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Frühgeschichte bis zur Stadtgründung

Die Do­nau bil­de­te zu kei­ner Zeit ei­ne un­über­wind­ba­re Gren­ze. Be­reits seit der Jung­stein­zeit wur­de der Raum zwi­schen der Do­nau und dem An­stieg zum Baye­ri­schen Wald im­mer wie­der zu Sied­lungs­zwe­cken ge­nutzt, ein Vor­gang, der nur mit der dich­ten Be­sied­lung süd­lich der Do­nau in Zu­sam­men­hang zu brin­gen ist.

Be­son­ders bei Deg­gen­dorf bot der Fluss güns­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Über­gang. Durch die Ab­la­ge­rung von Isar­kies ent­stand in der Do­nau ei­ne na­tür­lich Bar­rie­re, die ih­re Flie­ß­ge­schwin­dig­keit her­ab­setz­te, sie an­stau­te und auf das Dop­pel­te ver­brei­ter­te. Die Do­nau wur­de da­mit aber auch seich­ter und er­mög­lich­te bei nied­ri­gem Was­ser­stand ei­ne Über­que­rung durch ei­ne Furt. Mög­li­cher­wei­se bie­ten die Fun­de aus dem bron­ze­zeit­li­chen Grä­ber­feld von Fi­scher­dorf (1500 bis 1200 v. Chr.) da­für ei­nen ers­ten Be­leg. Die dort auf­ge­fun­de­nen Gold­ge­gen­stän­de ver­wei­sen näm­lich auf Ver­bin­dun­gen nach Böh­men. Was lä­ge nä­her als den Weg dort­hin in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zu su­chen.

Auf je­den Fall aber er­kann­ten die Kel­ten im 2./1. Jahr­hun­dert v. Chr. den be­que­men Fluss­über­gang. Ein kel­ti­sches Ring­knauf­mes­ser, beim Bau der neu­en Ma­xi­mi­li­ans­brü­cke 1998 auf der Fluss­soh­le ge­fun­den, aber auch die gleich­zei­ti­ge Nie­der­las­sung auf dem Ab­satz zum Gei­ers­berg, von wo aus so­wohl Fluss­über­gang, als auch der Weg in den Baye­ri­schen Wald und wei­ter nach Böh­men über­wacht wer­den konn­ten, le­gen da­für Zeug­nis ab.

Auch die früh­mit­tel­al­ter­li­che Be­sied­lung be­schränk­te sich nicht nur auf die frucht­ba­re und sied­lungs­freund­li­che Ebe­ne süd­lich der Do­nau, son­dern sie nutz­te eben­falls die Ge­bie­te nörd­lich der Do­nau als Sied­lungs­raum. Auf bei­den Fluss­sei­ten voll­zog sich die Land­nah­me durch die Ba­ju­wa­ren, ei­nem im 5. und 6. Jahr­hun­dert ent­stan­de­nen ger­ma­ni­schen Stam­mes­ge­bil­de, nach den bis­he­ri­gen ar­chäo­lo­gi­schen Er­kennt­nis­sen zur Haupt­sa­che erst im Lau­fe des 7. Jahr­hun­derts. Im wei­te­ren Um­griff von Deg­gen­dorf be­zeu­gen dies die Grä­ber von Deg­ge­nau/Stein­rie­sel und Schwar­zach bei Hen­gers­berg. Lan­ge Zeit gal­ten die Stein­rie­seler Grä­ber und ein da­mit in Ver­bin­dung ge­brach­ter fik­ti­ver „Hof des Tek­ko“ als Ur­zel­le Deg­gen­dorfs. Letzt­end­lich be­le­gen sie aber nur die Exis­tenz ei­nes Ho­fes oder klei­nen Or­tes im Tal­kes­sel der Deg­ge­nau, der zu weit von Deg­gen­dorf ent­fernt ist um da­mit et­was zu tun zu ha­ben.

Durch die Aus­gra­bun­gen der Stadt­ar­chäo­lo­gie in und rund um die Scha­chin­ger Kir­che wis­sen wir heu­te, dass auch die­ser ex­po­nier­te Platz, der sich auf ei­ner Schwemms­and­in­sel au­ßer­halb der Hoch­was­ser­zo­ne des Bo­gen­ba­ches be­fand, sehr früh be­sie­delt wur­de. Durch die auf­fal­len­de, und sich von spä­te­rer Ke­ra­mik deut­lich ab­set­zen­de Gold­glim­mer­wa­re mit ih­ren Wel­len­li­ni­en, Wel­len­bän­dern und Wel­len­bün­deln, vor al­lem aber durch ein Grab mit Mes­ser­bei­ga­be, kann der Be­ginn die­ser An­sied­lung noch ins 8. Jahr­hun­dert da­tiert wer­den. Al­lein durch die­se zeit­li­che Ein­ord­nung wird ein Be­zug zum Klos­ter Met­ten her­ge­stellt und es ist mei­ner An­sicht nach –und da­mit durch­aus in Ein­klang mit Pa­ter Wil­helm Fink – sehr wahr­schein­lich, dass „Scha­chin­g“ zu da­ma­li­ger Zeit die Ost­gren­ze des Met­tener Ge­bie­tes mar­kier­te. Mit der Ent­ste­hung Deg­gen­dorfs hat­te Scha­ching nichts zu tun, denn der Bo­gen­bach zieht ei­ne kla­re Gren­ze, die ers­te durch die Ein­ge­mein­dung Scha­chings auf­ge­ho­ben wur­de.

Noch im­mer ist der Be­reich der heu­ti­gen Deg­gen­dor­fer Alt­stadt aber auch das Ge­biet süd­lich da­von oh­ne Spu­ren mensch­li­cher Hin­ter­las­sen­schaft. Auf kei­nem der bis­he­ri­gen Gra­bungs­plät­ze in oder süd­lich der Alt­stadt (Veil­chen­gas­se, La­tein­schul­gas­se, Spi­tal­bo­gen, Spi­tal­gar­ten, Os­wald­ka­pel­le, Ro­sen­hof, Hen­gers­ber­ger Stra­ße 1, Stadt­pfarr­kir­che) fan­den sich Spu­ren, die – von der kel­ti­schen An­sied­lung ein­mal ab­ge­se­hen - auf ei­ne Be­sied­lung vor der ers­ten Jahr­tau­send­wen­de hin­deu­ten wür­den.

Die Aus­gra­bun­gen in der Stadt­pfarr­kir­che durch die Kreis­ar­chäo­lo­gie Deg­gen­dorf zu Be­ginn der 80-er Jah­re be­leg­te meh­re­re Vor­gän­ger­bau­ten. Ei­nen zeit­li­chen An­halts­punkt gibt es erst für die drit­te Bau­pe­ri­ode, denn zu ihr ge­hör­te das be­kann­te, jetzt im Stadt­mu­se­um auf­ge­stell­te Tym­panon, das in die Mit­te des 13. Jahr­hun­derts da­tiert. Da auch je­der der bei­den äl­te­ren Bau­ten ei­ne zeit­lang ge­stan­den ha­ben dürf­ten - Karl Schmotz rech­net grob mit je ei­nem Jahr­hun­dert - kommt man für den ers­ten Bau, ei­ne schlich­te ein­schif­fi­ge Kir­che mit halb­run­der Ap­sis von im­mer­hin 25,5 m Län­ge und 7,5 m Brei­te pro­blem­los min­des­tens ins 11. Jahr­hun­dert zu­rück. Ei­ne ge­wis­se, wenn auch mit äu­ßers­ter Vor­sicht zu hand­ha­ben­de Be­stä­ti­gung brin­gen zwei Scher­ben die auf Grund ih­rer Form und Mach­art wohl dem aus­ge­hen­den 10. oder 11. Jahr­hun­dert zu­zu­ord­nen sind. So­mit kön­nen die ar­chäo­lo­gisch ge­won­ne­nen Fak­ten in ei­nen et­wai­gen zeit­li­chen Ein­klang mit der Erst­erwäh­nung Deg­gen­dorfs im Jah­re 1002 ge­bracht wer­den.

Die Stadt­pfarr­kir­che be­fin­det sich auf eben je­nem ex­po­nier­ten Platz, von dem aus so­wohl der Do­nau­über­gang als auch der Weg nach Nor­den ein­seh­bar und der be­reits von kel­ti­schen Sied­lern im 2./1. vor­christ­li­chen Jahr­hun­dert pla­niert und ge­nutzt wor­den war. Durch die bis zur Sä­ku­la­ri­sa­ti­on im Be­sitz von Nie­der­müns­ter be­find­li­che Props­tei samt Pfarr­kir­che kann die­ser Platz mit dem „Degg­in­dor­f“ in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den, das Ju­dith einst den Klos­ter Nie­der­müns­ter in Re­gens­burg ge­schenkt hat­te.

Die frü­hes­ten Be­sied­lungs­spu­ren in­ner­halb der Alt­stadt sind schlie­ß­lich noch jün­ger. Bei den Aus­gra­bun­gen auf dem Ses­sels­ber­ger- und dem Kar­stadt-Park­platz fand sich in den un­ters­ten Kul­tur­schich­ten Ke­ra­mik viel­leicht schon des 11., si­cher aber des 12. und be­gin­nen­den 13. Jahr­hun­derts. Die­se Ke­ra­mik, die im­mer noch bau­chi­ge For­men und Gold­glim­mer­ma­ge­rung auf­weist, sich aber vor al­lem durch die ein­fa­chen Kra­gen- oder Leis­ten­rän­der und das Feh­len von Wel­len­band­ver­zie­rung von der äl­te­ren Wa­re des aus­ge­hen­den ers­ten Jahr­tau­sends deut­lich ab­hebt, ist in­zwi­schen von der Pfleg­gas­se bis zum nörd­li­chen Stadt­gra­ben und zum Obe­ren Stadt­platz nach­ge­wie­sen. Lei­der feh­len Be­fun­de von Bau­wer­ken, sei­en es Fun­da­men­te, sei­en es Pfos­ten­lö­cher, völ­lig. Da­für konn­ten bis heu­te neun Töp­fer­ö­fen nach­ge­wie­sen wer­den. Ob sie al­ler­dings dem rei­nen Haus­fleiß oder frü­hen „ge­werb­li­chen“ Zwe­cken dien­ten, muss da­hin­ge­stellt blei­ben. Auf den Gra­bungs­plät­zen in den west­li­chen Stadt­tei­len fand sich die­se Ke­ra­mik nicht. Da bis­her Un­ter­su­chun­gen süd­lich der Pfleg­gas­se und nörd­lich des Stadt­gra­bens nicht mög­lich wa­ren, kann die ge­naue Aus­deh­nung die­ser An­sied­lung noch nicht fest­ge­legt wer­den.

Zwei Be­fun­de ge­ben Aus­kunft über das Ver­hält­nis die­ser Sied­lung zur um­wehr­ten mit­tel­al­ter­li­chen Stadt. Auf dem Grund­stück Obe­rer Stadt­platz 20 fand sich ein Brun­nen, der teil­wei­se un­ter der spä­te­ren Stadt­mau­er lag, so­mit al­so be­reits vor die­ser exis­tier­te. Auf dem „Kar­stadt-Park­plat­z“ über­schnitt die Stadt­mau­er ei­nen äl­te­ren Brenn­ofen. Da­mit liegt hier ei­ne nur ar­chäo­lo­gisch nach­weis­ba­re Sied­lung aus dem 12. und be­gin­nen­den 13. Jahr­hun­dert vor, über der man spä­ter die Stadt­be­fes­ti­gung er­rich­te­te. Erst die Ke­ra­mik des spä­ten 13. und des 14. Jahr­hun­derts ist über die wei­te­ren Tei­le der Alt­stadt hin ver­brei­tet. Dar­aus ist zu schlie­ßen, dass die ei­gent­li­che Stadt mit ih­rer Um­weh­rung wie auch bis­her an­ge­nom­men erst um die Mit­te des 13. Jahr­hun­derts ent­stan­den sein kann. Da nicht ei­ne äl­te­re Sied­lung be­fes­tigt wur­de, son­dern die neue Stadt­mau­er das Are­al der Vor­gän­ger­sied­lung ein­deu­tig über­la­gert, ist am ehes­ten von ei­ner sys­te­ma­ti­schen Neu­grün­dung aus­zu­ge­hen, auch wenn dies aus den schrift­li­chen Quel­len so nicht her­vor­geht.

Die Stadt Deg­gen­dorf er­leb­te al­so kei­ne kon­ti­nu­ier­li­che Ent­wick­lung seit dem frü­hen Mit­tel­al­ter. Zwar wur­de die Nord­sei­te der Do­nau schon seit dem 7. Jahr­hun­dert in Be­schlag ge­nom­men, doch erst um 1000 ent­stand das nie­der­müns­te­ri­sche Deg­gen­dorf und wahr­schein­lich noch ein gu­tes Jahr­hun­dert spä­ter die Sied­lung zwi­schen Pfleg­gas­se und nörd­li­chem Stadt­gra­ben. Sie wur­de schlie­ß­lich um 1250 ab­ge­löst durch die mau­er­um­wehr­te Stadt des Spät­mit­tel­al­ters. So weit die ar­chäo­lo­gi­schen Fak­ten.

Nicht weg­zu­dis­ku­tie­ren ist die in den schrift­li­chen Quel­len des 15. Jahr­hun­derts er­wähn­te „Al­ten­stadt“ im Be­reich der heu­ti­gen Kreu­zung Graf­lin­ger Stra­ße/Ru­sel­stra­ße. Ar­chäo­lo­gisch ist sie man­gels Aus­gra­bun­gen bis­her nicht be­stä­tigt.

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