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Münzfunde

Mün­zen ha­ben für die Ar­chäo­lo­gie ganz ver­schie­den­ar­ti­ge Aus­sa­ge­kraft und Be­deu­tung. Zum ei­nen gel­ten sie als aus­ge­zeich­ne­tes Da­tie­rungs­mit­tel, zum an­de­ren ge­ben sie - als Münz­schatz - Aus­kunft über au­ßer­ge­wöhn­li­che Er­eig­nis­se, per­sön­li­che Schick­sa­le, für sich ge­nom­men aber auch über Münz­um­lauf und Münz­ver­brei­tung. Nicht zu­letzt wa­ren sie Zah­lungs­mit­tel, mit dem der Mensch all­täg­lich zu tun hat­te, und hän­gen eng mit Han­del und Ge­wer­be zu­sam­men.

Un­ter den zahl­lo­sen Deg­gen­dor­fer Münz­fun­den ste­chen zwei be­son­ders her­vor. Es sind die bei­den Münz­schät­ze von Scha­ching und vom Ses­sel­ber­ger Grund­stück. Der Scha­chin­ger Münz­schatz wur­de bei den Aus­gra­bun­gen des Scha­chin­ger Fried­ho­fes ge­fun­den. Er um­fasst 71 Mün­zen und ist in das 13. Jahr­hun­dert zu da­tie­ren.

Der an­de­re Münz­schatz wur­de 1986 wäh­rend der ers­ten Gra­bungs­kam­pa­gne in Deg­gen­dorf auf dem Ses­sels­ber­ger­ge­län­de ge­fun­den. Die Mün­zen be­fan­den sich in ei­ner Ab­fall­gru­be, die spä­ter von ei­ner Bruch­stein­mau­er über­baut wor­den war. Nach der Ber­gung wur­den die Mün­zen der Staat­li­chen Münz­samm­lung in Mün­chen über­ge­ben, wo sie ge­rei­nigt, be­stimmt und wis­sen­schaft­lich be­ar­bei­tet wur­den.

Es han­delt sich um ins­ge­samt 3829 Mün­zen mit ei­nem End­da­tum von 1633. Es ist die Zeit des 30-jäh­ri­gen Krie­ges und Deg­gen­dorf wur­de in die­sem Jahr von den Schwe­den be­setzt. So­wohl Fund­ort wie auch Zeit und Zeit­um­stän­de spre­chen da­für, dass das Geld ab­sicht­lich ver­gra­ben (ver­steckt) wur­de. Die Mün­zen spie­geln den Zu­stand des Geld­we­sens in Bay­ern wäh­rend des 30-jäh­ri­gen Krie­ges. Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Münz­schät­zen, bei de­nen die Be­sit­zer ver­sucht hat­ten mög­lichst hoch­wer­ti­ge Mün­zen zu hor­ten, weist er je­doch ei­ne Be­son­der­heit auf: Es do­mi­nie­ren mit 2751 Stück die Pfen­ni­ge, al­so Klein­geld, was wie­der­um Schlüs­se auf den Be­sit­zer zu­lässt.

Im ein­zel­nen han­delt es sich um 3 Gold­mün­zen, 43 aus­län­di­sche Ta­ler, 18 Reichs­ta­ler bzw. –gul­den, 11 10-Kreu­zer­stü­cke, 7 1/9 Ta­ler, 33 3-Kreu­zer­stü­cke, 845 2-Kreu­zer­stü­cke, 48 1-Kreu­zer­stü­cke, 2751 Pfen­ni­ge, 6 Hel­ler, 52 Kip­per­mün­zen, 9 sons­ti­ge Klein­mün­zen und 3 un­be­stimm­ba­re Frag­men­te. Die Her­kunft der Mün­zen streut über ei­nen Gro­ß­teil Eu­ro­pas. Ne­ben dem deut­schen Reich sind ver­tre­ten Eng­land, Nie­der­lan­de, Schwe­den, Po­len, die Habs­bur­gi­schen Er­b­lan­de von Böh­men bis Ti­rol, die Schweiz und Ita­li­en. Na­tür­lich stel­len die Baye­ri­schen Mün­zen, ge­ra­de was den Pfen­nig be­trifft, das grö­ß­te Kon­tin­gent dar.

Der Fund­platz ist ein­deu­tig dem Grund­stück Pfleg­gas­se 9 zu­zu­ord­nen. Es ge­hör­te 1633 dem Gast­wirt An­to­ni Nö­paur, der in die­sem Jahr im­mer­hin 6 Gul­den und 2 Schil­ling Steu­ern zahl­te, ei­ne Sum­me, mit der er der wohl­ha­ben­den Be­völ­ke­rung Deg­gen­dorfs zu­zu­ord­nen ist. In sei­nem Wirts­haus wird er wohl zur Haupt­sa­che Klein­geld in Form von Pfen­ni­gen und Kreu­zern ein­ge­nom­men ha­ben. Dies könn­te ei­ne Er­klä­rung für die Zu­sam­men­set­zung des Münz­schat­zes sein. Da das Geld nach Ab­zug der Be­sat­zung 1634 nicht mehr ge­ho­ben wur­de, dürf­te der Be­sit­zer ge­stor­ben oder in den Krieg­wir­ren um­ge­kom­men sein. Ei­ne ge­wis­se Be­stä­ti­gung er­hält die­se Ver­mu­tung im nächs­ten er­hal­te­nen Steu­er­buch von 1636, denn hier wird An­to­ni Nö­paur be­reits als ver­stor­ben ge­mel­det.

Die Pa­let­te der sons­ti­gen in Deg­gen­dorf auf­ge­fun­de­nen Mün­zen reicht zwar nicht so weit, aber die für die je­wei­li­ge Zeit üb­li­chen Mün­zen sind durch­aus ver­tre­ten. Im Spät­mit­tel­al­ter herr­schen Re­gens­bur­ger, Hal­ser, Wie­ner und Nürn­ber­ger Pfen­ni­ge vor, ei­ne schö­ne Aus­nah­me bil­det der Mai­län­der Gro­schen von der Hen­gers­ber­ger Stra­ße 1. Die Zu­nah­me der neu­zeit­li­chen Mün­zen ist auf die Grä­ber des Scha­chin­ger Kirch­ho­fes zu­rück­zu­füh­ren, denn vie­le der Grä­ber wa­ren mit Mün­zen aus­ge­stat­tet.

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