­hall­ten (Dienst­mäd­chen) mit kai­nem Un­fleiß be­dre­ten (an­ge­trof­fen) wer­den. Die An­wei­sung, dass die Be­woh­ner mit Span­liecht nit auf den Gas­sen ge­en sol­len, war dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass ge­ra­de beim abend­li­chen Heim­gang mit Fa­ckel oder Kien­span Fun­ken­flug so man­chen Brand ver­ur­sacht hat­te. Neue Feu­er­stät­ten durf­ten nur mit Ge­neh­mi­gung er­rich­tet wer­den.

Die Haus­be­sit­zer wa­ren für die Rein­hal­tung der Ka­mi­ne ver­ant­wort­lich. Da die Be­sei­ti­gung der feu­er­ge­fähr­li­chen Ruß- und Pech­ab­la­ge­run­gen aber mehr und mehr fach­män­ni­sche Kennt­nis­se er­for­der­te, nicht je­der Haus­be­sit­zer da­mit zu­recht­kam und das Ka­min­fe­gen der blo­ßen Pri­vat-Sorg­falt der Haus­be­sit­zer nicht über­las­sen wer­den konn­te, bil­de­te sich all­mäh­lich ein ei­ge­ner Be­rufs­stand her­aus, der in den ver­schie­de­nen Re­gio­nen Deutsch­lands mit un­ter­schied­lichs­ten Be­zeich­nun­gen be­legt wur­de: Ka­min­fe­ger, Es­sen­keh­rer, Schorn­stein­fe­ger, Schlot­fe­ger, Feu­er­mau­er­keh­rer, Hel­le­fe­ger usw. In Deg­gen­dorf lau­te­ten sie an­fangs Khi­michkhö­rer oder Rauch­fang­khö­rer und schlie­ß­lich Ka­min­keh­rer. Die ers­ten Ver­tre­ter die­ses Be­ru­fes, die ihr Hand­werk oh­ne fes­ten Wohn­sitz im Um­her­zie­hen aus­üb­ten, ka­men aus Nord­ita­li­en, wo be­reits im 13. und 14. Jahr­hun­dert, al­so frü­her als in Deutsch­land ge­mau­er­te Schorn­stei­ne und Rauch­fän­ge in Ge­brauch ka­men.

Pflichten der Kaminkehrer: Kaminsäuberung, Feuerbeschau und Brandbekämpfung

Ih­re wich­tigs­te Auf­ga­be be­stand na­tür­lich in der Rei­ni­gung der Rauch­fän­ge und Schorn­stei­ne. Wohl­tä­tig ist des Feu­ers Macht, erst wenn ge­fegt ist Schlot und Schacht, lau­tet ein al­ter Hand­wer­ker­spruch der Rauch­fang­keh­rer. Für die Ka­min­säu­be­rung bür­ger­te sich ein durch­schnitt­li­cher Rhyth­mus von vier Keh­run­gen pro Jahr ein, wie es auch in ei­ner kur­fürst­li­chen Ver­ord­nung vom 28. März 1735 erst­ma­lig fest­ge­schrie­ben wur­de. Wo be­stän­dig ge­feu­ert wur­de, soll­te nach der all­ge­mei­nen baye­ri­schen Feu­er­ord­nung vom 30. März 1791al­le zwei Mo­na­te oder noch öf­ter ge­kehrt wer­den, da­bei nicht, wie bis­her öf­ters ge­sche­hen ist, nach­läs­sig durch blo­ße Bu­ben, son­dern in ei­ge­ner Per­son, oder mit­telst tüch­ti­ger Ge­sel­len mit flei­ßi­ger Ab­krat­zung des Pe­ch­es und Ru­ßes be­dächt­lich rei­ni­gen und keh­ren, auch den gan­zen Ka­min durch­säu­bern und sich gleich­sam zur Kon­trol­le oben bei der Öff­nung her­aus se­hen las­sen.

Der Ka­min­keh­rer trug die vol­le Ver­ant­wor­tung da­für, dass kei­ne Brän­de durch nach­läs­si­ge Ar­beit sei­ner­seits ent­stan­den. Brach ein Feu­er aus, das er durch Feh­ler in sei­ner Tä­tig­keit mit zu ver­ant­wor­ten hat­te, wur­de er un­nach­sich­tig be­straft. Im Jah­re 1674 hat­te der Deg­gen­dor­fer Bür­ger und Satt­ler Schaf­nagl yber das Feu­er der Khu­chel in ei­nem Khessl oder Pfa­nen ein faiss­ten (fet­ten Bra­ten) se­zen las­sen, wel­che auß Un­fleiß brinendt wor­den, das daß Feu­er zum Rauch­fang hoch au­ß­ge­schla­gen. Und weiln oh­ne das der Rauch­fang, wie sich in der Prunst ge­wi­sen, nit recht sau­ber ge­we­sen, als ist sel­bi­ger umb ½ Re­gen­spur­ger Pfen­nig ge­strafft wor­den, trifft 1 Gul­den 25 Kreu­zer 5 Hel­ler. Da der Rauch­fang­keh­rer Be­ne­dict Rupp von dem Schaf­nagl ein jer­lich ge­wi­ses De­pu­tat, den Rauch­fang zu ze­s­ehn, zu khe­ren und zu sai­bern, das man vor Feu­rers­ge­fahr sein mö­ge, er­hal­ten hat­te, wur­de er we­gen sei­nes be­sche­che­nen Un­fleiß und nit Zu­se­hens eben­falls mit ei­ner Rauch­fangs­tra­fe in der glei­chen Hö­he be­legt.

Zur Rei­ni­gung der Ka­mi­ne ge­hör­te auch die Ge­wohn­heit, die Schorn­stei­ne von Zeit zu Zeit aus­bren­nen zu las­sen. Da bei die­sem Vor­gang sehr leicht ein un­kon­trol­lier­ter Brand ent­ste­hen konn­te, war die Ver­ant­wor­tung des Ka­min­keh­rers hier be­son­ders groß. Nach ei­ner kur­fürst­li­chen Ver­ord­nung von 1802 muss­te er den Ka­min vor dem Aus­bren­nen ge­nau dar­auf­hin un­ter­su­chen, ob er kei­ne Ris­se oder Sprün­ge auf­wies und kei­ne leicht ent­zünd­ba­ren Stof­fe in der Nä­he wa­ren. Nach Mög­lich­keit soll­te das Aus­bren­nen durch häu­fi­ge­res Keh­ren über­haupt ver­mie­den wer­den.

Ei­ne wei­te­re Pflicht des Ka­min­keh­rers war die Teil­nah­me an der Feu­er­be­schau, der all­jähr­lich im Früh­jahr und Herbst al­le An­we­sen der Stadt un­ter­zo­gen wur­den. Auch sie ist in Deg­gen­dorf min­des­tens seit 1556 be­legt. In der ge­nann­ten Ehe­haft-Ord­nung wur­de zum Punkt Feu­ers­tet fest­ge­hal­ten: Ain für­sich­ti­ger, er­sa­mer und wei­ser Ca­me­rer und Rath al­hie zu Teg­khenn­dorff ha­ben von ge­mai­ner Bur­ger­schafft Not­turfft we­gen ai­gent­lich fur­ge­no­men, das all Feurs­tet, in­ner- und aus­ser­halb der Stadt, im Burkhge­ding, so seidthe­re des negs­ten be­sich­ti­get und auf Schrei­ben ai­nes Raths man­gl­haff­tig und un­ver­ward er­fun­den, so­vill der noch vor dem Feur nit ver­se­hen we­ret, one al­len wei­tern Vert­zug bey der grös­ten bur­ger­li­chen Straff ver­si­chert und er­baut sol­len wer­den, dan so­lich Feurs­tet wi­der­umb von neu­en Din­gen be­sich­tigt und be­schri­ben und die Un­ge­hor­sa­men ge­strafft wer­den sol­len.

Durch kur­fürst­li­che Ver­ord­nung vom 3. Fe­bru­ar 1731 wur­de die Feu­er­be­sich­ti­gung für al­le Städ­te, Märk­te und Dör­fer Bay­erns an­ge­ord­net. Of­fen­sicht­lich wur­de nicht über­all die Feu­er­be­schau mit dem not­wen­di­gen Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein durch­ge­führt. So ver­füg­te die kur­fürst­li­che Re­gie­rung in § 22 der all­ge­mei­nen Feu­er­ord­nung vom 30. März 1791: Die ob­rig­keit­li­chen Feu­er­be­schau­er sol­len nicht, wie bis­her ge­sche­hen ist, oben­hin und flüch­tig in die Ein­schürrlö­cher hin­ein­se­hen, und gleich­gül­tig über die­se dem Pu­bli­kum so wich­ti­ge An­ge­le­gen­heit wie­der da­von ei­len, son­dern mit Ernst al­le Win­kel des Hau­ses, be­son­ders die Ka­mi­ne, Öfen, Kü­chen und Ein­schür­ren von in­nen und aus­sen durch­su­chen, auch un­ter dem Haus­dach, und zwar nicht mit sträf­li­cher Par­tei­lich­keit, son­dern mit ge­nau­es­ter Sorg­falt, und pflicht­mä­ßi­ger Be­dacht­sam­keit, al­les Ver­däch­ti­ge be­sich­ti­gen.

Bei der Feu­er­be­schau in Deg­gen­dorf wur­den al­le Feu­er­stel­len und die ent­spre­chen­den Rauch­fän­ge in je­dem Hau­se oh­ne Aus­nah­me auf ih­re Taug­lich­keit und Si­cher­heit über­prüft Vor­han­de­ne Ge­bre­chen, d. h. so­wohl bau­tech­ni­sche Män­gel als auch das Feh­len ein­fa­cher Si­cher­heits­vor­keh­run­gen wie Bo­den­ble­che vor den Öfen, un­sach­ge­mä­ße La­ge­rung der Asche, um­ständ­li­che und feu­er­ge­fähr­li­che Ofen­rohr­füh­run­gen, La­ge­rung brenn­ba­rer Ge­gen­stän­de in un­mit­tel­ba­rer Nä­he des Ka­mins, zer­bro­che­ne Ka­min­tü­ren, ver­streu­te Asche auf Holz­bö­den usw. wur­den akri­bisch in ei­nem Pro­to­koll no­tiert und mit Straf­gel­dern ge­ahn­det. Auf der Grund­la­ge die­ser Pro­to­kol­le, von de­nen sich vie­le er­hal­ten ha­ben, wur­de die Be­sei­ti­gung al­ler Män­gel in ei­ner be­stimm­ten Frist an­ge­ord­net. Für den Fall, dass die­se bei der Nach­vi­si­ta­ti­on (Nach­prü­fung) noch nicht be­ho­ben wa­ren, wur­den hö­he­re Stra­fen an­ge­droht. Die Stadt­kam­mer­rech­nung wies in vie­len Jah­ren Ein­nah­men aus der Rauch­fangb­schau und Feur­spruns­st­straf­fen auf. 1729 wur­de bei­spiel­wei­se fest­ge­hal­ten: Mat­thia­sen Gross, Bür­ger und Zim­mer­man al­hier, umb wil­len er sich bei der pro an­no diss ob­rig­keit­li­chen vor­ge­nom­me­nen Rauch­fangb­schau mit ai­nem zo­te­ten (un­ge­putz­ten) und pe­chi­gen Rauch­fang fäh­lig be­tret­ten las­sen, ist nebst ert­hailt schar­p­fen Ver­weis und Brau­chung bes­se­rer Ob­sicht punc­tiert per 8 Kreu­zer 4 Hel­ler. Ver­standt­ner Uhrsach wil­len ist auch Pau­lus Ver­ber ge­strafft wor­den umb 8 Kreu­zer 4 Hel­ler. 1867 wur­den fünf Bräu­er aus Deg­gen­dorf vom Land­ge­richt zu je drei Gul­den Geld­bu­ße ver­ur­teilt, weil sie die bei der Feu­er­be­schau fest­ge­leg­ten Ver­än­de­run­gen in ih­ren Malz­dör­ren nicht in­ner­halb von vier Wo­chen vor­ge­nom­men hat­ten.

Der Ka­min­keh­rer war der­je­ni­ge, der die Aus­füh­rung der An­wei­sun­gen der Feu­er­be­schau­kom­mis­si­on zu über­prü­fen hat­te. Er war an­ge­hal­ten, et­wai­ge Ver­stö­ße da­ge­gen zur An­zei­ge zu brin­gen, eben­so wenn er ge­hin­dert wur­de, die Rei­ni­gung von Ka­mi­nen durch­zu­füh­ren. Pflicht des Ka­min­fe­gers war es auch, Män­gel so­fort an­zu­zei­gen, die ihm beim plan­mä­ßi­gen Keh­ren auf­fie­len, et­wa wenn der Rauch­fang schad­haft, zum Schlie­fen zu eng, oder sonst Feu­er ge­fähr­lich wä­re, oder Kluft­lö­cher hät­te. Er muss­te auch auf die rich­ti­ge Hö­he der Rauch­fän­ge (2 bis 3 Schu­he über das Haus­dach hin­aus) und dar­auf ach­ten, dass er mit ei­nem Vor­schie­ber von star­kem Ei­sen­blech ver­se­hen war, da­mit man sel­ben, wenn der Rauch­fang bren­nend wird, zu­schie­ben, so­hin das Feu­er schnell dämp­fen kann.

Die Feu­er­be­schau wur­de von ei­ner Kom­mis­si­on vor­ge­nom­men, die von ei­nem Rats- oder spä­ter Ma­gis­trats­mit­glied ge­lei­tet wur­de und sich aus Sach­kun­di­gen zu­sam­men­setz­te, die von Be­rufs we­gen die Feu­er­si­cher­heit über­prü­fen und auch bau­li­che Ver­än­de­run­gen an­wei­sen konn­ten: der Ka­min­kehrer­meis­ter, ein oder meh­re­re Mau­rer- oder Bau­meis­ter bzw. Zim­merer­meis­ter und im 19. Jahr­hun­dert der Brand­ver­si­che­rungs­in­spek­tor. Bei der ge­son­der­ten Feu­er­be­schau der Braue­rei­en, de­ren Malz­dör­ren be­son­ders feu­er­ge­fähr­lich wa­ren, wur­de auch ein Bräu­meis­ter als Sach­ver­stän­di­ger hin­zu­ge­zo­gen. Noch im Jah­re 1898 wur­de ei­ne neue kö­nig­li­che Ver­ord­nung zur Feu­er­be­schau ver­ab­schie­det. Die Kom­mis­si­on setz­te sich da­nach aus ei­nem Ver­tre­ter der Orts­po­li­zei­be­hör­de, ei­nem Bau­meis­ter, dem zu­stän­di­gen Ka­min­kehrer­meis­ter und ei­nem Char­gier­ten des frei­wil­li­gen Feu­er­wehr­korps zu­sam­men, die durch Hand­ge­lüb­de an Ei­des Statt für ih­re Auf­ga­be ver­pflich­tet wur­den.

Drit­tens war es die Pflicht des Rauch­fang­keh­rers, bei Brän­den so­fort mit sei­nen Ge­sel­len mit dem not­hwen­di­gen Ar­beits­zeu­ge ver­se­hen am Brand­herd zu er­schei­nen. We­gen ih­rer Orts­kennt­nis konn­ten sie der Feu­er­wehr wert­vol­le Hin­wei­se ge­ben. Ih­re Auf­ga­be war es, die Dä­cher, wenn es nö­tig ist, zu be­stei­gen, zu wel­chem En­de nas­se, in Was­ser wohl ein­ge­tauch­te Sä­cke und Pla­chen so­gleich her­bei­ge­schafft, und von den nächs­ten Nach­barn zur Be­le­gung der Dä­cher ge­rich­tet wer­den müs­sen. Noch 1890 wur­de ei­nem Be­wer­ber um die Ka­min­keh­rer­stel­le in Deg­gen­dorf be­schei­nigt, dass er bei aus­ge­bro­che­nen Brän­den durch sein ra­sches Er­schei­nen, sei­ne en­er­gi­sche, um­sich­ti­ge und auf­op­fern­de Tä­tig­keit er­folg­rei­che Diens­te ge­leis­tet ha­be. Der Rat der Rauch­fang­keh­rer war selbst­ver­ständ­lich auch bei der Aus­ar­bei­tung und Ver­voll­komm­nung der Feu­er­ord­nung ge­fragt. Noch heu­te ist es für die Schorn­stein­fe­ger Eh­ren­sa­che, in der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr mit­zu­wir­ken. 90 Pro­zent der nie­der­baye­ri­schen Be­zirks­ka­min­kehrer­meis­ter sind Mit­glie­der der Feu­er­wehr, vie­le in ho­hen Dienst­rän­gen.

Nachrichten über die ersten Rauchfangkehrer in Deggendorf

Der ers­te ur­kund­li­che Nach­weis über ei­nen Ka­min­fe­ger in Deg­gen­dorf stammt aus der Stadt­bau­rech­nung des Jah­res 1620, wo un­ter den Aus­ga­ben fest­ge­hal­ten ist: Dem Ge­orgn Frel­lich Rauch­fang­khö­rer von 5 Röhrn zu khörn gebn 1 Schil­ling 22½ Pfen­nig. Da­mit ist nur acht Jah­re, nach­dem den Ka­min­keh­rern aus Mün­chen, Lands­hut, Strau­bing und Burg­hau­sen ei­ne zunftähn­li­che Ord­nung ver­lie­hen wor­den war, die Tä­tig­keit ei­nes Rauch­fang­keh­rers auch in Deg­gen­dorf be­legt. In die­sen Or­ten sind be­reits aus dem 16. Jahr­hun­dert ein­zel­ne Rauch­fang­keh­rer mit Na­men be­kannt, so in Lands­hut Ja­kob Qui­na­zo (1569) und Franz Wi­naz (1595) so­wie in Strau­bing Be­ne­dikt Säm­mer (1599). In Re­gens­burg wird der ers­te Ka­min­keh­rer 1638 na­ment­lich er­wähnt. Aber schon 1567 hat­te der Rat der Stadt Re­gens­burg im Vor­feld des Reichs­ta­ges die Bür­ger auf­ge­for­dert, dass ihr dem­nach ew­re Fe­wr­stett ver­sorgt / vnd ver­wa­ret / Die Ko­emich khoeren las­set, was die Ver­mu­tung na­he legt, dass zu die­ser Zeit schon um­her­zie­hen­de Schorn­stein­fe­ger auch in Re­gens­burg ih­re Ar­beit ver­rich­te­ten.

In Deg­gen­dorf als ei­ner klei­nen Stadt gab es über meh­re­re Jahr­hun­der­te hin­weg nur ei­nen ein­zi­gen Ka­min­kehrer­meis­ter. Auf den ers­ten na­ment­lich be­kann­ten – Ge­org Frel­lich (Fröh­lich) – folg­te sein Sohn Wolf Frel­lich, der u.a. vom Ka­tha­ri­nen­spi­tal für das Keh­ren von sechs Rauch­fän­gen zwei Schil­lin­ge und drei Pfen­ni­ge er­hielt.

Die Deggendorfer Kaminkehrerdynastie Ruepp (Rupp)

1646 taucht in den über­lie­fer­ten Ak­ten mit Be­ne­dict Ruepp (Rupp) der ers­te Ver­tre­ter ei­ner Ka­min­kehr­er­dy­nas­tie auf, die über zwei Jahr­hun­der­te lang die Schorn­stein­fe­ger Deg­gen­dorfs stell­ten. Das Ka­min­keh­rer­ge­wer­be wur­de in ih­rer Fa­mi­lie fak­tisch erb­lich, wur­de vom Va­ter auf den Sohn, bei Kin­der­lo­sig­keit auch auf den Nef­fen und schlie­ß­lich auf den an­ge­hei­ra­te­ten Schwie­ger­sohn über­tra­gen (vgl. die Über­sicht auf S....). Auch in Land­au an der Isar und in Kel­heim fin­den sich Rauch­fang­keh­rer die­ses Na­mens.

Höchst­wahr­schein­lich stamm­te die Fa­mi­lie – wie vie­le an­de­re Ka­min­keh­rer – aus Ita­li­en, denn im Fa­mi­li­en­be­sitz fan­den sich ei­ni­ge wel­sche Bü­cher. Be­ne­dict Ruepp war kein rei­cher Mann. Er be­saß kein ei­ge­nes Haus wie die meis­ten Hand­wer­ker der an­de­ren Ge­wer­be und wohn­te da­her im drit­ten Stadt­vier­tel in der Nä­he des Un­te­ren Tors in ei­nem Haus zur Mie­te, in dem sich auch ein Satt­ler ein­ge­mie­tet hat­te. Für die Säu­be­rung der Rauch­fän­ge auf dem Rat­haus, Stadt­turm und an­de­rer ge­mei­ner Statt an­ge­hö­ri­gen Häu­ser übers Jahr be­kam er jähr­lich drei Gul­den und 30 Kreu­zer von der Stadt­ver­wal­tung. An Steu­ern muss­te er an­fangs 45 Kreu­zer an die Stadt ab­füh­ren. Im Jah­re 1648 wohn­te er als ein­zi­ger Mie­ter in ei­nem Haus im zwei­ten Stadt­vier­tel eben­falls am Un­te­ren Tor. Sei­ne Steu­er­last be­trug 22 Kreu­zer 3½ Hel­ler. Da­nach wuchs die Steu­er wie­der an, über 45 auf 57 Kreu­zer.

Sein Sohn Wil­helm Ruepp er­hielt 1677 ge­gen ei­ne Ge­bühr von 4 Gul­den 17 Kreu­zer und 1 Hel­ler das Bür­ger­recht. An Steu­ern zahl­te er wie sein Va­ter mit 57 Kreu­zer 1 Hel­ler zwei Drit­tel des Steu­er­fu­ßes von 1 Gul­den 25 Kreu­zer und 5 Hel­ler. Er brach­te es schon zu ge­wis­sem Wohl­stand. Sei­ne Woh­nung in der He­rolds­gas­se, in der heu­ti­gen Bahn­hof­stra­ße Nr. 2, beim Drechs­ler Hans Sürch war re­spek­ta­bler als die sei­nes Va­ters. Als er 1682 bei ei­nem Ge­schäfts­rei­se in Land­au an der Isar starb, hin­ter­ließ er ein be­trächt­li­ches Ver­mö­gen im Wert von 1 500 Gul­den, we­sent­lich mehr als die meis­ten an­de­ren im Jah­re 1682 ge­stor­be­nen Deg­gen­dor­fer Bür­ger ver­erb­ten, de­ren Er­be zwi­schen 150 bis 1 400 Gul­den be­trug. Le­dig­lich ein Nei­ger­schmied (Boh­rer­schmied) über­traf mit ei­nem Nach­lass von 2 000 Gul­den Wil­helm Ruepp. Die Auf­zäh­lung der ein­zel­nen Pos­ten des Be­sit­zes von Wil­helm Ruepp füllt im In­ventar­buch der Stadt Deg­gen­dorf 14 Sei­ten. Er hat­te sich sein Ver­mö­gen nicht al­lein mit der Tä­tig­keit des Ka­min­keh­rens er­wor­ben. Ne­ben die­sem Ge­wer­be be­trieb er ge­mein­sam mit sei­nem Ver­wand­ten Jo­hann Ruepp, Rauch­fang­keh­rer in Land­au, Han­dels­ge­schäf­te, die sich bis Strau­bing, Re­gen, Böb­rach, Rinch­nach und Vils­hofen er­streck­ten. Ruepp han­del­te mit Stof­fen, Knöp­fen und wei­te­rem Schnei­der­zu­be­hör, mit Hand­schu­hen, Strümp­fen und Au­gen­glä­sern, Ka­len­dern, Käm­men und an­de­ren Tänd­ler­wa­ren, die er in ei­nem Büt­ten (Rü­cken­trag­korb) trans­por­tier­te. Solch ei­nen Büt­ten vol­ler Wa­ren hat­te er auch bei sich, als er in Land­au starb. Sei­ne Wa­ren be­zog er aus Re­gens­burg.

Beim plötz­li­chen Ab­le­ben Wil­helm Ruepps war sein Sohn Do­mi­ni­kus noch zu jung, um das Ge­wer­be über­neh­men zu kön­nen. Bis zu des­sen Voll­jäh­rig­keit er­hielt des­halb Ja­cob Zu­bin in­te­rim (für die Zwi­schen­zeit) die Ka­min­keh­rer­ge­rech­tig­keit. Für die Auf­nah­me als Bür­ger und Rauch­fang­keh­rer muss­te er vier Gul­den an die Stadt­kas­se ent­rich­ten. Zu­bin stamm­te aus der Schweiz, der an­de­ren Re­gi­on, die ne­ben Ita­li­en vie­le der ers­ten Ka­min­fe­ger in deut­schen Lan­den stell­te.

Spä­tes­tens im Jah­re 1690 trat Do­mi­ni­cus Ruepp die Nach­fol­ge sei­nes Va­ters an. Für das ge­wach­se­ne An­se­hen des Rauch­fang­keh­rers zeug­te, dass er in die­sem Jahr als Tes­tes (Zeu­ge) bei der Be­ur­kun­dung von Hy­po­the­ken­ver­trä­gen her­an­ge­zo­gen wur­de. Am 22. Ju­ni 1696 wur­de er als ers­ter sei­ner Fa­mi­lie Haus­be­sit­zer: Er kauf­te von dem Mül­ler Chris­toph Schus­ter für 300 Gul­den das re­prä­sen­ta­ti­ve Haus Nr. 134 (heu­te Luit­pold­platz Nr. 20), das über hun­dert Jah­re im Be­sitz sei­ner Fa­mi­lie blieb. 1720 er­warb er noch für 34 Gul­den ein frei­ste­hen­des Sta­del bei der An­ger­müh­le. Do­mi­ni­cus Ruepp zahl­te an Steu­ern an­fangs 1 Gul­den 47 Kreu­zer, spä­ter 2 Gul­den 10 Kreu­zer an die Stadt. Wie sein Va­ter be­tä­tig­te er sich auch als Krä­mer. 1698 ver­lieh die Stadt dem Rauch­fang­khö­rer ge­gen ei­ne Zah­lung von zwölf Gul­den zu­sätz­lich die Krä­mer­ge­rech­tig­keit. Das Ka­min­keh­rer­ge­wer­be al­lein brach­te wahr­schein­lich nicht ge­nug Ein­nah­men. Noch 1742 er­hielt Do­mi­ni­cus Ruepp ge­nau so viel für die Säu­be­rung der Ka­mi­ne in den stadt­ei­ge­nen Häu­sern wie sein Gro­ßva­ter Be­ne­dict im Jah­re 1663, näm­lich 3 Gul­den und 30 Kreu­zer.

Auch in an­de­ren Städ­ten war es im 16. und 17. Jahr­hun­dert üb­lich, dass Ka­min­keh­rer ein zwei­tes Ge­wer­be aus­üb­ten, in Augs­burg et­wa das des Mau­rer­meis­ters oder Lod­we­bers, in Braun­schweig das ei­nes Händ­lers mit Samt- und Sei­den­stof­fen so­wie Bor­ten. Do­mi­ni­cus Ruepps Ge­schäf­te müs­sen aber ei­ne sol­che Aus­wei­tung er­fah­ren ha­ben, dass er so­gar an­de­re Schorn­stein­fe­ger für sich ar­bei­ten ließ, so z.B. Jo­hann Du­bin, Bür­ger und Ka­min­keh­rer in Os­ter­ho­fen, der 1704 ei­nen Streit um den Lidtlohn (Ar­beits­lohn) von 35 Gul­den 15 Kreu­zer führ­te, den ihm Do­mi­ni­cus Ruepp schul­dig ge­blie­ben war.

Dem Rauch­fang­keh­rer Ruepp lag der Brand­schutz sehr am Her­zen. So bau­te und ver­kauf­te er Feu­er­sprit­zen mit gro­ßer Leis­tung. Ne­ben ai­ni­gen zur Feu­r­ordt­nung dien­li­chen Vor­schlä­gen bot er am 8. Fe­bru­ar 1719 dem Stadt­rat an, nit al­lein die uf sei­nen Un­coss­ten bei­ge­schaff­te 6 Feur­sprit­zen, dar­un­ter 2 gross und 4 klai­ne, sambt al­ler Zue­ge­hör gra­tis zur Statt ze ge­ben, auch sel­bi­ge uf sei­nen Un­coss­ten ze un­d­ter­hal­ten. Als Be­din­gung stell­te er, dass ihm da­für all­zeit Quar­tier, auch al­ler An­la­gen und Ser­vis frey ge­las­sen wer­de. Da es der Stadt an Geld man­gel­te, sah sie sich ge­zwun­gen, die­ses An­ge­bot an­zu­neh­men, ver­lang­te aber, dass Do­mi­ni­cus Ruepp auf sei­ne Kos­ten auch die üb­ri­gen be­reits bei der Stadt vor­han­de­nen Feu­er­sprit­zen je­der­zeit zu un­d­er­hal­ten schul­dig sein solt. Er wur­de von al­len Ein­quar­tie­run­gen, Diens­ten und Ab­ga­ben be­freit mit Aus­nah­me der­je­ni­gen, wel­che nach dem Steur­fu­es (Steu­er­fuß = Steu­er­ver­an­la­gung in Form von Haus-, Grund- und Ge­wer­be­steu­er) ein­ge­bracht wer­den müs­sen. Soll­te er aber so zeit­li­chen ver­ster­ben und den Werth der Feur­sprit­zen nit ge­nies­sen würdt, wierd­tet man nit un­ge­n­ai­gt sein, sol­chen Werth sei­nen Er­ben ge­nies­sen zlas­sen. Die­ser Ver­trag rief über vier Jahr­zehn­te spä­ter – in den Jah­ren 1761 bis 1765 – ei­nen jah­re­lan­gen Streit zwi­schen der Stadt und dem Ka­min­fe­ger Jo­seph Ruepp her­vor, der die von sei­nem Va­ter der Stadt über­las­se­nen Sprit­zen an­geb­lich nach Land­au und Moos ver­kauft hat­te. Ruepp konn­te ge­gen­über dem Rent­amt in Strau­bing sei­ne Un­schuld be­le­gen, da die der Stadt ge­hö­ren­den Sprit­zen im Ös­ter­rei­chi­schen Erb­fol­ge­krieg ver­brannt wa­ren, in dem sich üb­ri­gens die Ös­ter­rei­cher bei ih­rer Be­set­zung Deg­gen­dorfs nicht an die Be­frei­ung Ruepps von Ein­quar­tie­run­gen ge­hal­ten hat­ten. Er bot der Stadt an, sechs neue Feu­er­sprit­zen zum Preis von je 55 Gul­den zu lie­fern.

Do­mi­ni­cus Ruepp leb­te für die da­ma­li­ge Zeit sehr lan­ge. Er konn­te sein fünf­zig­jäh­ri­ges Ju­bi­lä­um als Ka­min­keh­rer be­ge­hen und bei­na­he Gol­de­ne Hoch­zeit fei­ern. Aus der Ehe mit Ma­ria Mag­da­le­na, geb. Paur, die er am 4. Fe­bru­ar 1698 ge­hei­ra­tet hat­te, gin­gen sechs Kin­der her­vor. Als er im Ja­nu­ar 1746 ver­starb, erb­te sei­ne Wit­we sein Haus mit der dar­auf lie­gen­den Ka­min­keh­rer- und Krä­mer­ge­rech­tig­keit. Sie über­gab das Haus und die Ge­wer­be­rech­te für 2000 Gul­den an ih­ren 1702 ge­bo­re­nen ein­zi­gen Sohn Jo­seph Ruepp, der am 19. Ja­nu­ar 1746 vom Stadt­rat als Bür­ger, Rauch­fang­keh­rer und Han­dels­mann auf­ge­nom­men wur­de und da­für 18 Gul­den in die Stadt­kas­se ein­zu­zah­len hat­te. Am 2. De­zem­ber 1747 hei­ra­te­te er die Weiß­bä­cker­s­toch­ter Mag­da­le­na Ha­sen­ehrl, die 700 Gul­den in die Ehe ein­brach­te. Jo­seph Ruepps wirt­schaft­li­che Ver­hält­nis­se wa­ren den­noch nicht so güns­tig wie die sei­nes Va­ters. Der Sta­del war wäh­rend des Ös­ter­rei­chi­schen Erb­fol­ge­krie­ges ab­ge­brannt. Die Brand­stät­te ver­äu­ßer­te Jo­seph Ruepp 1751 für nur 10 Gul­den an den Metz­ger Mi­cha­el Grä­ßl. Auf sein er­erb­tes Haus nahm er 1756 ei­ne Hy­po­thek von 300 Gul­den auf, die noch bei sei­nem To­de nicht ge­löscht war. 1772 ver­kauf­te er zwei Tag­werk Wies­mahd auf dem Edrach für 600 Gul­den an sei­nen Sohn, Cas­par Ruepp.

Jo­seph Rupp hat­te meh­re­re Söh­ne. Da aber nur ein Ka­min­fe­ger in Deg­gen­dorf be­nö­tigt wur­de, er­lern­te der ge­nann­te Cas­par das Weiß­bä­cker­hand­werk und folg­te da­mit der Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on sei­ner Mut­ter. Ein an­de­rer Sohn – Jo­hann Be­ne­dikt – wur­de Ka­pu­zi­ner und Geist­li­cher und hat­te 1780 sein ers­tes hei­li­ges Mess­op­fer. Fort­set­zer des Ka­min­fe­ger­ge­wer­bes wur­de Jo­seph Ruepps gleich­na­mi­ger Sohn Jo­seph, der am 17. Ju­li 1779 das Bür­ger­recht, die Rauch­fang­keh­rer- und Han­dels­ge­rech­tig­keit vom Stadt­rat er­hielt, nach­dem er sich mit sei­nen Ge­schwis­tern über die Über­nah­me des Hau­ses und der da­mit ver­bun­de­nen Rech­te ei­nig ge­wor­den war. Die Ge­büh­ren da­für be­tru­gen 20 Gul­den für die Stadt­kas­se, 2 Gul­den zum kur­fürst­li­chen Tax und 4 Gul­den zum Re­com­pens (Be­ar­bei­tungs­ge­bühr). Am 20. Sep­tem­ber 1779 hei­ra­te­te Jo­seph Ruepp die wohl­ha­ben­de Mül­ler­wit­we Cla­ra Alt­man­sper­ger. Im Heu­raths­brief (Ehe­ver­trag) ver­mach­te sie ihm 2 000 Gul­den. Sie bürg­te auch ge­mein­sam mit ih­rem Ehe­mann für die von ih­rem ver­stor­be­nen Schwie­ger­va­ter auf­ge­nom­me­ne Hy­po­thek von 300 Gul­den, für die von den Ehe­leu­ten auch die Ka­min­keh­rer­ge­rech­tig­keit als Si­cher­heit ein­ge­bracht wur­de.

Die Ehe blieb kin­der­los. Nach dem To­de Jo­seph Ruepps über­nahm um 1808 sein Nef­fe Jo­hann Ne­po­muk, Sohn des Weiß­bä­ckers Cas­par Ruepp, das Ka­min­fe­ger­hand­werk. Er ehe­lich­te 1809 die Huf­schmied­s­toch­ter An­na Schwarz­kopf aus Schöll­nach. Das Ehe­paar leb­te im Haus Nr. 150, heu­te La­tein­schul­gas­se 6. Als Jo­hann Ne­po­muk Rupp 1834 starb, führ­te sei­ne Wit­we noch elf Jah­re lang den Be­trieb meis­ter­los mit ei­nem Werk­füh­rer wei­ter.

Da aus ih­rer Ehe of­fen­sicht­lich kein Sohn her­vor­ge­gan­gen war, muss­te die Toch­ter Wal­bur­ga Rupp ei­nen Ka­min­keh­rer als Mann zur Wei­ter­füh­rung der in der Fa­mi­lie lie­gen­den Ge­wer­be­be­rech­ti­gung su­chen. Da­bei hat­te sie nicht ge­ra­de Glück, was zwei un­ehe­li­che Kin­der ver­mu­ten las­sen. Am 27. März 1844 über­gab schlie­ß­lich die Wit­we von Jo­hann Ne­po­muk Rupp Al­ters und Ge­brech­lich­keits hal­ber ihr Haus und die Ka­min­keh­rer-Kon­zes­si­on ge­gen ei­ne Sum­me von 5 700 Gul­den und le­bens­lan­ge Woh­nung, Be­kös­ti­gung und Pfle­ge an ih­re nun­mehr 34 Jah­re al­te Toch­ter, die in dem ge­lern­ten Ka­min­keh­rer Karl Fran­ze­s­co Brog­gio zur An­tret­tung ih­res An­we­sens ei­ne Heu­raths­part­hie ge­fun­den zu ha­ben schien. Der 1805 in der ober­ita­lie­ni­schen Re­gi­on Pie­mont ge­bo­re­ne Brog­gio hat­te laut Zeug­nis der Po­li­zei­di­rek­ti­on Mün­chen schon sieb­zehn Jah­re in Mün­chen ge­ar­bei­tet, ge­ra­de die Meis­ter­prü­fung be­stan­den und war da­mit zur Aus­übung des Ka­min­keh­rer­ge­wer­bes in al­len Ge­mein­den für tüch­tig be­fun­den wor­den. Das be­stä­tig­te auch der bei der Ver­hand­lung vor dem Stadt­ma­gis­trat an­we­sen­de Ka­min­kehrer­meis­ter Carl Franzinet­ti aus Mün­chen. Brog­gio leg­te dem Ma­gis­trat Be­le­ge über ein Ver­mö­gen von ins­ge­samt 3 700 Gul­den vor. Trotz Zu­stim­mung der Be­hör­den zur Ein­bür­ge­rung trat er aber im Ok­to­ber 1844 von dem An­trag auf An­säs­sig­ma­chung als Ka­min­keh­rer und da­mit von dem Hei­rats­ver­spre­chen mit Wal­pur­ga Rupp zu­rück.

Wie­der muss­te ein Werk­füh­rer, der Ka­min­keh­rer­ge­sel­le Fried­rich Wer­ner aus Klein­heu­bach in Un­ter­fran­ken, die Wei­ter­füh­rung des Be­trie­bes im Na­men von An­na Rupp si­chern, da die Toch­ter oh­ne Hei­rat das Ge­wer­be nicht über­neh­men durf­te. Nach­dem an Brog­gio auf au­ßer­ge­richt­li­chem We­ge noch ei­ne Ab­stands­sum­me von 100 Gul­den ge­zahlt wor­den und Wer­ner am 6. Ok­to­ber 1845 als Bür­ger in Deg­gen­dorf auf­ge­nom­men wor­den war, schloss der 1819 ge­bo­re­ne Wer­ner mit Wal­bur­ga Rupp die Ehe. Doch er starb kurz dar­auf, so dass sei­ne Wit­we die Ka­min­keh­rer­kon­zes­si­on wie­der mit ei­nem Werk­füh­rer aus­üben muss­te. Die­ser Werk­füh­rer na­mens Se­bas­ti­an Mar­tin­stet­ter un­ter­stütz­te den Ge­schäfts­be­trieb mit 200 Gul­den. Die ge­mein­sa­men öko­no­mi­schen In­ter­es­sen zwi­schen Mar­tin­stet­ter – er wur­de 1816 in Schil­torn bei Platt­ling ge­bo­ren – und der Wit­we Wer­ner führ­ten da­zu, dass bei­de nach Er­tei­lung der Ka­min­keh­rer­kon­zes­si­on für Mar­tin­stet­ter am 2. Au­gust 1847 hei­ra­te­ten.

Die Be­rufs­lauf­bah­nen von Fried­rich Wer­ner und Se­bas­ti­an Mar­tin­stet­ter äh­nel­ten sich. Bei­de hat­ten ei­ne da­mals üb­li­che zwei­jäh­ri­ge Lehr­zeit vom Früh­jahr 1835 bis Früh­jahr 1837 ab­sol­viert, der ei­ne beim Ka­min­kehrer­meis­ter An­ton El­le­rich in Klein­heu­bach, der an­de­re beim Ka­min­kehrer­meis­ter Se­bas­ti­an Pat­te­rer in Din­gol­fing. Ein Jahr spä­ter er­hiel­ten bei­de den Lehr­brief (Ge­sel­len­brief). Erst um die Wen­de vom 19. zum 20. Jahr­hun­dert wur­de üb­ri­gens durch die Hand­werks­kam­mer für Nie­der­bay­ern ei­ne drei­jäh­ri­ge Lehr­zeit ver­bind­lich ge­macht. Nach mehr­jäh­ri­ger Wan­der­schaft hat­ten sich Wer­ner und Mar­tin­stet­ter 1845 bzw. 1847 in Lands­hut der Meis­ter­prü­fung un­ter­zo­gen und wur­den zur selb­stän­di­gen Aus­übung des Ge­wer­bes als Meis­ter in Städ­ten II. Klas­se als tüch­tig be­fun­den.

Mar­tin­stet­ter, erst am 12. Ju­li 1847 Deg­gen­dor­fer Bür­ger ge­wor­den, wur­de schon 1854 zum Ma­gis­trats­rat ge­wählt. Als ei­ner der 174 Ei­gen­tü­mer der gro­ßen Bo­gen­wei­de setz­te er sich da­für ein, dass die­se ih­re Ge­win­ne aus der Ver­pach­tung der Wei­de als Ka­pi­tal zur Grün­dung ei­ner frei­wil­li­gen Feur­wehr in Deg­gen­dorf be­reit­stell­ten. Am 9. April 1865 konn­te er dem 1. Feu­er­wehr­haupt­mann Ge­org Ha­bler ei­ne statt­li­che Sum­me von 418 Gul­den über­rei­chen. Im Ja­nu­ar 1885 über­gab Se­bas­ti­an Mar­tin­stet­ter die Ge­schäfts­füh­rung des Kehr­be­zirks sei­nem Sohn Lud­wig, der 1868 bis 1870 das Hand­werk er­lernt, 1871 in Inns­bruck ge­ar­bei­tet und seit­dem im vä­ter­li­chen Be­trieb be­schäf­tigt war.

Die acht Generationen der Kaminkehrerfamilie Ruepp (Rupp) –Martinstetter in Deggendorf

1. Be­ne­dict Ruepp (ver­mut­lich aus Ita­li­en, Ka­min­keh­rer um 1646 bis 1677 †)
2. Wil­helm Ruepp (* in Deg­gen­dorf, Ka­min­keh­rer 1677 bis 1682 †) In­te­rims­lö­sung: Ja­cob Zu­bin (aus der Schweiz, Ka­min­keh­rer 1682 bis et­wa 1690)
3. Do­mi­ni­cus Ruepp (* in Deg­gen­dorf, spä­tes­tens ab 1690 Ka­min­keh­rer und Han­dels­mann bis Ja­nu­ar 1746 †)
4. Jo­seph Ruepp, (* 1702 in Deg­gen­dorf, Ka­min­keh­rer und Han­dels­mann 1746 bis 1779 †)
5. Jo­seph Ruepp, (* 1749 in Deg­gen­dorf, 1779 Ka­min­keh­rer und Han­dels­mann bis et­wa 1808 †) Cas­par Ruepp (* 1752 in Deg­gen­dorf, 1767 Weiß­bä­cker, 1806 †)
6.Jo­hann Ne­po­muk Rupp, (* 1780 in Deg­gen­dorf, Ka­min­keh­rer 1809 bis 1834 †) Wei­ter­füh­rung durch die Wit­we An­na Rupp (* 1782 in Schöll­nach) mit Hil­fe des Werk­füh­rers Jo­seph From­hol­zer (1834 bis 1844)
7. Wal­bur­ga Rupp (* 1810 in Deg­gen­dorf, 1885 †) 1. Ehe am 23.10.1845 mit: Fried­rich Wer­ner, (* 1819 in Klein­heu­bach, Werk­füh­rer ab 1844, Ka­min­keh­rer 1845 bis 1846 †) 2. Ehe am 2. 8. 1847 mit: Se­bas­ti­an Mar­tin­stet­ter, (* 1816 in Schil­torn, Werk­füh­rer ab 1846, Ka­min­keh­rer 1847 bis 1889 †)
8. Lud­wig Mar­tin­stet­ter, (* 1854 in Deg­gen­dorf, Ka­min­keh­rer­ge­schäfts­füh­rer 1885 bis 1891, ab 1896 Kon­di­tor, 1904 †)

Kaminkehrergesellen in Deggendorf

Las­sen sich die Na­men der Schorn­stein­fe­ger­meis­ter über die Jahr­hun­der­te ge­nau ver­fol­gen, so bleibt die Zahl der in Deg­gen­dorf vor­über­ge­hend oder stän­dig le­ben­den Ka­min­keh­rer­ge­sel­len im Dun­keln. Sie hat­ten kein Bür­ger­recht und tauch­ten da­her in den Ak­ten kaum auf. 1840 wur­de die An­säs­sig­ma­chung und Ver­ehe­li­chung des 1812 in Deg­gen­dorf ge­bo­re­nen Ka­min­keh­rer­ge­sel­len Ja­kob Graf vom Stadt­ma­gis­trat ge­neh­migt, al­ler­dings nicht in sei­ner Ei­gen­schaft als Schorn­stein­fe­ger, son­dern weil er Haus­be­sit­zer war und un­ter Be­rück­sich­ti­gung des­sen, dass er die Mau­rer­pro­fes­si­on er­lernt, weil er sei­ne Fa­mi­lie mit die­sem Hand­werk er­näh­ren woll­te. Ein Ka­min­keh­rer mit glei­chem Na­men, ge­bo­ren am 13. De­zem­ber 1846, hei­ra­te­te 1881 in Deg­gen­dorf ei­ne Ka­min­keh­r­er­toch­ter aus Dor­f­en.

Wie schwie­rig es noch im 19. Jahr­hun­dert für ei­nen Ka­min­fe­ger­ge­sel­len war, der kei­nen Meis­ter­brief hat­te, sich in Deg­gen­dorf nie­der­zu­las­sen und zu hei­ra­ten, zeigt der im Stadt­ar­chiv be­find­li­che di­cke Akt des 1842 ge­bo­re­nen Ka­min­keh­rer­ge­sel­len Ge­org Durl (Thurl) aus Lail­ling. Durl ar­bei­te­te seit Ju­li 1863 als Ge­sel­le beim Schorn­stein­fe­ger­meis­ter Se­bas­ti­an Mar­tin­stet­ter. Am 21. Ok­to­ber 1865 reich­te er ei­nen An­trag beim Stadt­ma­gis­trat auf An­säs­sig­ma­chung und Er­laub­nis der Ehe­schlie­ßung mit Wil­hel­mi­ne Schrei­ner ein, ei­ner un­ehe­li­chen Toch­ter der gleich­na­mi­gen be­reits ver­stor­be­nen Bür­ger­meis­ter­toch­ter. Er wies nach, dass er mit Lohn­ar­beit so­wie ei­nem Ver­mö­gen von 800 Gul­den den Un­ter­halt sei­ner ge­plan­ten Fa­mi­lie si­chern konn­te. Er ver­dien­te jähr­lich au­ßer frei­er Kost und Woh­nung cir­ca 160 Gul­den an Lohn und Rohr­gel­dern nebst bei­läu­fig 60 Gul­den Neu­jahrstrink­gel­dern und bei Ar­beit über Land täg­lich 24 Kreu­zer Kost­geld. Ka­min­kehrer­meis­ter Mar­tin­stet­ter stell­te ihm ein aus­ge­zeich­ne­tes Zeug­nis aus: Durl ha­be sich durch Treue, Fleiß und gu­ten Be­tra­gens sei­ne volls­te Zu­frie­den­heit er­wor­ben. Er be­stä­tig­te, dass er ihn auch nach sei­ner al­len­fall­si­gen Ver­ehe­li­chung so lan­ge als Ge­sel­len Ar­beit be­hal­ten wer­de, so­lan­ge er ... die Ar­beit so flei­ßig ver­rich­tet und sich über­haupt so be­trägt wie bis­her. Der An­trag wur­de ab­ge­lehnt. Am 11. De­zem­ber 1865 wie­der­hol­te Durl sein Ge­such mit zu­sätz­li­chen Ar­gu­men­ten und be­ton­te, dass auch sei­ne künf­ti­ge Frau als Nä­he­rin mit ei­nem Ta­ges­ver­dienst von 18 Kreu­zern zum Fa­mi­li­en­bud­get bei­tra­gen wer­de. Der An­trag ver­fiel er­neut der Ab­leh­nung. Durl reich­te ihn am 22. Ja­nu­ar 1866 zum drit­ten Mal ein und be­leg­te, dass sein Ver­mö­gen in­zwi­schen um 100 Gul­den ge­wach­sen war und er au­ßer­dem vor­ha­be, auch die Mau­re­rei zu er­ler­nen. Der Stadt­ma­gis­trat blieb un­er­bitt­lich bei sei­ner Ab­leh­nung. Aber auch Durl ver­folg­te sein An­lie­gen hart­nä­ckig ein vier­tes Mal. Am 29. Ok­to­ber 1866 brach­te er vor, dass er in­zwi­schen für 1 000 Gul­den das Wohn­haus Nr. 413 ½ (heu­te Ufer­platz 3) ge­kauft hat­te. Jetzt end­lich am 19. No­vem­ber 1866, 13 Mo­na­te nach der ers­ten An­trag­stel­lung, ge­neh­mig­te der Stadt­ma­gis­trat die An­säs­sig­ma­chung und Ver­ehe­li­chung. Die Ge­bühr da­für be­trug 48 Gul­den 36 Kreu­zer. Ins­ge­samt hat­te Durl – auch für die ab­ge­lehn­ten Ge­su­che – 64 Gul­den 33 Kreu­zer Ver­wal­tungs­ge­büh­ren zu zah­len. Am 27. No­vem­ber 1866 konn­te die lang er­sehn­te Hoch­zeit mit Wil­hel­mi­ne Schrei­ner statt­fin­den.

Festlegung von Kehrbezirken

Das 19. Jahr­hun­dert brach­te ei­nen Wan­del im Ka­min­fe­ger­ge­wer­be Deg­gen­dorfs. Erst­mals wur­de im Jah­re 1805 durch die Re­gie­rung die Fest­le­gung von Kehr­be­zir­ken an­ge­ord­net, die den Land­ge­richts­be­zir­ken ent­spre­chen soll­ten. Mit­un­ter wur­den die Land­ge­rich­te in zwei Kehr­di­strik­te ge­teilt, wel­che dem ge­gen­wär­ti­gen Wohn­or­te ei­nes je­den Ka­min­keh­rers am ge­le­gens­ten sind, und da­bei den Be­dacht... neh­men, daß je­der der­sel­ben, so viel wie mög­lich, ei­ne ver­hält­nis­mä­ßig glei­che Nah­rung er­hält. Al­le Städ­te, Märk­te, Hof­mar­ken und Dör­fer, die sich in dem je­wei­li­gen Be­zirk be­fan­den, fie­len in den für den land­ge­richt­li­chen Ka­min­keh­rer be­stimm­ten Kehr­be­zirk. Die Land­ge­rich­te soll­ten in ih­ren Be­rich­ten auch fest­hal­ten, wie vie­le Ge­sel­len der Ka­min­keh­rer hal­ten müs­se und wie der Kehr­lohn zu be­stim­men sei. Die Fest­set­zung von Kehr­be­zir­ken wur­de mit der in­ni­gen Ver­bin­dung die­ses Ge­wer­bes mit den feu­er­po­li­zei­li­chen An­stal­ten be­grün­det. Nur durch die Zu­wei­sung be­stimm­ter Di­strik­te für je­den Schorn­stein­fe­ger könn­ten die not­hwen­di­ge po­li­zei­li­che Auf­sicht her­ge­stellt, die Ka­min­fe­ger der ob­rig­keit­li­chen Con­tro­lo un­ter­wor­fen und bei Ver­nach­lä­ßi­gun­gen zur Ver­ant­wort­lich­keit ge­zo­gen wer­den.

Über Jahr­hun­der­te hat­te es nur ei­nen Rauch­fang­keh­rer in Deg­gen­dorf und in der nä­he­ren Um­ge­bung ge­ge­ben. Die nächs­ten Ka­min­fe­ger hat­ten ih­ren Sitz in Strau­bing, Vils­hofen und Land­au. Jetzt wuchs ih­re Zahl lang­sam, aber ste­tig an. Gab es 1705 in Nie­der­bay­ern 13 Ka­min­keh­rer­nie­der­las­sun­gen, so war ih­re Zahl bis 1820 auf 32 ge­wach­sen. Im Amts­be­zirk Deg­gen­dorf wa­ren nun­mehr zwei Schorn­stein­fe­ger tä­tig. Ei­ner hat­te sei­nen Sitz in Platt­ling. Auch im be­nach­bar­ten Os­ter­ho­fen be­stand jetzt ein Kehr­be­zirk.

War An­fang des 19. Jahr­hun­derts der Deg­gen­dor­fer Ka­min­keh­rer auch im Ge­richts­be­zirk Hen­gers­berg zu­stän­dig, so wur­de Mit­te der vier­zi­ger Jah­re des 19. Jahr­hun­derts der Deg­gen­dor­fer Kehr­di­strikt ent­spre­chend den Gren­zen des ver­klei­ner­ten Land­ge­richts­be­zirks Deg­gen­dorf er­heb­lich re­du­ziert. In Hen­gers­berg wur­de ein ei­ge­ner Kehr­be­zirk ein­ge­rich­tet. Fried­rich Wer­ner hat­te bei der Er­tei­lung der Ka­min­keh­rer­kon­zes­si­on am 2. Ok­to­ber 1845 oh­ne al­le Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che sich ge­fal­len zu las­sen, daß sämt­li­che 17 Land­ge­mein­den, wel­che dem neu­ge­bil­de­ten Land­ge­richts­be­zirk Hen­gers­berg zu­get­heilt wur­den, aus dem bis­he­ri­gen Deg­gen­dor­fer Ka­min­kehr­er­di­strikt ab­ge­trennt wer­den. Bis aber die­ser Be­zirk tat­säch­lich ge­bil­det war, blieb er ver­pflich­tet, die Ka­min­keh­rer­ver­rich­tun­gen in die­sen Ge­mein­den zu ver­fol­gen. Wei­te­re acht Land­ge­mein­den aus dem Deg­gen­dor­fer Be­zirk wur­den dem Kehr­be­zirk des Ka­min­keh­rers zu Bo­gen zu­ge­teilt. Als Kom­pen­sa­ti­on wur­den dem Deg­gen­dor­fer Ka­min­keh­rer Ge­mein­den des Kehr­be­zirks Platt­ling ver­spro­chen, so­bald die­ser frei wür­de. Wer­ner war aber be­reit, die Kon­zes­si­on auch zu über­neh­men, wenn nur die links­sei­ti­gen Ge­mein­den des Deg­gen­dor­fer Amts­be­zirks bei sei­nem Kehr­be­zirk ver­blie­ben, weil sie den­noch ei­ne aus­rei­chen­de jähr­li­che Ein­nah­me von 883 Gul­den 36 Kreu­zer ga­ran­tier­ten.

Kehr­be­zir­ke soll­ten ei­ner­seits dem Ka­min­kehrer­meis­ter ein ge­nü­gen­des Ein­kom­men si­chern und an­de­rer­seits nur so groß sein, dass er die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten, so­wie den Zu­stand der Ka­mi­ne und Feue­rungs­an­la­gen im gan­zen Be­zir­ke per­sön­lich über­wa­chen und bei ent­ste­hen­den Brand­fäl­len mög­lichst rasch Hil­fe leis­ten kann. Das Be­zirks­amt führ­te wie­der­holt in den Kehr­be­zir­ken Zäh­lun­gen der Ka­mi­ne, auf­ge­schlüs­selt nach der Grö­ße, der Keh­rin­ter­val­le (je nach Not­wen­dig­keit zwi­schen zwei- und zwölf­mal pro Jahr) und der da­für zu zah­len­den Ge­büh­ren durch, um die Be­las­tung der Schorn­stein­fe­ger zu über­prü­fen und un­ter Um­stän­den ei­ne Neu­ein­tei­lung der Kehr­di­strik­te vor­zu­neh­men. Ei­ne sol­che Über­sicht der Häu­ser, Ka­mi­ne und Löh­ne für die Rei­ni­gung der Ka­mi­ne, Öfen, Ofen­roh­re, Rauch­schläu­che an Malz­dör­ren in der Stadt­ge­mein­de Deg­gen­dorf aus dem Jah­re 1868 ver­zeich­ne­te für den Ka­min­keh­rer der Stadt Ein­nah­men von 1 078 Gul­den 22 Kreu­zer.

Die kö­nig­li­che Ka­min­keh­rer­ver­ord­nung vom 27. Fe­bru­ar 1869, die al­le die Ver­hält­nis­se der Ka­min­keh­rer re­geln­den Be­stim­mun­gen in Bay­ern zu­sam­men­fass­te, sah vor, bei Än­de­rung der Ver­wal­tungs­gren­zen die Kehr­be­zir­ke nach Mög­lich­keit in Über­ein­stim­mung da­mit zu brin­gen. Als die Stadt Deg­gen­dorf am 1. Ok­to­ber 1879 aus dem Amts­be­zirk Deg­gen­dorf ge­löst und un­mit­tel­bar der Re­gie­rung von Nie­der­bay­ern un­ter­stellt wur­de, ka­men Stadt und Amts­be­zirk über­ein, im Sin­ne von § 5, Zif­fer 3 der Ka­min­keh­rer­ord­nung als Aus­nah­me den Kehr­be­zirk in sei­ner bis­he­ri­gen Aus­deh­nung be­ste­hen zu las­sen, bei ei­ner Neu­be­set­zung der Meis­ter­stel­le je­doch In­struk­ti­on und Be­schluss­fas­sung dem Amts­be­zirk vor­zu­be­hal­ten.

Noch im Jah­re 1889 um­fass­te der Deg­gen­dor­fer Kehr­be­zirk die Stadt und 14 Land­ge­mein­den: Al­ber­ting, Ber­gern, Buch­berg, Deg­ge­nau, Eden­stet­ten, Egg, Graf­ling, Grei­sing, Hirsch­berg, Met­ten, Mie­traching, Of­fen­berg, Pen­zen­ried und Scha­ching mit 268 Ort­schaf­ten, 2 413 Häu­sern und 17 367 Ein­woh­nern. Ent­spre­chend der Ka­min­keh­rer­ver­ord­nung von 1869 warf das Be­zirks­amt die Tei­lung die­ses gro­ßen Kehr­be­zir­kes auf und ließ da­zu ei­ne de­tail­lier­te Auf­stel­lung an­fer­ti­gen über die An­zahl der Feu­er­stät­ten, der Ka­mi­ne und der Ka­min­zü­ge in al­len Ge­bäu­den, auf­ge­glie­dert in ver­schie­de­ne Ka­te­go­ri­en, über Ge­bäu­de und An­la­gen mit er­höh­ter Feu­er­ge­fähr­lich­keit ent­spre­chend ei­ner Ver­ord­nung vom 9. Fe­bru­ar 1889, über die An­zahl der Feu­er­zü­ge in den Malz­dör­ren der Braue­rei­en usw. Das Amt ver­lang­te auch ei­ne Er­he­bung über die Hö­he der Ein­nah­men des Ka­min­keh­rers und dar­über, wie vie­le Ka­mi­ne und Rauch­roh­re jähr­lich aus­brann­ten, ob und in­wie­weit die Rei­ni­gung der Rauch­zü­ge von Spar­her­den, Koch- u. Zim­mer­ö­fen, von Rauch­roh­ren etc. dem Ka­min­keh­rer über­tra­gen ist. Letz­te­res wur­de in Deg­gen­dorf nur in städ­ti­schen und Stif­tungs­ge­bäu­den vom Ka­min­keh­rer vor­ge­nom­men, wo­für er jähr­lich 248, 93 Mark er­hielt. An­sons­ten er­le­dig­ten das die Haus­ei­gen­tü­mer sel­ber bzw. Haus­meis­ter oder Haf­ner in de­ren Auf­trag. Die Ein­nah­men des Deg­gen­dor­fer Ka­min­kehrer­meis­ters be­lie­fen sich auf 2 508, 20 Mark aus den Land­ge­mein­den und 3 648, 50 Mark aus der Stadt. Nach Ab­zug der Aus­la­gen für die Ge­hil­fen blieb ein Ge­samt­ein­kom­men von 3 942 Mark, wel­ches bei der Be­schwer­lich­keit und Ver­ant­wort­lich­keit in der Aus­übung sei­nes Ge­schäf­tes u. bei den ho­hen Le­bens­mit­tel­prei­sen zu sei­nem Le­bens­un­ter­halt im­mer­hin not­hwen­dig ist und nicht so hoch er­scheint.

Ob­wohl sich der Stadt­ma­gis­trat des­halb wie­der­holt ge­gen ei­ne Tei­lung des Kehr­be­zirks aus­ge­spro­chen hat­te, weil nur da­durch dem Ka­min­keh­rer ein ge­nü­gend ho­hes Ein­kom­men ge­si­chert er­schien, be­schloss das Be­zirks­amt am 16. De­zem­ber 1891 die Land­ge­mein­den vom Kehr­be­zirk der Stadt ab­zu­tren­nen und aus ih­nen ei­nen ei­ge­nen Kehr­be­zirk Deg­gen­dorf-Land zu bil­den. Die Zahl der Kehr­be­zir­ke in Nie­der­bay­ern hat­te sich in zwei Jahr­hun­der­ten ver­fünf­facht: von drei­zehn im Jah­re 1705 auf 64 im Jah­re 1899.

Ende der Erblichkeit der Kaminfegerkonzession

Ab 1892 gab es al­so in der Stadt Deg­gen­dorf zwei Ka­min­fe­ger­meis­ter: Mar­tin Herz für den Stadt­be­zirk und Ma­thi­as Engl­ber­ger, wohn­haft in Haus Nr. 12 (heu­te Metz­ger­gas­se 5), für die Land­ge­mein­den. 1915 über­gab des­sen Wit­we Ba­bet­ta Engl­ber­ger das Ge­wer­be an ih­ren Ge­schäfts­füh­rer Fe­lix. Die­se Na­men zei­gen ei­ne zwei­te ein­schnei­den­de Än­de­rung in der Or­ga­ni­sa­ti­on des Ka­min­keh­rer­ge­wer­bes an: Die Ge­wer­be­kon­zes­si­on war nicht mehr erb­lich.

Lud­wig Mar­tin­stet­ter hat­te nach dem 1889 ein­ge­tre­te­nen Tod sei­nes Va­ters das Wohn­haus in der La­tein­schul­gas­se 6 (da­mals Haus Nr. 150) mit ei­nem Wert von 6 000 Mark bei ei­ner Hy­po­the­ken­last von 3 000 Mark über­nom­men und auf Grund der Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on er­war­tet, Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter zu wer­den, zu­mal er auch mit der Ver­wal­tung des Kehr­be­zirks be­auf­tragt wur­de. Als Grün­dungs- und Vor­stands­mit­glied des re­nom­mier­ten Deg­gen­dor­fer Ru­der­ver­eins – 1881 we­gen sei­ner Ru­de­rer­fol­ge ers­tes Eh­ren­mit­glied und von 1889 bis 1902 so­gar 1.Vor­sit­zen­der des Ver­eins] – ge­noss er gro­ßes An­se­hen in Deg­gen­dorf. Die Re­gie­rung von Nie­der­bay­ern woll­te aber ei­ne Re­gie­rungs­ver­ord­nung vom 1. De­zem­ber 1804 um­set­zen, die ei­ne au­to­ma­ti­sche Erb­fol­ge aus­schloss. Sie er­kann­te des­halb im Un­ter­schied zu 1845 ein Re­al­recht für die Stel­le in Deg­gen­dorf nicht mehr an. Die va­kan­te Stel­le wur­de ent­spre­chend der Ka­min­keh­rer­ver­ord­nung von 1867 im Kreis­amts­blatt aus­ge­schrie­ben.

39 Be­wer­ber aus ganz Bay­ern reich­ten in der Be­wer­bungs­frist von vier Wo­chen ih­re Un­ter­la­gen über völ­li­ge Un­be­schol­ten­heit und Ver­läs­sig­keit und über ge­nü­gend er­lang­te prak­ti­sche Be­fä­hi­gung zum Ge­schäfts­be­trie­be ein, dar­un­ter auch die be­reits ge­nann­ten Ja­kob Graf, der jetzt in Dor­f­en ar­bei­te­te, und Ma­thi­as Engl­ber­ger, ge­bo­ren am 14. Au­gust 1841, Ka­min­keh­rer in Fürs­ten­zell. Das Be­zirks­amt Deg­gen­dorf gab in Über­ein­stim­mung mit dem Stadt­ma­gis­trat den­noch Mar­tin­stet­ter den Zu­schlag, weil die­ser die er­for­der­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on be­sit­ze, mit den Lo­kal- und Per­so­nal­ver­hält­nis­sen des Be­zirks ver­traut sei, sich des all­ge­mei­nen Ver­trau­ens im gan­zen Kehr­be­zir­ke er­freue und ab­ge­se­hen hier­von auch der Um­stand als aus­schlag­ge­bend zu er­ach­ten sei, daß er der Sohn des ver­stor­be­nen Kon­zes­si­ons­in­ha­bers sei und für den Fall, als ihm der Kehr­be­zirk ent­zo­gen wer­den soll­te, die Exis­tenz ei­ner Fa­mi­lie auf dem an­ge­stamm­ten Be­sit­ze in Fra­ge ge­stellt wür­de, da ge­nann­ter Mar­tin­stet­ter sei­ne Heim­stät­te ver­las­sen müss­te und au­ßer Stand ge­setzt wä­re, für sei­ne bei­den Schwes­tern zu sor­gen.

Die Kam­mer des In­nern der Re­gie­rung von Nie­der­bay­ern ver­trat dem­ge­gen­über die Auf­fas­sung, dass sol­che so­zia­len Grün­de nur be­rück­sich­tigt wer­den könn­ten, wenn der Sohn des bis­he­ri­gen Kon­zes­si­ons­in­ha­bers von den üb­ri­gen gleich gut oder noch bes­ser qua­li­fi­zier­ten Be­wer­bern an Al­ters- und Dienst­jah­ren nicht un­ver­hält­nis­mä­ßig weit über­trof­fen wird. Da Mar­tin­stet­ter, am 17. Au­gust 1854 ge­bo­ren, ei­ner der jüngs­ten Be­wer­ber war, hob die Kreis­re­gie­rung in Lands­hut in zwei­ter und letz­ter In­stanz im Au­gust 1890 den Ent­scheid des Be­zirks­am­tes auf und be­trau­te mit Mar­tin Herz aus Im­men­stadt ei­nen der dienst­äl­tes­ten Be­wer­ber mit dem Deg­gen­dor­fer Kehr­be­zirk. Herz, am 10. No­vem­ber 1838 ge­bo­ren, ver­hei­ra­tet und Va­ter von vier Kin­dern, war seit 1859 Ge­sel­le und seit 17 Jah­ren Ka­min­keh­rer­ge­schäfts­füh­rer. Er hat­te wie 17 an­de­re Mit­be­wer­ber ge­gen den Be­schluss des Be­zirks­am­tes Deg­gen­dorf Be­schwer­de ein­ge­legt. Im Ju­ni des Jah­res war er trotz An­er­ken­nung sei­ner Ver­läs­sig­keit, Un­be­schol­ten­heit und prak­ti­scher Be­fä­hi­gung we­gen sei­nes vor­ge­rück­ten Al­ters bei ei­ner Be­wer­bung für den Kehr­be­zirk Hen­gers­berg noch ge­schei­tert, da man mein­te, er sei in die­sem ge­bir­gi­gen Be­zirk den An­stren­gun­gen nicht ge­wach­sen.

Im Sep­tem­ber 1891 trat Herz nach der im Ge­setz vor­ge­se­he­nen eid­li­chen Ver­pflich­tung sei­nen Dienst in Deg­gen­dorf an. Gleich­zei­tig leg­te Mar­tin­stet­ter sein Ge­wer­be nie­der. Da er in Deg­gen­dorf blei­ben woll­te, muss­te er auf ei­nen an­de­ren Be­ruf um­schu­len. Er er­in­ner­te sich an die Weiß­bä­cker­tra­di­ti­on ei­ni­ger sei­ner Vor­fah­ren müt­ter­li­cher­seits und wur­de Kon­di­tor. Am 27. Ju­ni 1896 er­hielt er von der Stadt die Zu­las­sung zu ei­ner Kon­di­to­rei, die er am Luit­pold­platz 13 (da­mals Haus Nr. 77) bis zu sei­nem To­de am 6. Ok­to­ber 1904 führ­te. 1900 bis 1903 ge­hör­te er dem Kol­le­gi­um der Ge­mein­de­be­voll­mäch­tig­ten an. Zeit­wei­lig war er des­sen Schrift­füh­rer.

Herz mie­te­te sich im Haus Nr. 170 (heu­te Veil­chen­gas­se 6) ein und zog spä­ter in den West­li­chen Gra­ben 20, dann in die Pfleg­gas­se 31 um. Auch in sei­ner Fa­mi­lie wur­de das Hand­werk fort­ge­setzt. 1911 war sein Sohn Jo­sef Ka­min­keh­rer-Ge­schäfts­füh­rer bei sei­nem Va­ter und wohn­te in der Metz­ger­gas­se 13. Nach dem To­de des Va­ters am 28. Ju­li 1912 woll­te der Stadt­ma­gis­trat Jo­sef Herz den er­le­dig­ten Kehr­be­zirk über­tra­gen.

Der Be­zirk wur­de vor­schrifts­mä­ßig im Kreis­amts­blatt, im Ka­min­keh­rer, in den Mün­che­ner Neu­es­ten Nach­rich­ten, in der Münch­ner-Augs­bur­ger Abend­zei­tung, im Amts­blatt des Stadt­ma­gis­trats und im Deg­gen­dor­fer Do­nau­bo­ten aus­ge­schrie­ben. 19 Ge­su­che gin­gen frist­ge­mäß ein, da­von fie­len fünf Be­wer­ber so­fort aus der en­ge­ren Wahl, da sie als Ka­min­kehrer­meis­ter we­gen Dieb­stahls, fahr­läs­si­ger Brand­stif­tung bzw. Ta­x­über­schrei­tung vor­be­straft wa­ren. Bei we­sent­lich glei­cher Qua­li­fi­ka­ti­on war laut Ver­ord­nung von 1903 das Dienst­al­ter der Be­wer­ber ma­ß­ge­bend, doch konn­te die Ver­traut­heit mit den be­son­de­ren Ver­hält­nis­sen ei­nes Be­zir­kes die Be­vor­zu­gung ei­nes Be­wer­bers recht­fer­ti­gen. Die­se Be­vor­zu­gungs­grün­de sah der Stadt­ma­gis­trat bei Jo­sef Herz in be­son­de­rem Ma­ße ge­ge­ben: Herz ist her­vor­ra­gend qua­li­fi­ziert. Er ist nicht vor­be­straft, nach amts­ärzt­li­chem Gut­ach­ten ge­sund und kräf­tig, steht im bes­ten Man­nes­al­ter (ge­bo­ren 19. Ju­ni 1878), vor­züg­lich be­leu­mun­det und völ­lig ver­läs­sig, hat die Meis­ter­prü­fung mit der ers­ten No­te be­stan­den, hat sich beim Mi­li­tär „sehr gut“ ge­führt und be­sitzt die bes­ten Zeug­nis­se, die ihn je­der­mann als „tüch­ti­gen und zu­ver­läs­si­gen Ar­bei­ter“ emp­feh­len. Be­son­ders her­vor­ge­ho­ben wur­de sei­ne ra­sche Hil­fe­leis­tung bei Brand­fäl­len. Als Bei­spiel führ­te der Stadt­ma­gis­trat ei­nen Brand bei dem Gast­wirt Jo­sef Nagl in Wein­berg an, wo er sich un­ge­ach­tet der ihm dro­hen­den Ge­fahr bei den Ret­tungs­ar­bei­ten und Lö­schungs­ar­bei­ten durch sein ru­hi­ges und ziel­be­wuss­tes Han­deln aus­zeich­ne­te, so dass die Ge­mein­de­ver­wal­tung Deg­ge­nau sich ver­an­lasst sah, ihm für sei­ne mut­vol­le und un­ei­gen­nüt­zi­ge Hil­fe­leis­tung ih­ren Dank und ih­re An­er­ken­nung aus­zu­spre­chen. Da Jo­sef Herz seit 1895 im Deg­gen­dor­fer Kehr­be­zirk ar­bei­te­te, sei es auch der all­ge­mei­ne Wunsch der Be­völ­ke­rung, die­sem orts­kun­di­gen, mit Land und Leu­ten wohl­ver­trau­ten Be­wer­ber den Kehr­be­zirk zu über­tra­gen. Schlie­ß­lich führ­te der Stadt­ma­gis­trat noch die Fa­mi­li­en­ver­hält­nis­se (Jo­sef Herz ist Fa­mi­li­en­va­ter, hat zwei Kin­der im Al­ter von 2 bzw. 6 Jah­ren und hat über­dies sei­ne Schwie­ger­mut­ter zu un­ter­hal­ten) zu sei­nen Guns­ten ins Feld. Trotz al­ler gu­ten Ar­gu­men­te er­hielt Jo­sef Herz eben­so wie sei­ner­zeit Lud­wig Mar­tin­stet­ter die Kon­zes­si­on für den Deg­gen­dor­fer Re­gie­rungs­be­zirk nicht. Die Re­gie­rung ent­schied sich nach Ein­spruch im März 1913 für den am 23. De­zem­ber 1866 ge­bo­re­nen und da­mit dienst­äl­te­ren Ja­kob Lei­mer, Ka­min­keh­rer im schwä­bi­schen Bo­b­in­gen. Lei­mer war ein ge­bür­ti­ger Deg­gen­dor­fer.

Die Erb­lich­keit der Ka­min­keh­rer­kon­zes­si­on war end­gül­tig ab­ge­schafft. Die Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on, den Be­ruf des Schorn­stein­fe­gers zu er­grei­fen, lebt aber fort. So üben heu­te vie­le Be­zirks­ka­min­kehrer­meis­ter im Kreis Deg­gen­dorf be­reits in der drit­ten Ge­ne­ra­ti­on die­sen Be­ruf aus, und ih­re Kin­der fol­gen die­sem Bei­spiel, auch wenn sie sich spä­ter um ei­nen an­de­ren Kehr­be­zirk als den des Va­ters be­wer­ben müs­sen.

Gründung der Kaminkehrer-Innung Niederbayern

Zu den wich­ti­gen Ver­än­de­run­gen im Ka­min­keh­rer­ge­wer­be En­de des 19. Jahr­hun­derts ge­hör­te auch, dass sich die Ka­min­kehrer­meis­ter erst­ma­lig or­ga­ni­sa­to­risch zu­sam­men­schlos­sen. Am 18. Sep­tem­ber 1886 be­schlos­sen in Lands­hut 26 Ka­min­kehrer­meis­ter aus Nie­der­bay­ern, dar­un­ter auch Mar­tin­stet­ter aus Deg­gen­dorf, die Grün­dung ei­ner frei­en Ka­min­keh­re­r­in­nung, d. h. der Bei­tritt war je­dem Meis­ter frei­ge­stellt. Auf ei­ner Be­ra­tung der In­nung am 5. Fe­bru­ar 1899 in Lands­hut ei­nig­ten sich die an­we­sen­den 25 Schorn­stein­fe­ger­meis­ter, die wei­te­re 21 an der Teil­nah­me ver­hin­der­te Kehr­be­zirks­in­ha­ber mit ver­tra­ten, dar­auf, die Bil­dung ei­ner Zwangs­in­nung für das Ka­min­keh­rer­hand­werk im Re­gie­rungs­be­zirk Nie­der­bay­ern zu be­an­tra­gen. Un­ter den An­we­sen­den war Mar­tin Herz aus Deg­gen­dorf, der das Stimm­recht auch für sei­nen Kol­le­gen Mat­thi­as Engl­ber­ger aus­üb­te. Die Ka­min­keh­rer folg­ten mit ih­rem Be­schluss dem Bei­spiel der Schuh­ma­cher, Schnei­der, Bä­cker, Kon­di­to­ren und Leb­zel­ter, die sich auf der Grund­la­ge des § 100 des Ge­set­zes zur Ab­än­de­rung der Ge­wer­be­ord­nung vom 26. Ju­li 1897 in Zwangs­in­nun­gen ver­ei­nigt hat­ten. Die Re­gie­rung von Nie­der­bay­ern prüf­te ent­spre­chend der ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen, ob die Mehr­heit der nie­der­baye­ri­schen Ka­min­keh­rer die­sen An­trag be­für­wor­te­te. Von den 64 Kehr­be­zirks­in­ha­bern in Nie­der­bay­ern sand­ten in der ge­setz­li­chen Frist 60 das aus­ge­füll­te Ab­stim­mungs­for­mu­lar ein; 58 spra­chen sich für und nur zwei ge­gen die Bil­dung ei­ner Zwangs­in­nung aus. Die Re­gie­rung von Nie­der­bay­ern ver­füg­te da­her mit Wir­kung vom 1. Ok­to­ber 1899, dass sämt­li­che Per­so­nen, wel­che das Ka­min­keh­rer­ge­wer­be im Re­gie­rungs­be­zirk Nie­der­bay­ern selbst­stän­dig be­trei­ben, gleich­viel ob sie re­gel­mä­ßig Ge­sel­len oder Lehr­lin­ge be­schäf­ti­gen oder nicht, der zu er­rich­ten­den Zwangs­in­nung mit Sitz in Lands­hut an­zu­ge­hö­ren ha­ben. Mit Ge­neh­mi­gung der Sat­zung am 19. Fe­bru­ar 1900 durch die Kreis­re­gie­rung war die Zwangs­in­nung ju­ris­tisch zu­ge­las­sen.

Streitigkeiten um die Höhe der Kehrlöhne

Ein stän­di­ges Pro­blem, zu dem es im­mer wie­der Be­schwer­den und Un­klar­hei­ten gab, wa­ren die Kehr­löh­ne. Sie wur­den bis zum 19. Jahr­hun­dert oft oh­ne fes­te Norm er­ho­ben. Für ein und die­sel­be Leis­tung muss­ten mal acht, mal zehn Kreu­zer be­zahlt wer­den. Zu­stän­dig für die Fest­le­gung der Kehr­ter­mi­ne und der Kehr­löh­ne wa­ren die un­mit­tel­ba­ren Städ­te für ih­ren Be­reich bzw. die Be­zirks­äm­ter für die Ge­mein­den und Märk­te. In ei­ner Di­rek­ti­ve der kö­nig­li­chen Lan­des­di­rek­ti­on vom 14. März 1806 wur­de fest­ge­legt, dass von den ge­rings­ten Haus­hal­tun­gen 4 Kreu­zer, von den mitt­le­ren 6 Kreu­zer und von ver­mög­li­chen 8 Kreu­zer für je­des­ma­li­ges Keh­ren be­zahlt wer­den soll. Mit Schloss­her­ren, Pfarr­hö­fen usw. durf­ten die Ka­min­keh­rer die Ta­ri­fe selbst aus­han­deln. 1826 gab es dar­über Dif­fe­ren­zen in Platt­ling. Die kö­nig­li­che Re­gie­rung ord­ne­te für Platt­ling an, dass man dort dem Münch­ner Bei­spiel fol­gen sol­le. Der Ma­gis­trat des Mark­tes Platt­ling leg­te da­her die Kehr­ge­büh­ren nach den Steu­er­klas­sen fest: Die ers­te Klas­se (Steu­er von 12 Gul­den an auf­wärts) zahl­te 8 Kreu­zer für ein­mal Keh­ren, die zwei­te Klas­se (Steu­er von 4 bis 12 Gul­den) 6 Kreu­zer und die drit­te Klas­se (Steu­er von 1 bis 4 Gul­den) 4 Kreu­zer.

1839 häuf­ten sich Kla­gen von den Deg­gen­dor­fer Haus­ei­gen­tü­mern, dass ih­nen mehr ab­ver­langt wird, als sie sonst be­zahlt ha­ben. An­fang 1840 be­schloss die Stadt des­halb in Über­ein­stim­mung mit dem Land­ge­richt Deg­gen­dorf und nach Kon­sul­ta­ti­on der Ka­min­keh­rer­wit­we An­na Rupp und ih­res Werk­füh­rers Jo­seph From­hol­zer ei­nen fes­ten Satz für das ein­ma­li­ge Keh­ren, der sich nach der Hö­he der Ge­bäu­de rich­te­te:

a. in ei­nem Ge­bäu­de von 1 Stock hoch 4 Kreu­zer
b. in ei­nem Ge­bäu­de von 2 Stock Hö­he 6 Kreu­zer
c. in ei­nem Ge­bäu­de von 3 Stock Hö­he 8 Kreu­zer
d. in ei­nem Ge­bäu­de von 4 Stock Hö­he 10 Kreu­zer.

Das war nach Auf­fas­sung des Ma­gis­trats ei­ne bes­se­re Lö­sung als die Fest­set­zung nach dem Steu­er­fuß in Platt­ling, da ein hö­he­res Ge­bäu­de ja mehr Ar­beit und An­stren­gung vom Ka­min­keh­rer er­for­der­te. Ob­wohl der Ma­gis­trat die­se Re­ge­lung be­kannt mach­te, gab es 1841 Streit zwi­schen An­na Rupp und dem Haus­be­sit­zer Jo­seph Schlögl, weil sie Ge­büh­ren für acht­ma­li­ges Keh­ren der Ka­mi­ne ver­lang­te, Schlögl aber vier­ma­li­ges Keh­ren für aus­rei­chend hielt und sich zu zah­len wei­ger­te. 1839 hat­te aber ei­ne Feu­er­vi­si­ta­ti­on durch den Platt­lin­ger Ka­min­keh­rer er­ge­ben, dass für ei­ni­ge Ka­mi­ne, in de­nen be­stän­dig ge­heizt wird, häu­fi­ge­res Keh­ren er­for­der­lich war. Das Land­ge­richt Hen­gers­berg frag­te 1859 beim Ma­gis­trat der Stadt Deg­gen­dorf nach, wie viel die Rei­ni­gung der Rauch­schläu­che in den Malz­dör­ren kos­tet. Die Ant­wort lau­te­te, bei vier­ma­li­gen Rei­ni­gen pro Jahr je­weils zwei Gul­den Trink­geld.

Die kö­nig­lich-baye­ri­sche Ver­ord­nung vom 27. Fe­bru­ar 1869, die Ver­hält­nis­se der Ka­min­keh­rer be­tref­fend, be­stimm­te, dass die Ka­min­kehr­er­löh­ne durch die Di­striktsver­wal­tungs­be­hör­den fest­zu­le­gen wa­ren. Das Be­zirks­amt Deg­gen­dorf be­schloss am 26. April 1876 ei­ne Kehr­ord­nung, die län­ge­re Zeit in Kraft blieb und wie­der­holt ver­öf­fent­licht wur­de. In der Re­gel wa­ren da­nach sämt­li­che zur Feue­rung be­nutz­te Ka­mi­ne fünf­mal jähr­lich zu rei­ni­gen. Die Ord­nung leg­te mo­nat­li­che Kehr­ter­mi­ne fest für die Ka­mi­ne in Staats-, Ge­mein­de- und Stif­tungs­ge­bäu­den, für An­la­gen mit er­höh­ter Feu­er­ge­fähr­lich­keit so­wie für Ge­wer­be­trei­ben­de und gro­ße Haus­hal­tun­gen, die stän­dig Feu­er un­ter­hal­ten. Jähr­lich acht­mal (im Som­mer nach je sie­ben Wo­chen, im Win­ter nach je­weils sechs Wo­chen) wa­ren zu keh­ren die nicht be­schlief­ba­ren so­ge­nann­ten rus­si­schen Ka­mi­ne so­wie auch die be­schlief­ba­ren oder be­steig­ba­ren Ka­mi­ne, wenn sie an ih­ren Rauch­ein­mün­dun­gen be­zie­hungs­wei­se Zu­gän­gen durch Klap­pen u. dgl. ge­schlos­sen sind. Für die üb­ri­gen Ka­mi­ne reich­te ei­ne zwei­ma­li­ge Rei­ni­gung im Jahr. Die Rei­ni­gungs­zeit wur­de im Som­mer von 4 Uhr mor­gens bis 9 Uhr abends und im Win­ter von 5 Uhr mor­gens bis 7 Uhr abends fest­ge­setzt. Den Haus­ei­gen­tü­mern bzw. Mie­tern wa­ren die Kehr­ter­mi­ne ei­nen Tag vor­her mit An­ga­be der Stun­de mit­zu­tei­len. Die Kehr­löh­ne rich­te­ten sich nicht nach der Art der Ka­mi­ne, son­dern nach der Grö­ße des Hau­ses. Spe­zi­el­le Ta­ri­fe wur­den für die Rei­ni­gung der Malz­dör­ren, für das Aus­bren­nen bzw. das Ab­zie­hen ei­nes Ka­mins, für das Rei­ni­gen von Rauch­roh­ren usw. ver­langt. Al­ler­dings wur­de die­se Kehr­ord­nung nicht in al­len Punk­ten ein­ge­hal­ten. So fand die Rei­ni­gung der Ka­mi­ne in den stadt­ei­ge­nen Häu­sern nicht wie vor­ge­schrie­ben mo­nat­lich, son­dern nur in der Win­ters­zeit statt, um Kos­ten für die Stadt zu spa­ren.

Neue Kaminkehr-Ordnung für die Stadt Deggendorf 1914

Mit der Auf­tei­lung des Deg­gen­dor­fer Kehr­di­strikts 1891 hat­te die Kehr­ord­nung von 1876 für die Stadt ih­re Gül­tig­keit ver­lo­ren, man ver­fuhr aber ge­wohn­heits­mä­ßig wei­ter da­nach. En­de 1900 er­gänz­te der Stadt­ma­gis­trat Deg­gen­dorf die­se Vor­schrif­ten zwar um ei­ni­ge Pas­sa­gen, wel­che die Ver­ant­wor­tung des Ka­min­kehrer­meis­ters kla­rer um­ris­sen. So lau­te­te § 10: Der Ka­min­kehrer­meis­ter ist für Nach­läs­sig­kei­ten im Rei­ni­gen der Ka­mi­ne ver­ant­wort­lich; der­sel­be hat, so­fern er nicht selbst bei der Rei­ni­gung mit­ar­bei­tet, die Ver­pflich­tung min­des­tens al­le Vier­tel­jah­re bei Rei­ni­gung der Ka­mi­ne in je­dem Hau­se per­sön­lich zu­ge­gen zu sein. Nach § 12 hat­te er im­mer das Aus­bren­nen der Ka­mi­ne zu lei­ten. Ei­ne neue Kehr­ord­nung wur­de je­doch nicht be­schlos­sen. Da es aber zu Un­stim­mig­kei­ten in der Ab­rech­nung kam – Ka­min­kehrer­meis­ter Mar­tin Herz hat­te die Rech­nung über die Rei­ni­gung der Ka­mi­ne in den städ­ti­schen Ge­bäu­den nicht ein­zeln auf­ge­schlüs­selt-, wur­de sich der Stadt­ma­gis­trat be­wusst, dass man sich seit 1891 ei­gent­lich im rechts­frei­en Raum be­weg­te: Für den Stadt­ma­gis­trat be­steht seit die­sem Zeit­punkt kei­ne Mög­lich­keit mehr, we­der in Be­zug auf den Kehr­ter­min noch hin­sicht­lich des Kehr­lohns in ir­gend ei­ner Wei­se vor­zu­ge­hen, wenn die Rei­ni­gung der Ka­mi­ne von ir­gend ei­nem Ge­bäu­de­be­sit­zer nicht zu­ge­las­sen oder die Zah­lung der Kehr­löh­ne ver­wei­gert wird.

Erst als der Ka­min­keh­rer Herz 1912 starb und sein Be­zirk neu be­setzt wer­den muss­te ließ sich die Ver­ab­schie­dung ei­ner neu­en Kehr­ord­nung nicht mehr um­ge­hen. Es war Tra­di­ti­on, dass der mit dem Kehr­di­strikt be­auf­trag­te Ka­min­fe­ger die Ver­sor­gung der Wit­we sei­nes Vor­gän­gers si­chern muss­te, die 30 Pro­zent des Kehr­be­zirks­er­tra­ges beim To­de des Ka­min­keh­rers be­trug. Der Be­wer­ber für den Deg­gen­dor­fer Kehr­be­zirk muss­te sich au­ßer­dem ver­pflich­ten, dem Un­ter­stüt­zungs­ver­ein für baye­ri­sche Ka­min­keh­rer­wit­wen bei­zu­tre­ten. Ja­kob Lei­mer, der im Ju­li 1913 die Nach­fol­ge von Mar­tin Herz im Deg­gen­dor­fer Kehr­be­zirk an­ge­tre­ten hat­te, ver­lang­te schon am 2. Au­gust, die Ka­min­kehr-Ord­nung so mit ver­mehr­ten Kehr­ter­mi­nen und er­höh­ten Kehr­löh­nen ab­zu­fas­sen, dass er die ho­he Be­las­tung von jähr­lich 1 350 Mark tra­gen kön­ne, die er mit der Wit­wen­ren­te für die Wit­we von Herz über­neh­men muss­te. So ha­be er im Ju­li nur für 80 Mark Ar­beit im Kehr­be­zirk aus­füh­ren kön­nen, muss­te aber 112, 50 Mark Ren­te zah­len. Er sei nicht be­reit, sei­ne Er­spar­nis­se da­für ein­zu­set­zen. Um hö­he­re Ka­min­kehr­er­löh­ne durch­zu­set­zen, schritt Lei­mer so­gar zum Druck­mit­tel der Auf­kün­di­gung be­ste­hen­der Kehr­ver­trä­ge, z. B. mit der Heil- & Pfle­ge­an­stalt von Nie­der­bay­ern. Er er­reich­te in Ab­stim­mung mit dem Ver­band der Ka­min­keh­rer-In­nun­gen des Kö­nig­reichs Bay­ern die Er­hö­hung der Höchst­ge­bühr für das Ab­zie­hen der Schorn­stei­ne von 40 auf 60 Pfen­nig. An­sons­ten kam es kaum zu Er­hö­hun­gen der bis­he­ri­gen Kehr­löh­ne. Sie la­gen in Deg­gen­dorf auch wei­ter­hin meist un­ter dem Ni­veau an­de­rer Städ­te.

Am 11. De­zem­ber 1913 wur­de nach lang­wie­ri­gen Dis­kus­sio­nen ei­ne neue Kehr­ord­nung be­schlos­sen, um dem neu­en Ka­min­kehrer­meis­ter kla­re Aus­künf­te über sei­ne Ar­beits­be­din­gun­gen und Er­werbs­aus­sich­ten ge­ben zu kön­nen. Ih­re end­gül­ti­ge Fas­sung er­hielt sie mit ei­ni­gen auf Vor­schlag der Kö­nig­li­chen Ver­si­che­rungs­kam­mer, Ab­tei­lung für Brand­ver­si­che­rung, an­ge­füg­ten Er­gän­zun­gen in der Ma­gis­trats­sit­zung am 9. Ju­li 1914. Der Ent­wurf der neu­en Ka­min­kehr-Ord­nung im Um­fang von 24 Pa­ra­gra­phen war aber schon 1908 vom Stadt­bau­amt­lei­ter Don­hau­ser un­ter­brei­tet wor­den. Sie be­ruh­te auf der kö­nig­lich-baye­ri­schen Ver­ord­nung vom 26. März 1903, die Ka­min­keh­rer be­tref­fend, wel­che die Ver­ord­nung von 1869 im we­sent­li­chen fort­schrieb, und wand­te sie auf die Deg­gen­dor­fer Ver­hält­nis­se an.

Ein­lei­tend wur­den die Pflich­ten der Haus­ei­gen­tü­mer und der Ka­min­keh­rer un­miss­ver­ständ­lich fest­ge­schrie­ben. Die Haus­be­sit­zer bzw. Mie­ter sind ver­pflich­tet, hieß es in § 1, die Rei­ni­gung der Ka­mi­ne und Rauch­roh­re in­ner­halb des fest­ge­setz­ten Zeit­rau­mes vor­neh­men zu las­sen und dem Ka­min­keh­rer oder des­sen Ge­hil­fen die äu­ße­re Be­sich­ti­gung der Ka­mi­ne be­hufs Prü­fung der Bau- und Feu­er­si­cher­heit der­sel­ben und zu die­sem Zwe­cke das Be­tre­ten der Kam­mern, Bö­den etc. zu ge­stat­ten. § 2 ver­pflich­te­te den Ka­min­keh­rer und sei­nen Ge­hil­fen, den Haus­ei­gen­tü­mer auf et­wa an den Ka­mi­nen vor­ge­fun­de­ne bau­li­che Män­gel jeg­li­cher Art auf­merk­sam zu ma­chen. Soll­te die Rei­ni­gung der Ka­mi­ne nicht rich­tig oder nicht in­ner­halb der fest­ge­leg­ten Ter­mi­ne statt­fin­den, so ha­ben die Haus­be­sit­zer oder Mie­ter, falls sie dies wahr­neh­men, bei der Po­li­zei­be­hör­de so­fort An­zei­ge zu er­stat­ten. Sehr aus­führ­lich wa­ren die Be­stim­mun­gen über das Aus­bren­nen von Ka­mi­nen ge­hal­ten, um jed­we­der Brand­ge­fahr vor­zu­beu­gen. Die Ver­ant­wor­tung für die Ein­hal­tung der Be­stim­mun­gen ob­lag dem Ka­min­keh­rer, der wie bis­her der orts­po­li­zei­li­chen Auf­sicht un­ter­stellt war. Erst­ma­lig ent­hielt die Ord­nung auch ei­nen Ab­schnitt über die Rei­ni­gung von Dampf­kes­seln und Fa­brik­ka­mi­nen (so­ge­nann­ten Turm­ka­mi­nen), die min­des­tens ein­mal jähr­lich vom Ka­min­keh­rer ge­nau un­ter­sucht und nach Be­darf ge­rei­nigt wer­den muss­ten. Kehr­ter­mi­ne und Kehr­löh­ne wa­ren so ge­hal­ten, daß die Ka­min­kehrer­meis­ter kei­ne Ein­bu­ße an ih­rem Ein­kom­men er­lei­den soll­ten im Ver­gleich zur bis­he­ri­gen Re­ge­lung. Ka­mingat­tun­gen und –grö­ßen bzw. –län­gen wa­ren so aus­ge­legt, dass die Auf­rech­nung der Rei­ni­gungs­kos­ten nach Ma­ßga­be der tat­säch­li­chen Ar­beits­auf­wen­dung und nach Bil­lig­keits­grund­sät­zen statt­fin­det. Für städ­ti­sche und Pri­vat­ge­bäu­de wur­de erst­mals der glei­che Kehr­ta­rif an­ge­setzt. Ei­ne über­sicht­li­che Preis­re­ge­lung er­setz­te die bis da­hin herr­schen­de Will­kür bei den Ta­rif­sät­zen für das Aus­bren­nen von Ka­mi­nen. Mit Aus­nah­me der Rei­ni­gung der Rauch­roh­re, Koch- und Zim­mer­ö­fen stan­den al­le Rei­ni­gungs­ar­bei­ten vom Keh­ren über Ab­zie­hen und Aus­bren­nen der Schorn­stei­ne aus­schlie­ß­lich dem Ka­min­keh­rer zu und konn­ten an­de­ren Per­so­nen nicht über­tra­gen wer­den.

Das Ein­kom­men des Ka­min­kehrer­meis­ters blieb aber ein Dau­er­the­ma, mit dem sich der Deg­gen­dor­fer Stadt­ma­gis­trat auch wei­ter­hin be­schäf­ti­gen muss­te. So be­män­gel­te das Kol­le­gi­um der Ge­mein­de­be­voll­mäch­tig­ten im No­vem­ber 1914 die Hö­he der Kehr­löh­ne für Ja­kob Lei­mer, der als Neu­an­fän­ger nicht schon mit ei­nem Zu­schlag zu be­schen­ken sei.Wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs kam es zu neu­en Ta­rif­er­hö­hun­gen. 1916 wur­de ein 20-pro­zen­ti­ger Teue­rungs­zu­schlag ge­währt. Am 29. De­zem­ber 1917 be­schloss der Stadt­ma­gis­trat auf An­re­gung des Mi­nis­te­ri­ums, aber ge­gen den Pro­test der Ge­mein­de­be­voll­mäch­tig­ten, dass Ka­min­keh­rer Lei­mer be­rech­tigt sein soll, für die Vor­nah­me je­der Keh­rung ab 1. Ja­nu­ar 1918 um 5 Pfg. mehr pro Ka­min zu ver­rech­nen. Das brach­te Lei­mer ei­ne Ein­kom­mens­er­hö­hung um 300 Mark im Jahr, was si­cher an­ge­sichts der herr­schen­den Teue­rung und hin­sicht­lich der oh­nedem für den Kehr­be­zirk Deg­gen­dorf be­ste­hen­den miss­li­chen Ver­hält­nis­sen nicht zu hoch sein dürf­te.

Das Ringen der Kaminkehrergehilfen um bessere Arbeitsbedingungen

Die No­vem­ber­re­vo­lu­ti­on 1918 brach­te für die Ka­min­keh­rer­ge­hil­fen, die vor der Re­vo­lu­ti­on nicht ge­nü­gend be­zahlt wor­den wa­ren, die Mög­lich­keit ver­bes­ser­ter Ar­beits­be­din­gun­gen. Sie or­ga­ni­sier­ten sich am 25. Mai 1919 in Re­gens­burg in ei­nem ei­ge­nen Ver­band. Am 22. Ju­ni 1919 schloss die Lohn­kom­mis­si­on der In­nung der Ka­min­kehrer­meis­ter und des Ver­ban­des der Ka­min­keh­rer­ge­hil­fen für Nie­der­bay­ern ei­nen ers­ten Ta­rif­ver­trag, ei­ne Ver­ein­ba­rung zur Re­ge­lung neu­zeit­li­cher Ar­beits­be­din­gun­gen im Ka­min­keh­rer­ge­wer­be, de­ren Ver­wirk­li­chung aber nicht ein­fach war. Der Kom­mis­si­on ge­hör­ten auch zwei Deg­gen­dor­fer an, für die Meis­ter Ja­kob Lei­mer, für die Ge­hil­fen Jo­sef Fuchs. Es wur­de der Acht­stun­den­tag ein­ge­führt. Die üb­li­che Ar­beits­zeit wur­de von 6 Uhr früh bis nach­mit­tags 4 Uhr mit zwei­stün­di­ger Mit­tags­pau­se fest­ge­setzt. Die Lohn­zah­lung hat­te in je­der Wo­che spä­tes­tens Sams­tag­mit­tag zu er­fol­gen. Den Ge­hil­fen wur­de ein be­zahl­ter Jah­res­ur­laub von ei­ner Wo­che ein­ge­räumt, der in den Som­mer­mo­na­ten vom 1. Mai bis 1.Ok­to­ber zu neh­men war. Werk­zeu­ge wa­ren vom Ar­beit­ge­ber zu stel­len. Für die In­stand­hal­tung von Werk­zeu­gen, die dem Ge­hil­fen ge­hör­ten, hat­te eben­falls der Ar­beit­ge­ber zu sor­gen.

Trotz Teue­rungs­zu­la­gen und Lohn­er­hö­hun­gen blieb das Wo­chen­ein­kom­men der Ge­hil­fen mit 35 bis 50 Mark, der Ge­schäfts­füh­rer mit 65 Mark sehr ge­ring. In ei­nem Ge­such des Lo­kal­ver­ban­des der Ka­min­keh­rer­ge­hil­fen Nie­der­bay­erns vom Ju­li 1919 hieß es: Die Ar­beits­löh­ne der Ge­hil­fen wa­ren in Frie­dens­zei­ten in­fol­ge der in kei­ner Wei­se zum Ar­beits­ver­hält­nis­se ste­hen­den nied­ri­gen Kehr­löh­ne schon so ge­la­gert, dass die­sel­ben sehr viel auf die Mild­tä­tig­keit der Feu­er­stät­ten­be­nüt­zer an­ge­wie­sen wa­ren, um die paar Mark Wo­chen­lohn, die un­ter Um­stän­den gar nicht aus­ge­reicht hät­ten, auf ei­ne, dem Ar­bei­ter zu­ste­hen­de Art und Wei­se zu le­ben, für an­der­wei­ti­ge Be­dürf­nis­se wie Haus­halt und Fa­mi­lie, zu er­üb­ri­gen. Die Löh­ne der Ka­min­keh­rer­ge­hil­fen wä­ren im­mer un­güns­ti­ger als die an­de­rer Ar­bei­ter ge­we­sen. Der Krieg ha­be die Si­tua­ti­on wei­ter ver­schärft. Es sei un­mög­lich, die 250 bis 300 Mark auf­zu­brin­gen, die der Ge­hil­fe zur Er­hal­tung des Ru­ßan­zu­ges zu leis­ten hat. Die Ge­hil­fen for­der­ten des­halb ers­tens ei­nen wö­chent­li­chen Lohn von 70 bis 90 Mark und die Hal­tung ei­ner be­stimm­ten Ge­hil­fen­zahl zur Er­le­di­gung der an­fal­len­den Kehr­ar­bei­ten und Ge­währ­leis­tung der Feu­er­si­cher­heit un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Leis­tungs­fä­hig­keit ei­ner acht­stün­di­gen Ar­beits­zeit und zwei­tens ei­ne Ver­kür­zung der Kehr­ter­mi­ne, um den vie­len ar­beits­lo­sen Ge­hil­fen, ein Un­ter­kom­men zu schaf­fen. Es gab in Nie­der­bay­ern we­gen der wäh­rend des Krie­ges über­mäs­sig be­trie­be­nen Lehr­lings­züch­te­rei, der nied­ri­gen Kehr­ta­ri­fe und der lang­fris­ti­gen Kehr­ter­mi­ne et­wa 350 bis 400 ar­beits­lo­se Ka­min­keh­rer­ge­sel­len.

Auch die bis­he­ri­gen Kehr­ta­rif­er­hö­hun­gen wa­ren teil­wei­se nur den Meis­tern zu­gu­te ge­kom­men. Selbst die Re­gie­rung wies die Ver­wal­tungs­be­hör­den an, da­für zu sor­gen, daß die Kehr­lohn­er­hö­hun­gen auch dem Zweck, den sie ver­fol­gen, näm­lich ei­ner an­ge­mes­se­nen Er­hö­hung der Ge­hil­fen­löh­ne, zu­ge­führt wer­den. Um dem Miss­brauch zu be­geg­nen, dass die gan­ze Ar­beit mit Lehr­lin­gen oh­ne Ge­hil­fen aus­ge­führt wird, ord­ne­te die Re­gie­rung zu­dem an, dass im Schorn­stein­fe­ger­ge­wer­be je­der Meis­ter nicht mehr als ei­nen Lehr­ling hal­ten oder neu ein­stel­len darf.

Für Deg­gen­dorf for­der­te der Ver­band zwecks Un­ter­brin­gung der ar­beits­lo­sen und der aus Ge­fan­gen­schaft zu­rück­keh­ren­den Ge­hil­fen die Ein­stel­lung ei­nes stän­di­gen Ka­min­fe­ger­ge­hil­fen, ei­ne For­de­rung, die sich auch Meis­ter Lei­mer zu ei­gen mach­te. Er konn­te sie je­doch bei den be­ste­hen­den Kehr­löh­nen nicht er­fül­len, da er bei Brut­to­ein­nah­men von 5 200 Mark jähr­lich bei Be­schäf­ti­gung ei­nes Ge­hil­fen für 3 900 Mark Aus­ga­ben von 6 508 Mark im Jahr ge­habt hät­te. Er er­kann­te des­halb den am 1. Ok­to­ber 1919 durch den Schlich­tungs­aus­schuss in Pas­sau für Nie­der­bay­ern ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­trag nicht an, bis nicht die Kehr­löh­ne bzw. Kehr­ter­mi­ne im Be­zirk Deg­gen­dorf den Pa­ßau­er Ver­hält­nis­sen rechts­kräf­tig Ver­be­schei­dung hat. In ei­nem Schrei­ben an den Stadt­rat be­schwer­te er sich bit­ter: Deg­gen­dorf steht al­lein in ganz Bay­ern, da wel­ches bloß 20 % Er­hö­hung er­hielt. Das sind 5 Pfg. vom Ka­min, u. da­zu wa­ren 3 Ma­gis­trats­sit­zun­gen be­nö­tigt. Ei­ner Kell­ne­rin, wenn man 5 Pfg. Trink­geld gibt, die lacht nur. Da­her kommt es, daß mit die­ser Er­hö­hung noch vie­le Häu­ser sind, wel­che als Jah­res­rech­nung sa­ge und schrei­be blos ei­nen Lohn von 1 M. 38 Pfg. zah­len. Die Ka­min­keh­rer­ge­hil­fen Nie­der­bay­erns wa­ren nicht mehr be­reit, für ei­nen sol­chen Schund­lohn zu ar­bei­ten und droh­ten mit Streik.

Für die Stadt be­deu­te­te das na­tür­lich ei­ne wei­te­re Er­hö­hung der Kehr­ta­xen, der man sehr zu­rück­hal­tend ge­gen­über­stand. Dar­in un­ter­schied sich der Deg­gen­dor­fer Stadt­rat nicht von an­de­ren Stadt­rä­ten. Auf dem 12. Ver­bands­tag der baye­ri­schen Ka­min­keh­rer-In­nun­gen in Augs­burg wur­de fest­ge­stellt, dass sich die Äm­ter in den meis­ten Fäl­len aus den vor­ge­leg­ten Ge­schäfts­bü­chern der Ka­min­fe­ger­meis­ter kein Ur­teil bil­den konn­ten. Ist es da ein Wun­der, frag­te der Re­fe­rent, wenn die Aem­ter an den An­ga­ben zwei­fel­ten, wenn die Be­zirks­aus­schüs­se er­klär­ten: „Was, der Ka­min­keh­rer will mehr, der mit sei­nem schö­nen An­we­sen, der mit sei­nen an­schei­nend güns­ti­gen Le­bens­ver­hält­nis­sen“. Bür­ger­meis­ter An­ton Reus bat des­halb die Brand­ver­si­che­rungs­in­spek­ti­on in Deg­gen­dorf um ei­ne Stel­lung­nah­me, ob im hie­si­gen Kehr­be­zirk von der Grö­ße her ein fest an­ge­stell­ter Ge­hil­fe nö­tig sei. Das Brand­ver­si­che­rungs­amt, das die Zahl der be­nutz­ten Ka­mi­ne im Be­zirk mit 1 254 be­zif­fer­te, be­für­wor­te­te das un­ein­ge­schränkt, da es aus­ge­schlos­sen sei, dass der Ka­min­keh­rer oh­ne stän­di­ge Hilfs­kraft sämt­li­che Ob­lie­gen­hei­ten in ei­ner al­len An­for­de­run­gen der Feu­er­si­cher­heit Rech­nung tra­gen­den Wei­se ge­recht wer­den kann. Lei­mers Vor­gän­ger Mar­tin Herz hat­te üb­ri­gens im Jah­re 1899 so­gar zwei Ge­sel­len be­schäf­tigt. In dem Gut­ach­ten der Brand­ver­si­che­rungs­in­spek­ti­on wur­den schwer wie­gen­de Män­gel an­ge­führt. So hat­te der 15½jäh­ri­ge Ka­min­keh­rer­lehr­ling mehr­mals hin­ter­ein­an­der die Ka­mi­ne oh­ne Auf­sicht durch den Meis­ter ge­kehrt. Das war ein Ver­stoß ge­gen die ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen. Per­so­nen, wel­che das Ka­min­keh­rer­ge­schäft erst er­ler­nen, hieß es in der Ka­min­keh­rer­ord­nung, dür­fen nie­mals oh­ne per­sön­li­che Auf­sicht und An­lei­tung des Ka­min­keh­rers oder ei­nes be­reits er­prob­ten Ge­hil­fen ar­bei­ten und nie die Rei­ni­gung der näm­li­chen Ka­mi­ne an zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Kehr­ter­mi­nen be­sor­gen.

Vernachlässigung der Feuerbeschau

Schon seit sechs Jah­ren, als seit 1913, üb­te die Feu­er­be­schau­kom­mis­si­on ih­re Tä­tig­keit nicht mehr aus. Das war um so be­denk­li­cher, als in Deg­gen­dorf auf Grund der al­ten Bau­sub­stanz oft recht ver­al­te­te, den heu­ti­gen Be­stim­mun­gen zu­wi­der­lau­fen­de Feu­er­stät­ten an­zu­tref­fen wa­ren. Der Schorn­stein­fe­ger war die ein­zi­ge Per­son, die in den 694 Wohn­häu­sern die Ein­hal­tung der Brand­schutz­be­stim­mun­gen kon­trol­lier­te.

Auf Pro­ble­me mit der Feu­er­schau mach­ten in den fol­gen­den Jah­ren auch Stadt­rat A. We­ber und Ka­min­kehrer­meis­ter Lei­mer auf­merk­sam. Bei der im Früh­jahr 1920 vor­ge­nom­men gründ­li­chen Feu­er­schau, die Lei­mer un­ent­gelt­lich mit Schutz­mann Gotz­ler und Stadt­rat We­ber durch­führ­te, er­ga­ben sich gra­vie­ren­de Män­gel in ver­schie­de­nen Häu­sern, vor al­lem schad­haf­te Schorn­stei­ne über dem Dach. Im Ju­li 1920 führ­te We­ber Kla­ge dar­über, dass die er­ho­be­nen Be­an­stan­dun­gen noch nicht be­sei­tigt wa­ren. Für Lei­mer wa­ren die mit der Feu­er­schau ver­bun­de­nen Miss­stän­de so groß, dass er auf dem 12. Ver­bands­tag der Ka­min­kehrer­meis­ter-In­nun­gen in Augs­burg im Mai 1921 ei­nen An­trag da­zu ein­brach­te, der al­ler­dings nicht be­han­delt wur­de.

En­de des Jah­res wand­te er sich in die­ser Fra­ge so­gar an das Staats­mi­nis­te­ri­um, Kam­mer des In­nern. Er schrieb u.a.: Die Woh­nungs­noth hat im­mer grö­ßer über­hand ge­nom­men, u. al­le Win­kel wer­den aus­ge­nützt, um so­zu­sa­gen Not­h­woh­nun­gen zu be­kom­men. Die feu­er­po­li­zei­li­chen Vor­schrif­ten wer­den da­bei we­nig oder gar nicht be­ach­tet. Die Dach­bö­den­kam­mern, fast durch­ge­henst nur Holz­ver­schlä­ge, müs­sen be­wohnt wer­den, u. wie dort die Feu­er­stät­ten an­ge­bracht wer­den. Da möch­te ei­nem oft schau­dern, und wenn man die Leu­te über feu­er­po­liz. Vor­schr. auf­merk­sam macht, so be­kommt man zur Ant­wort, die ge­sund­heit­li­chen Vor­schrif­ten brau­chen auch nicht mehr ein­ge­hal­ten wer­den. Man kann mas­sen­haft Holz auf den Spei­chern se­hen, und zum Aschen hin­un­ter tra­gen sind sie oft zu faul u. schüt­ten sel­ben blos oft in Kis­ten hin­ein. Die Dach­bö­den wei­sen meis­tens Fur­chen, Klum­sen auf, da schmei­ßen die jun­gen Kerls ganz form­los ih­re Zi­ga­ret­ten­stum­pen weg so­wie die Zünd­höl­zer, wel­che auch in die Fur­chen fal­len. Bei Nacht sieht kein Mensch was, wenn so ein Brand ent­steht. Frü­her ha­be die Feu­er­be­schau zwei­mal jähr­lich im Früh­jahr und im Herbst statt­ge­fun­den, spä­ter al­le zwei Jah­re u.. jetzt, wo Le­ben u. Ei­gen­thum ei­nes je­den ge­fähr­det ist, wird gar kein Acht mehr ge­nom­men. Lei­mer be­ton­te: Na­tür­lich die ge­setz­ge­ben­den Herrn in ih­ren gu­ten Woh­nun­gen ha­ben von die­sen Vor­komm­nis­sen nicht al­le ei­ne Ah­nung, bit­te aber da­bei um Ent­schul­di­gung, denn ich bin ein Mensch, der von der Brust re­det u. für den Nächs­ten ein Ge­fühl hat. Es ist ja wohl wahr, daß die Ge­mein­den spa­ren müs­sen, da sie al­le ho­he Aus­la­gen ha­ben u. die Feu­er­be­schau auch wie­der Geld kos­tet, aber bei Brän­den ist der Scha­den grö­ßer. Er selbst sei aber be­reit, al­le zwei Jah­re die Feu­er­schau un­ent­gelt­lich al­lein durch­zu­füh­ren, wenn das so statt­haft sei. Er bit­te da­her um Mit­tei­lung, ob zur Ab­hal­tung der Feu­er­be­schau noch Be­stim­mun­gen be­ste­hen u. auf wel­che Zeit sel­be be­schränkt sind.

Auf Grund des Gut­ach­tens der Brand­ver­si­che­rungs­in­spek­ti­on, nach Kon­sul­ta­ti­on an­de­rer Städ­te wie Pas­sau und Strau­bing und in An­leh­nung an ei­nen Be­schluss des Be­zirks­am­tes Deg­gen­dorf für die Land­ge­mein­den wur­den die Ka­min­kehr­er­löh­ne in Deg­gen­dorf rück­wir­kend zum 1. Ok­to­ber 1919 er­höht. Meis­ter Lei­mer war da­mit ein­ver­stan­den. Er be­schäf­tig­te aber als Ge­hil­fen nur Aus­hil­fen, dar­un­ter sei­nen ei­ge­nen Sohn. In den Som­mer­halb­jah­ren 1920 und 1921 ar­bei­te­te er wie­der oh­ne Ge­hil­fen.

Auswirkungen der Inflation

Im Sep­tem­ber 1920 ging das Be­zirks­amt Deg­gen­dorf für die Land­ge­mein­den er­neut dem Stadt­rat mit ei­ner Ta­rif­er­hö­hung vor­an. Die Kehr­löh­ne wur­den im Ok­to­ber auch in der Stadt um 100 Pro­zent er­höht, wo­durch sich das Jah­res­brut­to­ein­kom­men des Ka­min­kehrer­meis­ters auf 24 829,80 Mark er­höh­te, was die Be­schäf­ti­gung ei­nes Ge­hil­fen er­mög­lich­te und auch die von der Re­gie­rung ge­stell­te Be­din­gung er­füll­te, dass der Meis­ter ein um 3 000 Mark hö­he­res Ein­kom­men als sein Ge­hil­fe ha­ben soll­te. Nach ei­ner Auf­stel­lung Lei­mers gin­gen von die­ser Brut­to­sum­me ins­ge­samt 12 687, 90 Mark an Aus­ga­ben ab, und zwar: 1 200 M für Werk­zeu­ge, 450 M für die Hei­zung des Ge­hil­fen­zim­mers und Wa­schen, 534 M für Sei­fe, Hand­tü­cher, Wasch­pa­pier, 610, 40 M für Orts­kran­ken­kas­se, Un­fall- und In­va­li­den­ver­si­che­rung, 160 M für Ge­schäfts­buch, Rech­nun­gen u. dgl., 373,50 M für die Wit­wen-Pen­si­ons­kas­se, 9 360 M als Lohn für ei­nen Ge­hil­fen.

Die In­fla­ti­on der Fol­ge­jah­re mach­te wei­te­re Er­hö­hun­gen der Ka­min­keh­rer­ge­büh­ren un­um­gäng­lich. Schon 1921 mach­ten die baye­ri­schen Ka­min­kehr­meis­ter-In­nun­gen gel­tend, dass um das 10-20­fa­che hö­he­re Aus­la­gen Ein­nah­men ge­gen­über­stan­den, die nur 4-5fach ge­wach­sen wa­ren. Be­män­gelt wur­de vor al­lem die Selb­stän­dig­keit der un­te­ren Be­hör­den, die be­wirk­te, dass ein ge­re­gel­tes und ein­heit­li­ches Ar­bei­ten aus­ge­schlos­sen und an­statt, dass die Ver­ord­nun­gen der Ka­min­keh­rer, die doch so le­bens­wich­tig für un­ser gan­zes wirt­schaft­li­ches Ge­fü­ge sind, im­mer straf­fer und ein­heit­li­cher wur­den, sind sie durch das selb­stän­di­ge Ar­bei­ten je­des ein­zel­nen Be­zirks­am­tes im­mer ver­schie­den­ar­ti­ger und un­re­gel­mä­ßi­ger ge­wor­den, so dass wir heu­te nicht nur in je­dem Kreis, son­dern schon fast in je­dem Be­zirk an­de­re Be­stim­mun­gen und an­de­re Vor­schrif­ten ha­ben. Für die ganz glei­che Ar­beit sind oft in zwei Nach­bar­be­zir­ken ganz ver­schie­de­ne Rei­ni­gungs­ter­mi­ne an­ge­setzt und ist die Ent­loh­nung da­für ei­ne ganz ver­schie­de­ne. Ge­ra­de da­durch wur­den Teue­rungs­zu­la­gen, die für den ei­nen ein Durch­kom­men er­mög­lich­ten, zum wirt­schaft­li­chen Ru­in für den an­de­ren. Die stän­di­gen Dis­kus­sio­nen um die Kehr­ta­ri­fe und die Er­trä­ge der Kehr­be­zir­ke ver­an­lass­ten das Staats­mi­nis­te­ri­um des In­nern, neue, ein­heit­li­che Kehr­bü­cher zur ge­naue­ren Er­fas­sung der Ein­nah­men ein­zu­füh­ren.

Die nächs­te Stei­ge­rung der Kehr­löh­ne um 25 Pro­zent er­folg­te am 2. Sep­tem­ber 1921, auf Ein­spruch Lei­mers im Ok­to­ber je­doch auf 50 Pro­zent er­höht. Der Stadt­rat hat­te die­se Er­hö­hung ge­ra­de ver­ab­schie­det, als vom Ver­band der Ka­min­keh­rer­ge­hil­fen Nie­der­bay­erns und der Ka­min­kehrer­meis­ter-Zwangs­in­nung für Nie­der­bay­ern auf Grund der sich be­schleu­ni­gen­den In­fla­ti­on er­neut ei­ne Teue­rungs­zu­la­ge ver­langt wur­de.

In den Jah­ren 1922 und 1923 be­schleu­nig­te sich die Geld­ent­wer­tung im­mer mehr. 1922 gab es vier Ta­rif­er­hö­hun­gen. Die Stei­ge­run­gen wur­den in im­mer kür­ze­ren Ab­stän­den be­schlos­sen, bis sie schlie­ß­lich im Ok­to­ber und No­vem­ber 1923 wö­chent­lich er­höht wur­den. So­wohl die Kehr­ta­ri­fe als auch die Löh­ne der Schorn­stein­fe­ger­ge­hil­fen er­reich­ten Schwin­del er­re­gen­de Hö­hen, lie­fen der tat­säch­li­chen Teue­rung aber stän­dig hin­ter­her, so dass sie vom Ka­min­kehrer­meis­ter Lei­mer re­gel­mä­ßig als zu ge­ring an­ge­foch­ten wur­den.

Für den Stadt­rat be­deu­te­ten die lau­fen­den Ta­ri­fän­de­run­gen ei­ne im­men­se Ar­beit, da die Be­rech­nun­gen im­mer kom­pli­zier­ter wur­den. Au­ßer­dem schenk­ten die Stadt­rä­te den An­ga­ben Lei­mers über sei­ne Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se sel­ten Glau­ben und prüf­ten sie häu­fig durch Kom­mis­sio­nen und Kon­trol­len nach. Da­bei konn­ten sie sich auf das von der Re­gie­rung an­ge­ord­ne­te Kehr­buch stüt­zen.

Wie­der­holt tra­fen Mah­nun­gen des Staats­mi­nis­te­ri­ums des In­nern an die Stadt­ver­wal­tun­gen ein, daß die Kehr­löh­ne der Ka­min­keh­rer über­all so fest­ge­setzt wer­den, daß sie den stei­gen­den Be­triebs­kos­ten, der Stei­ge­rung der Le­bens­hal­tung der Kehr­be­zirks­in­ha­ber, den stei­gen­den For­de­run­gen der Ge­hil­fen u. den Leis­tun­gen der Kehr­be­zirks­in­ha­ber für die Ver­sor­gung der Wit­wen ... u. der im­mer wie­der ein­tre­ten­den Ent­wer­tung des Gel­des an­ge­pa­ßt wer­den. Das Mi­nis­te­ri­um be­ton­te: Der Ka­min­keh­rer, der sich an­ge­sichts der Be­deu­tung sei­nes Be­rufs für die Feu­er­si­cher­heit ge­wis­se (ob­rig­keit­li­che) Ein­wir­kun­gen von sei­ten des Staa­tes auf sei­ne Be­rufs­aus­übung ge­fal­len las­sen muß, muß an­der­seits dar­auf ver­trau­en kön­nen, daß er ge­ra­de im Hin­blick auf sei­ne vom Stand­punk­te der Feu­er­si­cher­heit wich­ti­ge Tä­tig­keit in sei­nem ge­gen­wär­ti­gen schwe­ren wirt­schaft­li­chen Kampf auch vom Staat im Rah­men des Mög­li­chen ge­för­dert u. ge­stützt wird. Vor­schlä­ge zur Ver­län­ge­rung der Kehr­ter­mi­ne, wo­durch Haus­be­sit­zer und Mie­ter ent­las­tet wor­den wä­ren, wur­den aus­drück­lich zu­rück­ge­wie­sen: Bei den be­son­de­ren Ver­hält­nis­sen im Ka­min­keh­rer­we­sen, wo die Ge­hil­fen jahr­zehn­te­lang im Be­ruf tä­tig sind, oh­ne Aus­sicht auf Ver­lei­hung ei­nes Kehr­be­zir­kes zu ha­ben, hieß es in ei­ner mi­nis­te­ri­el­len Ver­laut­ba­rung, lä­ßt sich aus all­ge­mei­nen so­zia­len Er­wä­gun­gen ei­ne Maß­nah­me nicht ver­tre­ten, die letz­ten En­des da­zu führt, dass lang­jäh­ri­ge Ge­hil­fen brot­los wer­den.

Für ei­nen Kehr­be­zirk, dem an­dert­halb Ar­beits­kräf­te zu­ste­hen – das ent­sprach den Grö­ßen­ver­hält­nis­sen des Deg­gen­dor­fer Kehr­di­strikts – gab die Re­gie­rung fol­gen­de grund­sätz­li­che Re­gel für die Ent­loh­nung vor:

1) Gan­zer ta­rif­mäs­si­ger Ge­hil­fen­lohn für den betr. Zeit­ab­schnitt nach Lohn­klas­se des Ge­hil­fen;
2) Vol­ler ta­rif­mäs­si­ger Ge­hil­fen­lohn als Ent­gelt für den Meis­ter selbst (½ für Mit­wir­kung als ½ Ar­beits­kraft im Aus­sen­dienst, ½ für schrift­li­che Ar­bei­ten usw.)
3) Hal­ber ta­rif­mäs­si­ger Ge­hil­fen­lohn ( = 50 % über den Ge­hil­fen­lohn als Zu­schlag zum stan­des- und zeit­ge­mäs­sen Un­ter­halt des Meis­ters und sei­ner Fa­mi­lie).

Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung des Deg­gen­dor­fer Stadt­ra­tes leg­te die Re­gie­rung fest, dass die­ses Ein­kom­men durch die ent­spre­chen­de Fest­set­zung der Kehr­löh­ne ge­währ­leis­tet wer­den soll­te, un­ab­hän­gig da­von, ob die zu­ge­stan­de­nen Ar­beits­kräf­te tat­säch­lich be­schäf­tigt wer­den oder ob der Meis­ter die Ar­beit selbst macht (z. B. den gan­zen Tag über als vol­le Ar­beits­kraft den Aus­sen­dienst ver­sieht und sei­ne schrift­li­chen Ar­bei­ten abends er­le­digt). Ka­min­kehrer­meis­ter Lei­mer konn­te sich in sei­nen Ein­ga­ben an den Stadt­rat ge­ra­de auf die­se Be­stim­mun­gen be­ru­fen.

Rückgang des Einkommens der Kaminkehrermeister gegenüber der Vorkriegszeit

Nach dem En­de der In­fla­ti­on setz­te der Stadt­rat die Ka­min­kehr­er­löh­ne auf die Hälf­te des Frie­dens­kehr­loh­nes fest und er­höh­te sie am 28. No­vem­ber 1923 auf ¾ der Frie­dens­sät­ze, nach­dem Lei­mer mit dem 38 Jah­re al­ten ver­hei­ra­te­ten Jo­hann Zell­gru­ber ei­nen Ge­hil­fen ein­ge­stellt hat­te. Der Stadt­rat ent­sprach da­mit den Vor­ga­ben der Re­gie­rung, den Ka­min­keh­rern ein aus­rei­chen­des Ein­kom­men zu si­chern, an­de­rer­seits aber auch je­de un­nö­ti­ge Be­las­tung des Haus­be­sit­zes u. der Mie­ter zu ver­mei­den. Schorn­stein­fe­ger­meis­ter und Ge­hil­fen konn­ten nach Auf­fas­sung der Re­gie­rung bei der all­gem. Not­la­ge nicht be­an­spru­chen, daß ih­nen ihr vol­les Frie­dens­ein­kom­men er­hal­ten bleibt; sie müs­sen sich viel­mehr eben­so wie die Be­am­ten­schaft und der gan­ze Mit­tel­stand mit ei­nem ge­wis­sen Ent­beh­rungs­fak­tor ab­fin­den.

Die­se Re­ge­lung blieb je­doch ein Stein des An­sto­ßes, da oh­ne­hin die Ein­nah­men des Ka­min­keh­rers durch Ver­rin­ge­rung der Kehr­ar­bei­ten in­fol­ge Ein­füh­rung neu­er gro­ßer Dampf­hei­zungs­an­la­gen und die Ein­stel­lung von Be­trie­ben zu­rück­ge­gan­gen wa­ren, die Un­kos­ten für Be­triebs­aus­ga­ben, Steu­ern, Ge­hil­fen­löh­ne aber fast auf das Zwei­ein­halb­fa­che ge­stie­gen wa­ren. Für Ka­min­kehrer­meis­ter Lei­mer in Deg­gen­dorf hieß das Aus­fall von Kehr­ar­bei­ten we­gen Ein­bau von Dampf­hei­zun­gen im Rat­haus, im Ka­tha­ri­nen­spi­tal, im Be­zirks­amt und im Kauf­haus Stei­gen­ber­ger so­wie we­gen Be­triebs­auf­ga­be von sie­ben Braue­rei­en. Der Frie­dens­lohn von 5 800 Mark konn­te da­durch nicht mehr er­reicht wer­den. Hin­zu ka­men Ge­schäfts­aus­ga­ben von 2 328 Mark, so dass ein Net­to­ein­kom­men von 3 472 Mark üb­rig blieb.

Die nächs­te, sehr mo­dera­te Er­hö­hung der Kehr­löh­ne wur­de erst für den 1. März 1928 be­schlos­sen, nach­dem der Nach­fol­ger Lei­mers Ot­to Seidl ei­nen ent­spre­chen­den An­trag ge­stellt hat­te. Dem Ka­min­kehrer­meis­ter Seidl, ein ge­bür­ti­ger Deg­gen­dor­fer, war am 27. Mai 1927 der Kehr­be­zirk Deg­gen­dorf-Stadt über­tra­gen wor­den, nach­dem Lei­mer trotz sei­nes fort­ge­schrit­te­nen Al­ters ei­ne Ver­set­zung nach Diet­manns­ried bei Kemp­ten er­reicht hat­te. Seidl hat­te sich ge­gen 17 an­de­re Be­wer­ber durch­ge­setzt. Der 1882 ge­bo­re­ne Seidl hat­te schon 1911 die Meis­ter­prü­fung mit der No­te Sehr gut so­wie 1926 die tech­ni­sche Meis­ter­prü­fung im Ka­min­keh­rer­ge­wer­be ab­ge­legt und mit Er­folg den Kehr­di­strikt Deg­gen­dorf-Land und seit 1923 ei­nen Kehr­be­zirk in Pas­sau-Stadt als Ge­schäfts­füh­rer ge­lei­tet. Mit 30 Dienst­jah­ren, sei­nem Al­ter von 44 Jah­ren, sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on und sei­nen Er­fah­run­gen in ei­nem städ­ti­schen Kehr­be­zirk und nicht zu­letzt mit sei­ner Her­kunft aus Deg­gen­dorf war Seidl für den Stadt­rat der ge­eig­nets­te Be­wer­ber.

Dem An­trag Seidls auf Er­hö­hung der Kehr­ge­büh­ren kam der Stadt­rat aber nur zum Teil nach. Da bei rus­si­schen Ka­mi­nen die Tä­tig­keit des Ka­min­keh­rers nur im Hin­ab­las­sen der Ku­gel in den Ka­min be­ste­he, sei­en da­für die al­ten Ta­ri­fe aus­rei­chend. Dem Meis­ter wur­de ein Ge­samt­b­rut­to­ein­kom­men von 6 191,12 Mark zu­ge­stan­den. Ab­züg­lich des Ge­hil­fen­lohns von 2 211,56 Mark er­gab das ein Ein­kom­men von 3 979, 56 Mark im Jahr, wo­bei die Be­triebs­kos­ten nicht ge­rech­net wa­ren. Im üb­ri­gen gab der Stadt­rat Seidl den Rat, wie sein Vor­gän­ger sei­nen Ge­hil­fen nicht das gan­ze Jahr über zu be­schäf­ti­gen. Da­durch kön­ne er sei­ne ei­ge­nen Ein­künf­te er­hö­hen. Ob Seidl, der meh­re­re Jah­re lang dem Ver­band der Ka­min­keh­rer­ge­hil­fen für Nie­der­bay­ern vor­ge­stan­den und de­ren For­de­run­gen ver­tre­ten hat­te, sich da­bei wohl fühl­te, sei da­hin­ge­stellt. Auf je­den Fall leg­te er Be­schwer­de ge­gen den Stadt­rats­be­schluss ein und er­reich­te ei­ne Än­de­rung der Ta­ri­fe zu sei­nen Guns­ten. Die neu­en Kehr­löh­ne er­ga­ben ein Ge­samt­b­rut­to­ein­kom­men von 8 052 Mark. Ge­hil­fen­lohn und Ge­schäfts­aus­ga­ben ab­ge­zo­gen, blieb ei­ne Net­to­be­trag von 4 041 RM üb­rig.

Auch in an­de­ren Fra­gen un­ter­stütz­te die Stadt ih­ren neu­en Ka­min­kehrer­meis­ter nur sehr zö­ger­lich. Er er­hielt zwar auf An­trag Bau­grund, aber nicht – wie er­be­ten – für ein Ein­fa­mi­li­en­haus, son­dern mit der Auf­la­ge, ein Zwei­fa­mi­li­en­haus zu er­rich­ten. Die Ge­wäh­rung ei­nes städ­ti­schen Bau­dar­le­hens von 8 000 Mark wur­de je­doch ab­ge­lehnt, da Seidl das Ei­gen­ka­pi­tal von 2 600 Mark nicht auf­brin­gen konn­te.

Mit Ot­to Seidl hat­te Deg­gen­dorf erst­mals ei­nen Ka­min­fe­ger­meis­ter, der in der Ka­min­keh­re­r­in­nung zeit­wei­se ei­ne füh­ren­de Rol­le spiel­te. Seidl setz­te sich für ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ka­min­keh­rer­ge­hil­fen­ver­band ein. So trug sei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on auf der In­nungs­ver­samm­lung im Mai 1931 da­zu bei, dass der In­nungs­schrift­füh­rer Fritz Ue­bel sei­nen gleich­zei­tig aus­ge­üb­ten Pos­ten als Kas­sier im Ge­hil­fen­ver­band nicht nie­der­le­gen muss­te. Nach Seidls ei­ge­ner Er­fah­rung sei es so, dass bei­de Kor­po­ra­tio­nen an ei­nem Strang zie­hen, Ue­bel da­bei nur ei­nem Herrn dient und das ist der Be­ruf. Seidl wur­de auf der Ver­samm­lung zum Kreis­ob­mann ge­wählt. Im De­zem­ber 1931 wur­de er Schrift­füh­rer der In­nung. Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung am 22. Mai 1932 in Platt­ling wähl­te ihn zum Ober­meis­ter.

Auf der ers­ten Ge­ne­ra­lin­nungs­ver­samm­lung nach dem Macht­an­tritt der Hit­ler-Par­tei am 19. Mai 1933 wur­de er als ein­zi­ger Par­tei­lo­ser in sei­nem Amt be­stä­tigt und zum Vor­sit­zen­den der Prü­fungs­kom­mis­si­on für die ver­schärf­te Meis­ter­prü­fung ge­wählt. Mit Aus­nah­me Fritz Ue­bels, seit De­zem­ber 1931 Kas­sier, wur­den al­le an­de­ren Vor­stands­mit­glie­der wie­der­ge­wählt, da sie ent­we­der Mit­glie­der der NS­DAP oder doch zu­min­dest des Stahl­helm bzw. des Kampf­bun­des wa­ren, wie es das Gleich­schal­tungs­ge­setz vom 19. April 1933 for­der­te. Seidl, spä­ter sel­ber Mit­glied der NS­DAP, trat aber we­gen sei­nes schlech­ten Ge­sund­heits­zu­stan­des in­fol­ge ei­nes Mo­tor­rad­un­falls – so lau­te­te je­den­falls die of­fi­zi­el­le Be­grün­dung – be­reits im Ja­nu­ar 1934 vom Pos­ten des Ober­meis­ters zu­rück.

Mit Wir­kung vom 1. Ju­li 1931 kam es in Über­ein­stim­mung mit der Ka­min­keh­rer-Zwangs­in­nung erst­ma­lig seit vie­len Jah­ren auf Grund der all­ge­mei­nen Preis­ent­wick­lung zu ei­ner ge­ring­fü­gi­gen Sen­kung der Kehr­ta­ri­fe. Ab 1. Ja­nu­ar 1932 trat ei­ne wei­te­re 15­pro­zen­ti­ge Preis­sen­kung in Kraft, da der Ka­min­kehr­be­zirks­in­ha­ber nach An­sicht des Stadt­ra­tes mit ei­nem Ro­h­ein­kom­men von 11 547 RM un­er­war­tet ho­he Ein­nah­men hat­te. Nach den neu­en Ta­ri­fen kam er auf er­rech­ne­te 5 315 RM net­to.

Im Früh­jahr 1935 wur­de oh­ne Stadt­rats­be­schluss ei­ne wei­te­re ge­ring­fü­gi­ge Sen­kung der Ta­ri­fe ver­kün­det, aber schon En­de des Jah­res durch ei­ne in ganz Nie­der­bay­ern gel­ten­de deut­li­che Er­hö­hung der Grund­ge­bühr von 17 auf 25 Pf. in das Ge­gen­teil ver­kehrt. Da­mit war die Au­to­no­mie der Stadt Deg­gen­dorf bei der Fest­le­gung der Kehr­löh­ne be­en­det. Die Ge­büh­ren von De­zem­ber 1935 blie­ben bis 1949 un­ver­än­dert. Erst am 1. Ja­nu­ar 1950 trat ein­heit­lich in Nie­der­bay­ern und der Ober­pfalz ei­ne er­neu­te Er­hö­hung der Grund­ge­bühr auf 40 Pf. und der Ta­ri­fe für Rei­ni­gun­gen ge­werb­li­cher Ka­mi­ne in Kraft. Auch die fol­gen­den Ta­rif­re­ge­lun­gen wur­den von der Re­gie­rung in Nie­der­bay­ern ver­fügt.

Höhere Anforderungen an das Kaminkehrerhandwerk

Die tech­ni­schen Neue­run­gen im 20. Jahr­hun­dert er­höh­ten die An­for­de­run­gen an das theo­re­ti­sche Wis­sen der Ka­min­keh­rer und führ­ten all­mäh­lich zu ei­ner Ver­än­de­rung ih­rer Auf­ga­ben. Schon 1920 wur­de bei der Ein­set­zung neu­er Kehr­be­zirks­in­ha­ber be­son­de­rer Wert auf heiz­tech­ni­sche Kennt­nis­se ge­legt. Ab 1923 muss­te die­ser Nach­weis durch die Ab­le­gung ei­ner Prü­fung vor ei­ner in Mün­chen zu­sam­men­tre­ten­den Kom­mis­si­on er­bracht wer­den, der ein Ver­tre­ter des In­nen­mi­nis­te­ri­ums als Vor­sit­zen­der so­wie ein Ver­tre­ter der Ar­beits­ge­mein­schaft für das Schorn­stein­fe­ger­ge­wer­be, Ne­ben­aus­schuss Bay­ern und der Di­rek­tor der Mün­che­ner Fach­schu­le für Ka­min­keh­rer bzw. des­sen Stell­ver­tre­ter an­ge­hör­ten.

Mit der 1935 ver­ab­schie­de­ten neu­en Kehr­ord­nung für den Re­gie­rungs­be­zirk Nie­der­bay­ern-Ober­pfalz wur­den die Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter ver­pflich­tet, sich die zur Be­ur­tei­lung von Ka­min-, Heiz- und Gas­an­la­gen er­for­der­li­chen Kennt­nis­se an­zu­eig­nen und sich auf dem Ge­biet der Wär­me­wirt­schaft und der Feue­rungs­tech­nik stän­dig fort­zu­bil­den. Bei den zu rei­ni­gen­den Ka­mi­nen wur­den Gas­ka­mi­ne und die Ab­gas­lei­tun­gen der un­be­weg­li­chen Roh­öl- und Holz­gas­mo­to­re grö­ße­rer Be­trie­be (von 100 PS an auf­wärts) aus­drück­lich ge­nannt. Gasa­blei­tungs­ka­mi­ne wa­ren ein­mal jähr­lich zu un­ter­su­chen und im Be­darfs­fall zu rei­ni­gen. Ab­gas­lei­tun­gen durf­ten nur nach vor­aus­ge­gan­ge­ner Be­gut­ach­tung durch den Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter in Ka­mi­ne ein­ge­lei­tet wer­den, die be­reits Haus­feue­run­gen auf­neh­men. Schon ein Jahr spä­ter wur­de zwei­mal jähr­lich ei­ne Un­ter­su­chung der Gasa­blei­tungs­ka­mi­ne und der Ab­zugs­ka­nä­le von Gas­ba­de­öfen und Gas­heiz­öfen ver­langt. Die Kehr­ord­nung von 1935 ent­hielt aber auch ei­nen Pas­sus, der auf die Kriegs­vor­be­rei­tung der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­ha­ber hin­deu­te­te: Den Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern ob­lag die För­de­rung des Luft­schut­zes, so­weit Brand­ver­hü­tung in Be­tracht kommt.

1949 fand in Deg­gen­dorf wie­der ei­ne Feu­er­be­schau statt. Da­bei wur­den be­son­ders die wäh­rend und nach dem Zwei­ten Welt­krieg in Ba­ra­cken, Ka­ser­nen und leer­ste­hen­den Fa­brik­ge­bäu­den un­ter­ge­brach­ten Be­trie­be auf den Feu­er­schutz hin un­ter­sucht, da hier durch Brand­mau­er­durch­brü­che, feu­er­ge­fähr­li­che Ma­te­ri­al­la­ge­rung, vor­schrifts­wid­ri­ge Ein­bau­ten von Feu­er­stät­ten und elek­tri­schen An­la­gen, feh­len­de Klein­lösch­ge­rä­te usw. Ge­fah­ren­her­de ers­ter Ord­nung ent­stan­den wa­ren. Für den Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter war die Feu­er­be­schau ei­ne Pflicht­auf­ga­be, die er un­ent­gelt­lich in sei­nem Kehr­be­zirk zu leis­ten hat­te. Le­dig­lich Sach­aus­la­gen wur­den ihm er­setzt.

Bei je­der Neu­fas­sung der Kehr­ord­nung wur­den die je­wei­li­gen Neue­run­gen in der Heiz­tech­nik be­rück­sich­tigt und die Ar­beits­schutz­be­stim­mun­gen prä­zi­siert. So wur­de es mit dem wach­sen­den An­ten­nen­wald auf den Dä­chern 1962 not­wen­dig, dar­auf zu ver­wei­sen, dass die Dach­ar­beit nicht durch An­brin­gen von An­ten­nen und an­de­ren Lei­tun­gen be­hin­dert, ge­fähr­det oder un­mög­lich ge­macht wer­den darf. Die Ka­min­keh­rer zeich­ne­ten ver­ant­wort­lich für die Ab­nah­me neu­ar­ti­ger Feue­rungs­an­la­gen. 1972/73 wur­den dem Ka­min­keh­rer­hand­werk in Bay­ern die Im­mis­si­ons­schutz­mes­sun­gen an Gas- und Öl­hei­zun­gen über­tra­gen, wor­auf sich die Ka­min­keh­rer durch Lehr­gän­ge und Schu­lun­gen seit 1957 gründ­lich vor­be­rei­tet hat­ten. Ei­ner der Schu­lungs­or­te war seit 1952 üb­ri­gens Deg­gen­dorf. The­men der Schu­lun­gen wa­ren nicht nur die mo­der­nen Feu­er­stät­ten, son­dern auch Lüf­tungs­an­la­gen und En­er­gie­ein­spa­run­gen.

Die Ein­tei­lung der Kehr­be­zir­ke und die Ein­set­zung der Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter ob­lag seit der Ver­ord­nung über das Schorn­stein­we­sen vom 28. Ju­li 1937 der hö­he­ren Ver­wal­tungs­be­hör­de, in un­se­rem Fal­le der Re­gie­rung von Nie­der­bay­ern. In­fol­ge der wach­sen­den Be­völ­ke­rungs­zahl, der Ver­än­de­run­gen in der Ver­wal­tungs­struk­tur und der voll­zo­ge­nen Ein­ge­mein­dun­gen wur­de in den letz­ten Jahr­zehn­ten durch die Re­gie­rung von Nie­der­bay­ern wie­der­holt ei­ne Neu- und Um­bil­dung von Kehr­be­zir­ken vor­ge­nom­men. Un­mit­tel­bar nach En­de des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­de zur Ver­sor­gung der Flücht­lin­ge und zum Ab­bau des Über­hangs an über­al­ter­ten Ge­sel­len bis 1950 die Zahl der nie­der­baye­ri­schen Kehr­be­zir­ke von 67 auf 101 er­höht. Im Jah­re 1956 wur­den die Gren­zen der Kehr­be­zir­ke Deg­gen­dorf-Land I (Be­zirks­ka­min­kehrer­meis­ter Jo­sef Hoff­mann, Deg­gen­dorf), Deg­gen­dorf-Land II (Mi­cha­el Schind­ler), Hen­gers­berg (Wil­helm Dra­ga), Schöll­nach (Max Stel­zer) und Stadt Platt­ling (Lud­wig Rei­fens­tu­el) neu ge­zo­gen. 1958 fand ei­ne au­ßer­ter­min­li­che Neu­ein­tei­lung der Kehr­be­zir­ke im Land­kreis Deg­gen­dorf statt, in de­ren Er­geb­nis ein zu­sätz­li­cher Kehr­di­strikt Platt­ling-Land ent­stand. Sein In­ha­ber Ge­org Mai­er, in Ret­ten­bach woh­nend, wur­de 1969 zum Schrift­füh­rer der Ka­min­keh­re­r­in­nung ge­wählt. Ob­wohl drei Be­zirks­schorn­stein­meis­ter ih­ren Be­zirk dem Na­men nach be­hiel­ten (Deg­gen­dorf-Land I, Hen­gers­berg und Schöll­nach), wa­ren sie jetzt für an­de­re Ge­mein­den zu­stän­dig. Auch der Kehr­be­zirk Deg­gen­dorf-Land II (Xa­ver Nir­schl, Met­ten) er­hielt ei­nen neu­en Zu­schnitt.

Neu­glie­de­rung von Kehr­be­zir­ken be­deu­te­te al­ler­dings nicht im­mer die Ver­grö­ße­rung ih­rer An­zahl. Heu­te ist die Stadt Deg­gen­dorf in vier Kehr­be­zir­ke mit den Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern Her­mann Apfl, Sieg­fried Pre­beck, Fried­rich Ort­ner und Bernd Mai­er ge­glie­dert. Im Land­kreis Deg­gen­dorf exis­tie­ren dar­über hin­aus die Kehr­di­strik­te Al­ten­markt (Heinz Krel­lin­ger), Bern­ried (Ma­xi­mi­li­an Hagl), Hen­gers­berg (Ru­dolf Achatz), Lal­ling (Franz Schus­ter), Met­ten (Fried­rich Brandl), Os­ter­ho­fen (Man­fred Gre­go­ri), Platt­ling-Land (Jo­hann Wein­zierl), Platt­ling-Stadt (Jo­sef Ge­ßl) und Schöll­nach (Ger­hard Schu­bert).

Das Ka­min­keh­rer­hand­werk, über Jahr­hun­der­te durch ei­ne re­la­tiv gleich­blei­ben­de Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on und ähn­li­che Ar­beits­auf­ga­ben ge­prägt, hat in den letz­ten Jahr­zehn­ten sein Ant­litz grund­le­gend ver­än­dert. Es ist heu­te ein Ge­wer­be, das durch le­bens­lan­ges Ler­nen ge­kenn­zeich­net ist und in im­mer kür­ze­ren Ab­stän­den tech­ni­sche Neue­run­gen auf­zu­neh­men und zu be­herr­schen ge­zwun­gen ist. Die schwe­re Ar­beit des Ka­min­keh­rens, die Tä­tig­keit, die dem Hand­werk den Na­men ge­ge­ben hat, tritt im­mer mehr hin­ter Mess- und Prüf­auf­ga­ben mit mo­derns­ten Ge­rä­ten zu­rück. Das er­leich­ter­te es in den letz­ten Jah­ren auch Frau­en, die­ses Hand­werk zu er­obern. Von wach­sen­der Be­deu­tung ist auch der vor­beu­gen­de Brand­schutz. Des­halb stif­te­ten die Ka­min­keh­rer Nie­der­bay­erns im Herbst 2001 für die Kin­der­gär­ten des Re­gie­rungs­be­zirks 500 Rauch­mel­der im Wert von rund 20 000 Mark und ver­ban­den die Über­ga­be mit kind­ge­mä­ßen Ge­sprä­chen über die Brand­ver­hü­tung, da ei­ne Auf­klä­rung dar­über nicht früh ge­nug be­gin­nen kann.

Durch sei­ne ein­heit­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on, sei­ne Ver­pflich­tung auf die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten und sei­ne Un­ab­hän­gig­keit so­wohl von den bau­aus­füh­ren­den Be­ru­fen wie von den Haus­be­sit­zern ist der Schorn­stein­fe­ger heu­te eben­so un­ent­behr­lich wie in frü­he­ren Zei­ten für die Brand­si­cher­heit und be­son­ders für den Um­welt­schutz, des­sen Be­deu­tung in Zu­kunft noch wach­sen wird. Das be­grün­det auch sei­ne Mo­no­pol­stel­lung. Wenn das Ka­min­keh­rer­ge­wer­be wie bis­her un­ter Fe­der­füh­rung sei­ner Tech­ni­schen Ab­tei­lung dem Neu­en auf­ge­schlos­sen bleibt, braucht ihm um sei­ne Rol­le auch im neu­en Jahr­hun­dert nicht ban­ge zu sein.

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