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Die Geschichte der Stadtplätze

1. Zweckbestimmung

So un­ter­schied­lich die To­po­gra­fi­en im Nor­den und im Sü­den Deg­gen­dorfs sind, so ver­schie­den wa­ren und sind noch heu­te die Pro­duk­te die dort her­ge­stellt wer­den. Am Über­gang des tren­nen­den, nur hier durch ei­ne Brü­cke über­quer­ten Flus­ses ge­le­gen, bot sich Deg­gen­dorf schon in sei­ner Ent­ste­hungs­zeit als na­tür­li­che Dreh­schei­be des Han­dels zwi­schen Gäu und Wald an. Nicht von un­ge­fähr ist in­ner­halb der Stadt die ge­sam­te Stra­ße im Nord-Süd Ver­lauf zu ei­nem ge­wal­ti­gen, lang­ge­streck­ten Platz aus­ge­baut, der sei­nen Zweck in der Ab­hal­tung von Märk­ten hat­te und pri­mär dem Han­del dien­te. Hier tra­fen sich die Fi­scher­dor­fer Fisch­ver­käu­fe­rin und der Wald­bau­er, der Ge­trei­de­bau­er des Gäu­bo­dens mit dem Glas­her­stel­ler aus dem hin­te­ren Baye­ri­schen Wald, hier wech­sel­ten Pil­ze, Ho­nig, Ge­mü­se, Obst, Brenn­holz, Zaun­stan­gen, Ge­flü­gel, Schwei­ne, Gro­ßvieh und Pfer­de den Be­sit­zer, hier wur­de mit Kraut, Me­tal­len und Korb­wa­ren ge­han­delt. Die­se Ge­brauchs­gü­ter des all­täg­li­chen Le­bens wur­den wö­chent­lich min­des­tens ein­mal feil­ge­bo­ten. Weit grö­ßer war das An­ge­bot, wenn ei­ner der über­re­gio­na­len gro­ßen Jahr­märk­te hier statt­fand. Nürn­ber­ger Tand und Wa­ren Augs­bur­ger und Re­gens­bur­ger Gro­ßhan­dels­häu­ser fan­den hier ih­re Ab­neh­mer, Tu­che, Woll­zeug, Spit­zen und Sei­den-Stof­fe aus den Nie­der­lan­den eben­so wie Met, Wol­le, Kup­fer, Ei­sen, Blei und Wachs aus Böh­men, sel­te­ne exo­ti­sche Ge­wür­ze und ra­rer Zu­cker. Das An­ge­bot an da­ma­li­gem Lu­xus und schwer zu be­schaf­fen­den Gü­tern mach­te die­se Jahr­märk­te so at­trak­tiv. Von weit her reis­ten die Men­schen in die Stadt, um sich hier mit die­sem nicht im­mer ver­füg­ba­ren Wa­ren ein­zu­de­cken.

Ein Be­weis für die „in­ter­na­tio­na­le Tä­tig­keit“ der da­ma­li­gen Händ­ler und Markt­fier­an­ten ist 1986 der Stadt­ar­chäo­lo­gie ge­lun­gen. Auf dem Ses­sels­ber­ger - Grund­stück wur­de ein Münz­schatz ge­fun­den, der im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg 1633 von ei­nem Wirt ver­gra­ben wur­de und nach Ab­zug der Schwe­den nicht mehr ge­ho­ben wer­den konn­te. Es fin­den sich dar­un­ter Mün­zen aus Eng­land, den Nie­der­lan­den, Ita­li­en, aus dem El­sass, Schle­si­en, Kärn­ten, Ti­rol, Lü­beck, Schwe­den und vie­len an­de­ren Münz­stät­ten mehr. Le­dig­lich je­de drit­te Mün­ze, die im Um­lauf war, wur­de in Bay­ern oder Schwa­ben ge­prägt.

Die Stadt Deg­gen­dorf und ih­re Bür­ger ver­dien­ten an die­sem bun­ten Markt­trei­ben auf man­nig­fa­che Wei­se. Ei­ner­seits ge­nos­sen die Be­woh­ner der Stadt das Vor­kaufs­recht und konn­ten sich, noch be­vor Frem­de den Markt be­such­ten, die bes­te Wa­re si­chern. An die Stadt muss­ten die Händ­ler und Fier­an­ten mehr­fach Ge­büh­ren ab­füh­ren: Pflas­ter- und Brü­cken­zoll, Stand- und Waag­ge­büh­ren wur­den er­ho­ben. An­de­rer­seits pro­fi­tier­ten von die­sem aus­ge­präg­tem Han­del na­tür­lich auch hie­si­ge Ge­wer­be­trei­ben­de: An­säs­si­ge Hand­wer­ker zum Bei­spiel, die ih­re Se­kun­där­pro­duk­te vor Ort ei­ner viel­schich­ti­gen Käu­fer­schar an­bie­ten konn­ten. Vor al­lem aber Ver­sor­gungs­be­trie­be wie Gast­wirt­schaf­ten, Braue­rei­en, Metz­ge­rei­en und Bä­cke­rei­en wa­ren Nutz­nie­ßer der vie­len Men­schen, die sich na­he­zu täg­lich auf ei­nem der Stadt­plät­ze auf­hiel­ten. Die­ser Wohl­stand über­trug sich über das Steu­er­auf­kom­men der Ge­wer­be auf die Stadt. So sind die vor Stolz strot­zen­den Bau­ten wie das Al­te Rat­haus von 1535 und der Turm der Grab­kir­che zu er­klä­ren, die ein we­nig präch­ti­ger als es nö­tig ge­we­sen wä­re, aus­ge­fal­len sind. Sie do­mi­nie­ren und ak­zen­tu­ie­ren noch heu­te un­ser Stadt­bild.

Jahrmarkt auf dem Luitpoldplatz ca. 1930

Na­tür­lich muss­te die­se für die Stadt ein­träg­li­che Ein­rich­tung des Mark­tes ge­schützt und nach Mög­lich­keit ge­för­dert wer­den. Der Stadt ob­lag die Sor­ge für die In­fra­struk­tur in Form ei­nes si­che­ren Do­nau­über­gan­ges und be­que­mer, nach Mög­lich­keit ge­pflas­ter­ter Stra­ßen, sie sorg­te für ei­nen ge­re­gel­ten Ab­lauf der Märk­te, schütz­te die Wa­ren der Händ­ler; sie setz­te ver­ei­dig­te „Mes­se­rer“ ein, die Ge­trei­de­ma­ße und Ge­wich­te kon­trol­lier­ten und für den re­el­len Ab­lauf der Ge­schäf­te ver­ant­wort­lich wa­ren. Die Kom­mu­ne stell­te im 19. Jahr­hun­dert den Fier­an­ten Markt­bu­den zur Ver­fü­gung, um äu­ße­re schäd­li­che Ein­flüs­se von der emp­find­li­chen Wa­re ab­zu­hal­ten und um das Markt­trei­ben in ge­ord­ne­te Bah­nen zu len­ken.Sie­ben Jahr­märk­te hat­te die Stadt von den Her­zö­gen und Kur­fürs­ten Bay­erns über die Jahr­hun­der­te zu­ge­stan­den be­kom­men. Im Jahr 2002 weist der Markt­ka­len­der der Stadt Deg­gen­dorf Märk­te auf, die in ih­rer Mehr­zahl auf his­to­ri­sche Wur­zeln zu­rück­ge­hen: Der 1. und 2. Fas­ten­markt (19. Fe­bru­ar und 17. März), der Mai­markt am 14. Mai, der Au­gust­markt (27. Au­gust), der Herbst­markt (27. Ok­to­ber) und der Ni­ko­laus­markt (6. De­zem­ber), wenn auch die meis­ten im Lau­fe der Zeit an­ders ter­mi­niert wor­den sind. Da­ne­ben fin­den heu­te wie frü­her der (täg­li­che) Wo­chen­markt so­wie der sams­täg­li­che Bau­ern­markt und – als jüngs­te „Markt­ni­sche“ – der ad­vents­zeit­li­che Christ­kindl­markt statt.

2. Aussehen der Stadtplätze:

Der Luitpoldplatz mit Grabkirche "Peter und Paul" nach einer Aufnahme von 1901 (Stadtarchiv Deggendorf)

Deg­gen­dorf ist ge­prägt von zwei Ver­kehrs­stra­ßen: Zum Ei­nen die do­mi­nie­ren­de von Sü­den nach Nor­den lau­fen­de Stra­ße über die Do­nau in den Baye­ri­schen Wald hin­ein und wei­ter nach Böh­men. Die­se Stra­ße ist seit dem Mit­tel­al­ter be­legt und in sei­ner im­po­san­ten Aus­brei­tung min­des­tens seit An­le­gung der Stadt so aus­ge­bil­det. Die zwei­te Ach­se ist die West-Ost Ver­bin­dung von Met­ten und Scha­ching her durch Deg­gen­dorf durch zu den na­he­lie­gen­den Ge­höf­ten und Dör­fern im Os­ten und Nord­os­ten der Stadt. Die­se Stra­ßen, heu­te Bahn­hof­stra­ße und Pfleg­gas­se, frü­her als He­rolds­gas­se und Kram­gas­se be­zeich­net sind deut­lich un­ter­ge­ord­net. Le­dig­lich die „Pfle­ge“ als staat­li­che Be­hör­de hat­te als ein­zi­ges be­deu­ten­des Bau­werk und als ein­zi­ge her­vor­ge­ho­be­ne Be­hör­de in der Pfleg­gas­se sei­nen Sitz. Die Be­zeich­nung als Gas­se spricht da­bei für sich. Das Steu­er­auf­kom­men, und da­mit auch das so­zia­le An­se­hen der Haus­be­sit­zer und Ge­wer­be­trei­ben­den, nahm in die­sen bei­den Gas­sen von den Stadt­plät­zen aus­ge­hend zur Pe­ri­phe­rie hin deut­lich ab.

Ähn­lich wie in Strau­bing war auch in Deg­gen­dorf der Stadt­turm in der Mit­te des Mark­tes plat­ziert. Er dien­te der Si­cher­heit der Stadt (Feu­er­wa­che und Be­ob­ach­tung des Um­lan­des). Ei­ne be­schei­de­ne Ka­pel­le im Nor­den des Tur­mes an­ge­lehnt, war der ein­zi­ge sa­kra­le Raum bis zur Er­rich­tung der Grab­kir­che nach 1338. 1535 er­rich­te­ten die Deg­gen­dor­fer an Stel­le ei­nes klei­nen Vor­gän­ger­baus ein re­prä­sen­ta­ti­ves Rat­haus in der Form wie es heu­te noch zu se­hen ist. Nach des­sen Fer­tig­stel­lung war auch der Markt­platz ein­deu­tig ge­teilt in ei­nen Obe­ren Stadt­platz und den heu­ti­gen Luit­pold­platz. Ein letz­ter gro­ßer Ein­griff in das Ge­samt­werk der Stadt­an­la­ge war die Er­bau­ung des Grab­kir­chen­turms am nord­west­li­chen Eck der Grab­kir­che. Durch die Ar­chi­tek­ten und Bau­meis­ter Jo­hann Gu­netz­rai­ner (Pas­sau) und Ja­kob Pa­wan­ger (Mün­chen) wur­den die Plä­ne ge­fer­tigt, die Aus­füh­rung lag ur­sprüng­lich bei Jo­hann Mayr, der je­doch die­se Auf­ga­be aus Al­ters­grün­den dem jun­gen Jo­hann Mi­cha­el Fi­scher über­ließ. Vor die­ser in den Jah­ren 1722 bis 1727 durch­ge­führ­ten Maß­nah­me war le­dig­lich ein Dach­rei­ter an der Grab­kir­che vor­han­den.

Von sei­nem mit­tel­al­ter­li­chem Stadt­bild nahm Deg­gen­dorf ab 1804 lang­sam Ab­schied. Da­mals wur­den die über­flüs­sig ge­wor­de­ne Stadt­mau­er mit dem da­vor ste­hen­den Zwin­ger und Stadt­gra­ben­an­teil ver­mes­sen und an An­lie­ger und In­ter­es­sen­ten ver­kauft. In der Fol­ge ent­stan­den hier Ne­ben­ge­bäu­de (vor al­lem von Braue­rei­en) und Vor­gär­ten. Nach dem gro­ßen Stadt­brand 1822, bei dem auch die Stadt­to­re in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wur­den, ver­zich­te­te man auf ei­ne Re­pa­ra­tur und ent­fern­te die­se nach und nach. 1853 wur­de das Obe­re Tor als letz­tes ab­ge­ris­sen.

Frü­he Fo­tos aus der Zeit der Wen­de zum 20. Jahr­hun­dert zei­gen, dass auf dem Luit­pold­platz (seit 1901 so be­nannt) vor­nehm­lich der grob ge­pflas­ter­te „Plat­z“ wirk­te. Der Be­lag war von der Mit­te nach au­ßen hin we­gen des Ab­lau­fes von Re­gen­was­ser ge­neigt, Fahr­bah­nen auf der lin­ken und rech­ten Sei­te sind zu er­ken­nen, die Mit­te und die Au­ßen­sei­ten ne­ben den Bür­ger­stei­gen sind dunk­ler ge­pflas­tert und wahr­schein­lich als Stand­plät­ze für Fier­an­ten kennt­lich ge­macht wor­den. Auf den bei­den Fo­tos von 1901 sind zu­dem zwei Stra­ßen­la­ter­nen in der Mit­te des Plat­zes und ne­ben dem Ma­ri­en­brun­nen zu er­ken­nen.

3. Die Brunnen

Der Luitpoldbrunnen um 1901

Zwei Brun­nen, der Ma­ri­en­brun­nen nörd­lich der Grab­kir­che und ein sehr klei­ner Rat­haus­brun­nen wa­ren auf dem Luit­pold­platz vor­han­den. Die Brun­nen dien­ten der öf­fent­li­chen Trink­was­ser­ver­sor­gung, so­fern die Be­woh­ner über kei­ne ei­ge­nen Haus­brun­nen ver­füg­ten. Der drit­te und wahr­schein­lich der äl­tes­te öf­fent­li­che Brun­nen ist der Gna­den­brun­nen, der auf dem heu­ti­gen Mi­cha­el-Fi­scher-Platz steht. Im Ge­gen­satz zu den bei­den am Luit­pold­platz ste­hen­den, war der Gna­den­brun­nen ein Tief­brun­nen, aus dem bis 1930 Was­ser mit ei­nem an ei­nem Seil be­fes­tig­ten Ei­mer ge­schöpft wer­den konn­te. Da­mals wur­de die „Ma­ter do­lo­ro­sa“, die über zwei Jahr­hun­der­te die­sen Brun­nen be­krön­te durch ei­ne von Bild­haue­rin Ro­se von Ran­son ge­schaf­fe­ne Nach­bil­dung er­setzt. Bei die­ser Über­ar­bei­tung ent­fern­te man die Zieh­vor­rich­tung deck­te man den bis­her of­fe­nen Brun­nen mit von Kup­fer­blech be­schla­ge­nem Holz ab. 1968 wur­de das Brun­nen­be­cken mit Er­de auf­ge­füllt und mit Blu­men be­pflanzt. Aus al­ten Stadt­rech­nun­gen geht her­vor, dass 1717 der Ma­ler Phil­ipp Ne­ri Mil­ler die­se Zier­fi­gu­ren „mit gut­ter Öhl Far­be auf Mär­bel­stein Ar­t“ ge­fasst hat und da­für mit 21 Gul­den ent­lohnt wur­de.

Auf dem Luit­pold­platz ste­hen min­des­tens seit Mit­te des 16. Jahr­hun­derts der Ma­ri­en­brun­nen und Korb­brun­nen vor dem Rat­haus. Der Rat­haus­brun­nen ist ver­mut­lich mit der Er­rich­tung des re­prä­sen­ta­ti­ven Süd­baus im Jah­re 1535 ent­stan­den. 1556 wird im Stadt­rats­pro­to­koll über die Ver­un­rei­ni­gung der Stadt­brun­nen durch das Ein­wa­schen der Wä­sche ge­klagt. Die­se Kla­gen zie­hen sich durch die Jahr­hun­der­te, was schlie­ß­lich die Ver­git­te­rung der Brun­nen zur Fol­ge hat­te. 1599 scheint der Brun­nen um­ge­stal­tet wor­den zu sein. In die­sem Jahr wur­de die Holz­röh­ren­was­ser­lei­tung vom Star­zen­bach in der Stadt-Au her er­neu­ert. Die Brun­nen­fi­gur, ein „pu­del­haf­ter Lö­we“, die heu­te noch im Stadt­mu­se­um auf­be­wahrt ist trägt die Jah­res­zahl 1599. Bis 1886 ver­rich­te­te die­ser Spring­brun­nen sei­nen Dienst. Die neue Druck-Was­ser­lei­tung war aber für die­sen Brun­nen un­ge­eig­net, so dass man ihn nach zwei Jah­ren oh­ne Was­ser ent­fern­te. Ein Jahr spä­ter wur­de ein klei­ner Spring­brun­nen an die­se Stel­le ge­setzt – die Kos­ten für ei­nen ge­plan­ten Mo­nu­men­talbrun­nen scheu­te der Stadt­ma­gis­trat. Im Mai 1892 pflanz­te man um den Spring­brun­nen vier Lin­den, und spä­ter brach­te man um den Brun­nen ei­ne Git­ter­ein­fas­sung an – die Ver­un­rei­ni­gun­gen.

Prinz Alfons von Bayern bei der Enthüllung des Deggendorfer Luitpoldbrunnens 1906

1906 ent­stand ein Mo­nu­men­talbrun­nen der so­wohl an „die glor­rei­chen Jah­re von 1870/71“ er­in­nern soll­te als auch an die se­gens­rei­che Re­gie­rung des Prinz­re­gen­ten Luit­pold von Bay­ern. Nach die­sem Re­gen­ten wur­de 1901 be­reits der Markt­platz be­nannt. Der Ent­wurf des Münch­ner Aka­de­mie­pro­fes­sors Ru­dolf Seitz setz­te sich da­bei durch, die Aus­füh­rung war dem Münch­ner Bild­hau­er Max Heil­mei­er über­las­sen. Sei­ne kö­nig­li­che Ho­heit Prinz Al­fons ent­hüll­te die­sen Brun­nen am 13. Ok­to­ber 1906. Doch die­sem Mo­nu­men­talbrun­nen war wie sei­nem Vor­gän­ger kein lan­ges Da­sein be­schie­den. 1940 war er den da­ma­li­gen zahl­rei­chen Auf­mär­schen hin­der­lich und sein Ab­bruch wur­de be­schlos­sen und aus­ge­führt.

1967 wur­de kurz­zei­tig ein „mo­der­ner“ Brun­nen auf­ge­stellt, der je­doch die Be­völ­ke­rung ge­wal­tig po­la­ri­sier­te, schlie­ß­lich de­mo­liert wur­de und in der Fol­ge ent­fernt wer­den muss­te. Nur vom 16. Au­gust bis zum 25. Sep­tem­ber 1967 spru­del­te der Brun­nen von An­dre­as Sobeck dort, be­vor aus der Brun­nen­scha­le ein Blu­men­beet wur­de und schlie­ß­lich doch noch drei Dü­sen ein­ge­baut wur­den, die das Was­ser noch heu­te in der Be­ton­scha­le plät­schern las­sen. Kei­ne Zier­de zwar, aber Vol­kes Wil­le.

Marienbrunnen ca. 1928 (Stadtarchiv Deggendorf)

Der Ma­ri­en­brun­nen ist 1543 erst­mals ur­kund­lich be­legt. Da­mals stand dort ein acht­sei­ti­ges Bas­sin und die ba­lus­ter­för­mi­ge Mit­tel­säu­le muss­te nach al­tem Mus­ter er­neu­ert wer­den. Der Brun­nen war oft re­pa­ra­tur­be­dürf­tig, da er un­dicht war. Man ver­such­te die Fu­gen mit Mör­tel, Blei und Pech aus­zu­gie­ßen. Ein­mal ver­such­te so­gar ein wel­scher Mau­rer­meis­ter auf der Durch­rei­se den Brun­nen zu re­pa­rie­ren, ein­mal zwei Salz­bur­ger Stein­met­zen. Die Ma­don­na mit dem Kin­de dürf­te um die Mit­te des 17. Jahr­hun­derts ent­stan­den sein. Kurz nach 1670 wur­de die Mut­ter­got­tes neu ver­gol­det. Ei­ne neue Brun­nen­ein­fas­sung und ei­ne gründ­li­che Er­neue­rung an die­sem Brun­nen wur­de 1843 vor­ge­nom­men. Seit 1850 ist der Brun­nen mit ei­nem schmie­de­ei­senem Git­ter ver­se­hen ge­we­sen, um das Wä­sche­wa­schen dar­in zu un­ter­bin­den, wie auch an­de­ren Ver­un­rei­ni­gun­gen und spie­len­den Kin­dern ent­ge­gen­zu­tre­ten. Auf Ver­an­las­sung von Ma­ler­meis­ter Hans Au­gus­tin wur­de das Git­ter 1949 wie­der ent­fernt.

Der Brun­nen wur­de am 30. März 1966 ab­ge­bro­chen. Es ent­stand ein neu­es Brun­nen­be­cken, das die acht­ecki­ge Form des his­to­ri­schen Brun­nens wie­der­hol­te. Auch der Stand­ort wur­de ge­ring­fü­gig ver­än­dert. Die Säu­le und die Brun­nen­fi­gur blie­ben je­doch be­ste­hen. Die Ori­gi­nal-Ma­don­na wur­de 1983 ent­fernt und in das Stadt­mu­se­um Deg­gen­dorf ver­bracht. Statt­des­sen steht seit 1986 auf der Säu­le ei­ne Ko­pie, die je­doch nicht mehr ver­gol­det ist, son­dern dem an­geb­li­chen Ur­zu­stand ent­spricht.

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