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Handwerk

Durch die Steu­er­bü­cher, die bis ins Jahr 1559 zu­rück­rei­chen, sind Hand­werk und Ge­wer­be in­ner­halb der Stadt Deg­gen­dorf ge­nau­es­tens do­ku­men­tiert. Die Vor­aus­set­zun­gen, durch die Ar­chäo­lo­gie wei­ter­ge­hen­de Auf­schlüs­se zu er­hal­ten, sind ob­jek­tiv ge­ring. Die Ver­gäng­lich­keit or­ga­ni­scher Ma­te­ria­li­en schränkt nach­weis­ba­re Pro­duk­ti­ons­be­trie­be von vor­ne her­ein ein, Pro­duk­te al­lein be­le­gen nicht gleich­zei­tig ei­ne Pro­duk­ti­on an Ort und Stel­le. Ei­nen si­che­ren Hin­weis lie­fern le­dig­lich Pro­duk­ti­ons­an­la­gen und aus­sa­ge­kräf­ti­ge Ab­fall­pro­duk­te.

Töpferhandwerk

In der oben be­schrie­be­nen vor­städ­ti­schen An­sied­lung zwi­schen der Pfleg­gas­se und dem nörd­li­chen Stadt­gra­ben konn­ten in­zwi­schen we­nigs­tens neun Ofen­an­la­gen auf­ge­deckt wer­den. Al­le wa­ren kreis­rund, hat­ten ei­nen Durch­mes­ser von gut ei­nem Me­ter und wa­ren in den Bo­den ein­ge­tieft, die Sei­ten­wän­de wa­ren ver­zie­gelt, der Bo­den mit ei­ner Holz­koh­le­schicht be­deckt, al­le Öfen be­sit­zen ei­ne Öff­nung nach Nord­os­ten. Bei acht von ih­nen fand sich kein di­rek­ter Hin­weis auf die Her­stel­lung von Töp­fer­wa­ren, man kann ihr Be­deu­tung al­ler­dings im Ver­gleich mit Be­fun­den von an­de­ren Or­ten, z.B. Obern­zell, durch­aus er­schlie­ßen. Bei der jüngs­ten Aus­gra­bung hin­ter der Pfleg­gas­se 17 schlie­ß­lich fand sich ein wäh­rend des Brenn­vor­gan­ges zu­sam­men­ge­stürz­ter Ofen, der die zer­scherb­te, wohl noch nicht ganz fer­tig­ge­brann­te Wa­re be­inhal­te­te. Es han­delt sich da­bei um ein Sor­ti­ment von min­des­tens 20 Ge­fä­ßen, bei de­nen die Töp­fe den grö­ß­ten An­teil ha­ben . Da­zu kom­men aber auch zwei Bü­gel­kan­nen und ei­ne klei­ne Hen­kel­tas­se. Dass nicht al­le Ge­fä­ße re­stau­riert wer­den konn­ten, liegt zum ei­nen dar­an, dass ein klei­ner Teil des Ofens be­reits durch ei­ne mo­der­ne Kel­ler­wand zer­stört wor­den war, zum an­de­ren hat­te sich die Wa­re teil­wei­se ver­zo­gen, so dass die ein­zel­nen Teil nicht mehr ex­akt auf­ein­an­der pas­sen. Es han­delt sich um gold­glim­mer­ge­ma­ger­te Ke­ra­mik, bau­chig aus­ge­formt mit weit­aus­la­den­den ein­fa­chen Kra­gen- oder Leis­ten­rän­dern, das Spek­trum wie es sich im gan­zen Be­reich der vor­städ­ti­schen An­sied­lung fin­det.

Ziegelei

Bei den Aus­gra­bun­gen in Scha­ching wur­de zwi­schen Kirch­hof und Ot­to-Denk-Stra­ße der Rest ei­ner - nach Aus­weis von Mün­zen und der auf­ge­fun­de­nen Ke­ra­mik - spät­mit­tel­al­ter­li­chen Zie­ge­lei auf­ge­deckt. Es han­delt sich um den in den Bo­den ein­ge­tief­ten bruch­stein­ge­mau­er­ten Vor­raum ei­ner Heiz­an­la­ge, von dem zwei ehe­dem über­wölb­te Heiz­ka­nä­le aus­gin­gen, die von drei aus gro­ßen Gra­nit­blö­cken er­rich­te­ten Mau­ern ein­ge­fasst bzw. un­ter­teilt wa­ren. Der ei­gent­li­che Brenn­raum fehl­te lei­der, er war schon durch ei­nen mo­der­nen, be­to­nier­ten Kel­ler zer­stört. Er­staun­lich ist aber auch die un­mit­tel­ba­re Nach­bar­schaft zwi­schen Zie­ge­lei und Kir­che (Brand­ge­fahr!). Da bei­de - die Kir­che zu­min­dest in ih­rer jet­zi­gen Ge­stalt - aus et­wa der glei­chen Zeit stam­men, ist viel­leicht an ei­nen ur­säch­li­chen Zu­sam­men­hang zu den­ken. Da das Mau­er­werk der Kir­che aus Bruch­stei­nen be­steht, könn­te der Brenn­ofen auch zum Bren­nen von Kalk und von Dach­zie­geln be­nutzt wor­den sein.

Dass Deg­gen­dorf seit spä­tes­tens der be­gin­nen­den Neu­zeit ein wich­ti­ger Zie­ge­lei­stand­ort war, geht aus den Rech­nun­gen der städ­ti­schen Zie­gel­hüt­te geht her­vor. Deg­gen­dor­fer Zie­gel wur­den vor al­lem in den Baye­ri­schen Wald ge­lie­fert, in der Rech­nung von 1668 z.B. er­scheint als nörd­lichs­ter Ab­satz­ort im­mer­hin Arn­dorf bei Kötzting, als öst­lichs­ter Hals bei Pas­sau, ers­te­rer über 40, der an­de­re über 50 km von Deg­gen­dorf ent­fernt. Die­se ur­kund­lich über­lie­fer­te Zie­ge­lei be­fand sich an der heu­ti­gen Kreu­zung Graf­lin­ger Stra­ße/Ru­sel­stra­ße, da­mit al­so auf Deg­gen­dor­fer Stadt­ge­biet, sie dürf­te al­so mit der Scha­chin­ger Zie­ge­lei nichts zu tun ge­ha­ben ha­ben. In­ter­es­sant ist aber, dass auch die Scha­chin­ger Zie­ge­lei noch bis vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten exis­tier­te und pro­du­zier­te, na­tür­lich nicht mehr mit der mit­tel­al­ter­li­chen Ofen­an­la­ge, son­dern mit für da­ma­li­ge Zei­ten mo­der­nen Brenn­öfen, die eben­falls an­satz­wei­se bei der Aus­gra­bung zum Vor­schein ka­men.

Paternoster- und Perlenmacher

Im Hau­se Hen­gers­ber­ger Stra­ße 1 fan­den sich so­ge­nann­te Pa­ter­nos­ter­rin­ge, klei­ne, aus Bein ge­drech­sel­te Rin­ge, die als Vor­gän­ger der Ro­sen­kranz­per­len an ei­ner Schnur auf­ge­reiht wa­ren. In un­ter­schied­li­cher Län­ge wur­den sie wäh­rend des Mit­tel­al­ters viel­leicht auch noch bis in die frü­he Neu­zeit hin­ein als Ge­bets­schnü­re ver­wen­det. Im glei­chen Zu­sam­men­hang fan­den sich auch die ent­spre­chen­den Ab­fäl­le, al­so Kno­chen­stü­cke mit run­den Aus­schnit­ten, zwei Kri­te­ri­en al­so, die mit Si­cher­heit auf die Werk­statt ei­nes Pa­ter­nos­ter­ma­chers hin­wei­sen. Da­tiert wird die­se Werk­statt durch ver­ge­sell­schaf­te­te Mün­zen - dar­un­ter ein Mai­län­der Gro­schen - in das 15. Jahr­hun­dert. Die La­ge am Auf­gang zu Kir­che und Fried­hof war für ei­nen Pa­ter­nos­ter­ma­cher ge­ra­de­zu ide­al. An­de­re auf­ge­fun­de­ne Kno­chen­stü­cke wei­sen dar­auf hin, dass hier auch Na­deln, Ah­len und An­gel­ha­ken her­ge­stellt wur­den.

Ein ganz ähn­li­cher Be­fund, wenn auch gleich in Tau­sen­den von Ex­em­pla­ren, in die­sem Fal­le Ab­fall­stü­cke und Halb­fa­bri­ka­te, er­schie­nen bei der klei­nen Aus­gra­bung im Hin­ter­hof der Pfleg­gas­se 11. Al­ler­dings wur­den hier nicht Pa­ter­nos­ter­rin­ge son­dern Ro­sen­kranz­per­len her­ge­stellt. Der Ab­fall die­ses Per­len­ma­chers fand sich über die gan­ze Gra­bungs­flä­che ver­streut und über meh­re­re Schich­ten ver­teilt. Da die­se je­doch nicht klar von­ein­an­der zu tren­nen wa­ren, dürf­te sich die Pro­duk­ti­on wahr­schein­lich auf das 17./18. Jahr­hun­dert be­schrän­ken. Die­ser Hand­wer­ker ist im Deg­gen­dor­fer Häu­ser­buch nicht ver­zeich­net und konn­te bis­her auch in den Steu­er­bü­chern nicht auf­ge­fun­den wer­den. Mög­li­cher­wei­se han­del­te es sich um ei­nen rei­nen Ne­ben­er­werb, der steu­er­lich nicht ding­fest zu ma­chen ist.

Gerber

Ein sehr in­ter­es­san­ter Be­fund stammt auch von der Stel­le, wo sich heu­te die Ab­fahrt zur Tief­ga­ra­ge Ro­sen­gas­se be­fin­det. In nur we­ni­gen Stun­den konn­ten dort zwi­schen den Bau­ma­schi­nen ei­ne gan­ze An­zahl von Horn­zap­fen ge­fun­den wer­den. Hör­ner sind in al­ler Re­gel Über­bleib­sel von Ger­be­rei­en, da die Fel­le samt den Hör­nern ab­ge­lie­fert wer­den. Nicht ganz aus­zu­schlie­ßen ist al­ler­dings ei­ne Horn­ma­nu­fak­tur, al­ler­dings fan­den sich da­zu kei­ne wei­te­ren Be­le­ge.

Metzgerhandwerk

In einer mehrere Meter tiefen Abfallgrube auf dem „Karstadt-Parkplatz“ fanden sich große Mengen an Tierknochen (Schwein, Rind). Nach den vergesellschafteten Scherben zu urteilen, sind sie wohl hauptsächlich dem 14. zuzuordnen. Mit Einsetzen der Steuerbücher im Jahre 1559 werden für dieses und die umgebenden Grundstücke Metzger als Besitzer genannt. Durch den archäologischen Befund, der für sich gesehen wohl nicht ausreichen würde, das Metzgerhandwerk nachzuweisen, kann es aber an Ort und Stelle mindestens um 200 Jahre zurückdatiert werden.

Handwerkergräber

Un­ter den bei­ga­ben­füh­ren­den Grä­bern von Scha­ching wa­ren zwei Grä­ber mit ei­nem Hand­werks­ge­rät aus­ge­stat­tet. Grab 51, das di­rekt an der west­li­chen Au­ßen­wand der Kir­che lag und auf Grund der bei­ge­ge­be­nen Mün­zen in die Zeit des 30-jäh­ri­gen Krie­ges da­tiert wer­den kann, weist als Grab­bei­ga­be ei­nen ei­ser­nen Zir­kel auf. In Grab 232 be­fand sich ne­ben ei­nem Ro­sen­kranz ein Mei­ßel. Zir­kel und Mei­ßel sind seit dem Mit­tel­al­ter ein­deu­tig mit Hand­wer­kern in Ver­bin­dung zu brin­gen. Die Span­ne reicht da­bei vom Bau­meis­ter über den Stein­met­zen bis hin zum Zim­mer­mann oder Schrei­ner. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die bei­den Be­stat­te­ten ihr wich­tigs­tes Hand­werks­ge­rät als sicht­ba­res Zei­chen ih­res Stan­des mit ins Grab be­ka­men.

Stadtarchiv

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