docteur a essays 622hannah lou illustration essayessay about soccer fields
past ielts essays samplegran torino review essaysquoridor opening strategy essay
sociocultural perspective essay formatgriesemer analysis essayjfk grassy knoll essay

Frühgeschichte bis zur Stadtgründung

Die Do­nau bil­de­te zu kei­ner Zeit ei­ne un­über­wind­ba­re Gren­ze. Be­reits seit der Jung­stein­zeit wur­de der Raum zwi­schen der Do­nau und dem An­stieg zum Baye­ri­schen Wald im­mer wie­der zu Sied­lungs­zwe­cken ge­nutzt, ein Vor­gang, der nur mit der dich­ten Be­sied­lung süd­lich der Do­nau in Zu­sam­men­hang zu brin­gen ist.

Be­son­ders bei Deg­gen­dorf bot der Fluss güns­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Über­gang. Durch die Ab­la­ge­rung von Isar­kies ent­stand in der Do­nau ei­ne na­tür­lich Bar­rie­re, die ih­re Flie­ß­ge­schwin­dig­keit her­ab­setz­te, sie an­stau­te und auf das Dop­pel­te ver­brei­ter­te. Die Do­nau wur­de da­mit aber auch seich­ter und er­mög­lich­te bei nied­ri­gem Was­ser­stand ei­ne Über­que­rung durch ei­ne Furt. Mög­li­cher­wei­se bie­ten die Fun­de aus dem bron­ze­zeit­li­chen Grä­ber­feld von Fi­scher­dorf (1500 bis 1200 v. Chr.) da­für ei­nen ers­ten Be­leg. Die dort auf­ge­fun­de­nen Gold­ge­gen­stän­de ver­wei­sen näm­lich auf Ver­bin­dun­gen nach Böh­men. Was lä­ge nä­her als den Weg dort­hin in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zu su­chen.

Auf je­den Fall aber er­kann­ten die Kel­ten im 2./1. Jahr­hun­dert v. Chr. den be­que­men Fluss­über­gang. Ein kel­ti­sches Ring­knauf­mes­ser, beim Bau der neu­en Ma­xi­mi­li­ans­brü­cke 1998 auf der Fluss­soh­le ge­fun­den, aber auch die gleich­zei­ti­ge Nie­der­las­sung auf dem Ab­satz zum Gei­ers­berg, von wo aus so­wohl Fluss­über­gang, als auch der Weg in den Baye­ri­schen Wald und wei­ter nach Böh­men über­wacht wer­den konn­ten, le­gen da­für Zeug­nis ab.

Auch die früh­mit­tel­al­ter­li­che Be­sied­lung be­schränk­te sich nicht nur auf die frucht­ba­re und sied­lungs­freund­li­che Ebe­ne süd­lich der Do­nau, son­dern sie nutz­te eben­falls die Ge­bie­te nörd­lich der Do­nau als Sied­lungs­raum. Auf bei­den Fluss­sei­ten voll­zog sich die Land­nah­me durch die Ba­ju­wa­ren, ei­nem im 5. und 6. Jahr­hun­dert ent­stan­de­nen ger­ma­ni­schen Stam­mes­ge­bil­de, nach den bis­he­ri­gen ar­chäo­lo­gi­schen Er­kennt­nis­sen zur Haupt­sa­che erst im Lau­fe des 7. Jahr­hun­derts. Im wei­te­ren Um­griff von Deg­gen­dorf be­zeu­gen dies die Grä­ber von Deg­ge­nau/Stein­rie­sel und Schwar­zach bei Hen­gers­berg. Lan­ge Zeit gal­ten die Stein­rie­seler Grä­ber und ein da­mit in Ver­bin­dung ge­brach­ter fik­ti­ver „Hof des Tek­ko“ als Ur­zel­le Deg­gen­dorfs. Letzt­end­lich be­le­gen sie aber nur die Exis­tenz ei­nes Ho­fes oder klei­nen Or­tes im Tal­kes­sel der Deg­ge­nau, der zu weit von Deg­gen­dorf ent­fernt ist um da­mit et­was zu tun zu ha­ben.

Durch die Aus­gra­bun­gen der Stadt­ar­chäo­lo­gie in und rund um die Scha­chin­ger Kir­che wis­sen wir heu­te, dass auch die­ser ex­po­nier­te Platz, der sich auf ei­ner Schwemms­and­in­sel au­ßer­halb der Hoch­was­ser­zo­ne des Bo­gen­ba­ches be­fand, sehr früh be­sie­delt wur­de. Durch die auf­fal­len­de, und sich von spä­te­rer Ke­ra­mik deut­lich ab­set­zen­de Gold­glim­mer­wa­re mit ih­ren Wel­len­li­ni­en, Wel­len­bän­dern und Wel­len­bün­deln, vor al­lem aber durch ein Grab mit Mes­ser­bei­ga­be, kann der Be­ginn die­ser An­sied­lung noch ins 8. Jahr­hun­dert da­tiert wer­den. Al­lein durch die­se zeit­li­che Ein­ord­nung wird ein Be­zug zum Klos­ter Met­ten her­ge­stellt und es ist mei­ner An­sicht nach –und da­mit durch­aus in Ein­klang mit Pa­ter Wil­helm Fink – sehr wahr­schein­lich, dass „Scha­chin­g“ zu da­ma­li­ger Zeit die Ost­gren­ze des Met­tener Ge­bie­tes mar­kier­te. Mit der Ent­ste­hung Deg­gen­dorfs hat­te Scha­ching nichts zu tun, denn der Bo­gen­bach zieht ei­ne kla­re Gren­ze, die ers­te durch die Ein­ge­mein­dung Scha­chings auf­ge­ho­ben wur­de.

Noch im­mer ist der Be­reich der heu­ti­gen Deg­gen­dor­fer Alt­stadt aber auch das Ge­biet süd­lich da­von oh­ne Spu­ren mensch­li­cher Hin­ter­las­sen­schaft. Auf kei­nem der bis­he­ri­gen Gra­bungs­plät­ze in oder süd­lich der Alt­stadt (Veil­chen­gas­se, La­tein­schul­gas­se, Spi­tal­bo­gen, Spi­tal­gar­ten, Os­wald­ka­pel­le, Ro­sen­hof, Hen­gers­ber­ger Stra­ße 1, Stadt­pfarr­kir­che) fan­den sich Spu­ren, die – von der kel­ti­schen An­sied­lung ein­mal ab­ge­se­hen - auf ei­ne Be­sied­lung vor der ers­ten Jahr­tau­send­wen­de hin­deu­ten wür­den.

Die Aus­gra­bun­gen in der Stadt­pfarr­kir­che durch die Kreis­ar­chäo­lo­gie Deg­gen­dorf zu Be­ginn der 80-er Jah­re be­leg­te meh­re­re Vor­gän­ger­bau­ten. Ei­nen zeit­li­chen An­halts­punkt gibt es erst für die drit­te Bau­pe­ri­ode, denn zu ihr ge­hör­te das be­kann­te, jetzt im Stadt­mu­se­um auf­ge­stell­te Tym­panon, das in die Mit­te des 13. Jahr­hun­derts da­tiert. Da auch je­der der bei­den äl­te­ren Bau­ten ei­ne zeit­lang ge­stan­den ha­ben dürf­ten - Karl Schmotz rech­net grob mit je ei­nem Jahr­hun­dert - kommt man für den ers­ten Bau, ei­ne schlich­te ein­schif­fi­ge Kir­che mit halb­run­der Ap­sis von im­mer­hin 25,5 m Län­ge und 7,5 m Brei­te pro­blem­los min­des­tens ins 11. Jahr­hun­dert zu­rück. Ei­ne ge­wis­se, wenn auch mit äu­ßers­ter Vor­sicht zu hand­ha­ben­de Be­stä­ti­gung brin­gen zwei Scher­ben die auf Grund ih­rer Form und Mach­art wohl dem aus­ge­hen­den 10. oder 11. Jahr­hun­dert zu­zu­ord­nen sind. So­mit kön­nen die ar­chäo­lo­gisch ge­won­ne­nen Fak­ten in ei­nen et­wai­gen zeit­li­chen Ein­klang mit der Erst­erwäh­nung Deg­gen­dorfs im Jah­re 1002 ge­bracht wer­den.

Die Stadt­pfarr­kir­che be­fin­det sich auf eben je­nem ex­po­nier­ten Platz, von dem aus so­wohl der Do­nau­über­gang als auch der Weg nach Nor­den ein­seh­bar und der be­reits von kel­ti­schen Sied­lern im 2./1. vor­christ­li­chen Jahr­hun­dert pla­niert und ge­nutzt wor­den war. Durch die bis zur Sä­ku­la­ri­sa­ti­on im Be­sitz von Nie­der­müns­ter be­find­li­che Props­tei samt Pfarr­kir­che kann die­ser Platz mit dem „Degg­in­dor­f“ in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den, das Ju­dith einst den Klos­ter Nie­der­müns­ter in Re­gens­burg ge­schenkt hat­te.

Die frü­hes­ten Be­sied­lungs­spu­ren in­ner­halb der Alt­stadt sind schlie­ß­lich noch jün­ger. Bei den Aus­gra­bun­gen auf dem Ses­sels­ber­ger- und dem Kar­stadt-Park­platz fand sich in den un­ters­ten Kul­tur­schich­ten Ke­ra­mik viel­leicht schon des 11., si­cher aber des 12. und be­gin­nen­den 13. Jahr­hun­derts. Die­se Ke­ra­mik, die im­mer noch bau­chi­ge For­men und Gold­glim­mer­ma­ge­rung auf­weist, sich aber vor al­lem durch die ein­fa­chen Kra­gen- oder Leis­ten­rän­der und das Feh­len von Wel­len­band­ver­zie­rung von der äl­te­ren Wa­re des aus­ge­hen­den ers­ten Jahr­tau­sends deut­lich ab­hebt, ist in­zwi­schen von der Pfleg­gas­se bis zum nörd­li­chen Stadt­gra­ben und zum Obe­ren Stadt­platz nach­ge­wie­sen. Lei­der feh­len Be­fun­de von Bau­wer­ken, sei­en es Fun­da­men­te, sei­en es Pfos­ten­lö­cher, völ­lig. Da­für konn­ten bis heu­te neun Töp­fer­ö­fen nach­ge­wie­sen wer­den. Ob sie al­ler­dings dem rei­nen Haus­fleiß oder frü­hen „ge­werb­li­chen“ Zwe­cken dien­ten, muss da­hin­ge­stellt blei­ben. Auf den Gra­bungs­plät­zen in den west­li­chen Stadt­tei­len fand sich die­se Ke­ra­mik nicht. Da bis­her Un­ter­su­chun­gen süd­lich der Pfleg­gas­se und nörd­lich des Stadt­gra­bens nicht mög­lich wa­ren, kann die ge­naue Aus­deh­nung die­ser An­sied­lung noch nicht fest­ge­legt wer­den.

Zwei Be­fun­de ge­ben Aus­kunft über das Ver­hält­nis die­ser Sied­lung zur um­wehr­ten mit­tel­al­ter­li­chen Stadt. Auf dem Grund­stück Obe­rer Stadt­platz 20 fand sich ein Brun­nen, der teil­wei­se un­ter der spä­te­ren Stadt­mau­er lag, so­mit al­so be­reits vor die­ser exis­tier­te. Auf dem „Kar­stadt-Park­plat­z“ über­schnitt die Stadt­mau­er ei­nen äl­te­ren Brenn­ofen. Da­mit liegt hier ei­ne nur ar­chäo­lo­gisch nach­weis­ba­re Sied­lung aus dem 12. und be­gin­nen­den 13. Jahr­hun­dert vor, über der man spä­ter die Stadt­be­fes­ti­gung er­rich­te­te. Erst die Ke­ra­mik des spä­ten 13. und des 14. Jahr­hun­derts ist über die wei­te­ren Tei­le der Alt­stadt hin ver­brei­tet. Dar­aus ist zu schlie­ßen, dass die ei­gent­li­che Stadt mit ih­rer Um­weh­rung wie auch bis­her an­ge­nom­men erst um die Mit­te des 13. Jahr­hun­derts ent­stan­den sein kann. Da nicht ei­ne äl­te­re Sied­lung be­fes­tigt wur­de, son­dern die neue Stadt­mau­er das Are­al der Vor­gän­ger­sied­lung ein­deu­tig über­la­gert, ist am ehes­ten von ei­ner sys­te­ma­ti­schen Neu­grün­dung aus­zu­ge­hen, auch wenn dies aus den schrift­li­chen Quel­len so nicht her­vor­geht.

Die Stadt Deg­gen­dorf er­leb­te al­so kei­ne kon­ti­nu­ier­li­che Ent­wick­lung seit dem frü­hen Mit­tel­al­ter. Zwar wur­de die Nord­sei­te der Do­nau schon seit dem 7. Jahr­hun­dert in Be­schlag ge­nom­men, doch erst um 1000 ent­stand das nie­der­müns­te­ri­sche Deg­gen­dorf und wahr­schein­lich noch ein gu­tes Jahr­hun­dert spä­ter die Sied­lung zwi­schen Pfleg­gas­se und nörd­li­chem Stadt­gra­ben. Sie wur­de schlie­ß­lich um 1250 ab­ge­löst durch die mau­er­um­wehr­te Stadt des Spät­mit­tel­al­ters. So weit die ar­chäo­lo­gi­schen Fak­ten.

Nicht weg­zu­dis­ku­tie­ren ist die in den schrift­li­chen Quel­len des 15. Jahr­hun­derts er­wähn­te „Al­ten­stadt“ im Be­reich der heu­ti­gen Kreu­zung Graf­lin­ger Stra­ße/Ru­sel­stra­ße. Ar­chäo­lo­gisch ist sie man­gels Aus­gra­bun­gen bis­her nicht be­stä­tigt.

Stadtarchiv

Erich Kandler
Franz-Josef-Strauß-Str. 5
94469 Deggendorf

Tel: 0991 2960-580
Fax: 0991 2960-199

Stadtarchäologie

Franz-Josef-Strauß-Str. 5
94469 Deggendorf

Tel: 0991 2960-590
Fax: 0991 2960-199