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Alltag

Wie schon die Mün­zen ge­ben auch vie­le der sons­ti­gen Fun­de aus den Aus­gra­bun­gen Auf­schluss über den All­tag im Mit­tel­al­ter und in der frü­hen Neu­zeit, wie oben schon dar­ge­legt na­tür­lich nur sehr aus­schnitt­haft, da­für je­doch sehr an­schau­lich.

Gegenstände der Ernährung

Selbst­ver­ständ­lich dien­te ein Gro­ß­teil der auf­ge­fun­de­nen Ke­ra­mik im wei­tes­ten Sin­ne der Er­näh­rung, sei es nur als Vor­rats­ge­fä­ße, sei es als Koch­töp­fe, Was­ser-, Wein- oder Bier­krü­ge. Me­tall­ge­fä­ße da­ge­gen feh­len völ­lig, we­gen ih­rem Me­tall­wert wur­den sie nicht weg­ge­wor­fen, son­dern ge­flickt oder wie­der ein­ge­schmol­zen. Lei­der feh­len in Deg­gen­dorf mit­tel­al­ter­li­che Nach­lassin­ven­ta­re, die ei­ne Über­prü­fung der Si­tua­ti­on in den Haus­hal­ten zu­las­sen wür­den. Da je­doch auch die neu­zeit­li­chen Fund­kom­ple­xe kei­ner­lei Me­tall­ge­schirr auf­wei­sen mag als Ver­gleich ein Blick auf die In­ven­ta­re des aus­ge­hen­den 17. Jahr­hun­derts er­laubt sein. So hat­te der Gast­wirt Hans Mil­ler, der 1681 starb ins­ge­samt 27 Ge­schirr­ge­gen­stän­de aus Me­tall (1 Kan­ne, 20 Schüs­seln, 1 Fla­sche, al­les aus Zinn, je ei­ne Seih­pfan­ne aus Mes­sing und Kup­fer, so­wie zwei kup­fer­ne und zwei ei­ser­ne Pfan­nen) dem 22 aus Ke­ra­mik ge­gen­über­stan­den. Bei 21 Tei­len ist das Ma­te­ri­al un­be­stimmt. Bei dem im glei­chen Jahr ver­stor­be­nen Gast­wirt Hans Ros­set ste­hen so­gar 36 Me­tall­ge­schirr­ge­gen­stän­den nur 12 aus Ke­ra­mik ge­gen­über. Die ar­chäo­lo­gi­schen Fun­de wei­chen al­so in die­sem Fall ganz ex­trem von der his­to­ri­schen Rea­li­tät ab, ei­ne Fest­stel­lung, die man si­cher­lich in ein­ge­schränk­tem Ma­ße auch für das Mit­tel­al­ter über­neh­men darf.

Her­aus­ra­gend un­ter den Deg­gen­dor­fer Fun­den aber sind in die­sem Zu­sam­men­hang wie­der zwei Grä­ber von Scha­ching. Grab 45, das durch die bei­ge­ge­be­nen Mün­zen in die Zeit um 1706 da­tiert, ent­hielt ne­ben ei­nem Mes­ser auch ei­ne zwei­zin­ki­ge Ga­bel. In kei­nem der bis­her durch­ge­se­he­nen 44 Nach­lassin­ven­ta­ren, die in die Zeit zwi­schen 1681 und 1686 da­tie­ren wur­de bis­her ei­ne Ga­bel ge­fun­den. Ga­beln wa­ren zu die­ser Zeit noch nicht All­ge­mein­gut, sie wur­den nur in hö­he­ren Ge­sell­schafts­schich­ten ver­wen­det. Die Ga­bel­bei­ga­be er­laubt al­so den Rück­schluss auf die nicht ein­fa­chen so­zia­len Ver­hält­nis­se des Ver­stor­be­nen. In ei­nem wei­te­ren Grab be­fand sich ein Löf­fel aus Zinn, auch dies au­ßer­ge­wöhn­lich, weil es un­ter den fast 300 Be­stat­te­ten die ein­zi­ge Löf­fel­bei­ga­be war und dies sich in den an­de­ren Ba­rock­fried­hö­fen nicht an­ders dar­stellt. Wäh­rend Holz­löf­fel in al­len Ge­sell­schafts­schich­ten noch lan­ge üb­lich wa­ren, gal­ten auch Me­tall­löf­fel im 16. und 17. Jahr­hun­dert als Zei­chen ei­ner so­zia­len Hö­her­stel­lung. In den ge­nann­ten Nach­lassin­ven­ta­ren kann man vor al­lem zwi­schen nor­ma­len Holz­löf­feln und Löf­feln aus Buchs­baum­holz un­ter­schei­den. In bes­ser ge­stell­ten Haus­hal­ten gibt es Löf­fel mit sil­ber­nen Stie­len oder auch sol­che, die ganz aus Sil­ber sind. Zin­ner­ne Löf­fel, wie im Scha­chin­ger Fall, konn­ten trotz des ho­hen An­tei­les an Zinn­tel­lern und –schüs­seln bis­her nicht aus­ge­macht wer­den.

Spielzeug

Auch das im Mit­tel­al­ter und in der Neu­zeit ver­wen­de­te Spiel­zeug kann ar­chäo­lo­gisch nur aus­schnitts­wei­se er­fasst wer­den. Die Pup­pen aus Pfei­fen­ton wur­den schon an­ge­spro­chen. Sie wer­den all­ge­mein als Kin­der­spiel­zeug be­zeich­net, doch ei­nen re­li­giö­sen Cha­rak­ter kann man mit letzt­end­li­cher Si­cher­heit nicht aus­schlie­ßen.

Zu den ganz pro­fa­nen Spiel­zeu­gen ge­hö­ren auf je­den Fall die Pferd­chen, die auf dem Ses­sels­ber­ger Grund­stück ge­fun­den wur­den. Pferd­chen oder auch Rit­ter­fi­gür­chen fin­den sich in mit­tel­al­ter­li­chen Fund­zu­sam­men­hän­gen im­mer wie­der. Oft ha­ben sie, wie auch das Deg­gen­dor­fer Ex­em­plar, ein Loch in der Brust, das zur Auf­nah­me ei­ner klei­nen Lan­ze ge­dient hat. Es sind da­mit die ein­fa­chen Nach­bil­dun­gen von auf­wen­di­gem, aus Me­tall her­ge­stell­ten Tur­nier­spiel­zeu­gen hoch­herr­schaft­li­cher Kna­ben.

Auch das Fi­gür­chen vom Nat­tern­berg, das viel­leicht ei­nen Mönch dar­stel­len soll, dürf­te in den Be­reich des fi­gür­li­chen Spiel­zeugs ge­hö­ren.

Ein erst in den letz­ten Jahr­zehn­ten au­ßer Ge­brauch ge­kom­me­nes Spiel, das im Mit­tel­al­ter sehr be­liebt war, ist das Mur­mel­spiel. Mur­meln in un­ter­schied­li­chen Grö­ßen und auch Far­ben aus un­gla­sier­tem und gla­sier­tem Ton er­schei­nen im Fund­ma­te­ri­al im­mer wie­der. Sie dien­ten in der Ba­rock­zeit, wie das Bei­spiel Scha­ching zeigt, auch als Grab­bei­ga­be, in­ter­es­san­ter­wei­se nicht nur bei Kin­dern, son­dern auch bei Er­wach­se­nen. Dass im Fund­ma­te­ri­al nicht nur Kin­der­spiel­zeug ver­tre­ten ist, son­dern auch rei­nes Er­wach­se­nen­spiel, zei­gen am bes­ten die Wür­fel, wie dies in ei­nem Grab von Scha­ching der Fall war.

Alkohol und Tabak

Al­lei­ne schon die gro­ße An­zahl von Braue­rei­en und Wirts­häu­sern zeigt, dass man im Mit­tel­al­ter wie in der Neu­zeit ger­ne dem Al­ko­hol frön­te. Auch im ar­chäo­lo­gi­schen Fund­ma­te­ri­al, wie dies an­hand der oben auf­ge­führ­ten Be­cher und Trink­kel­che deut­lich ge­macht wer­den konn­te, fin­det der Al­ko­hol­ge­nuss sei­nen Nie­der­schlag. Da­ne­ben scheint aber auch der Ta­bak ei­ne nicht un­we­sent­li­che Rol­le ge­spielt zu ha­ben. Es gibt kaum grö­ße­re neu­zeit­li­che Fund­kom­ple­xe, die nicht die wei­ß­to­ni­gen Ta­baks­pfei­fen oder Frag­men­te da­von ent­hal­ten wür­den. Selbst Ver­stor­be­nen wur­den Ta­baks­pfei­fen mit ins Grab ge­ge­ben, wie Grab 45 aus Scha­ching be­weist. Dass dies al­ler­dings nicht all­täg­lich war soll spä­ter noch dar­ge­legt wer­den.

Ein weit selt­sa­me­rer Fund ist der Pfei­fen­kopf aus schwar­zem Ton, der auf dem Haß­fur­ter Grund­stück in ei­ner rein mit­tel­al­ter­li­chen Schicht auf­ge­fun­den wur­de. Wahr­schein­lich weist er dar­auf hin, dass man schon lan­ge vor Ein­füh­rung des Ta­baks in Eu­ro­pa ge­raucht hat. Dies ist da­mit der ers­te ar­chäo­lo­gi­sche Hin­weis auf Dro­gen­kon­sum im mit­tel­al­ter­li­chen Deg­gen­dorf.

Auf den Ge­nuss von Schnupf­ta­bak schlie­ß­lich ver­weist der Stöp­sel ei­ner Schnupf­ta­baks­do­se wie­der in ei­nem der Grä­ber von Scha­ching.

Medizin

Krank­hei­ten wa­ren wäh­rend des Mit­tel­al­ters und der Neu­zeit na­tür­lich an der Ta­ges­ord­nung und man ver­such­te sie auch - oft auf recht aben­teu­er­li­che Art und Wei­se - zu hei­len. Es ist des­halb auf­fäl­lig, dass bei Aus­gra­bun­gen nur sel­ten me­di­zi­ni­sche In­stru­men­te zum Vor­schein kom­men. Am häu­figs­ten sind da­bei noch die bei al­len pas­sen­den und un­pas­sen­den Ge­le­gen­hei­ten ein­ge­setz­ten Schröpf­köp­fe, fast aus­nahms­los aus Ton, sel­ten aus Glas. Wäh­rend die­se Fund­gat­tung in Deg­gen­dorf bis­her völ­lig fehlt, wur­de ein Schröpf­kopf aus mas­si­vem Mes­sing in Met­ten­ufer ge­fun­den. Er stellt da­mit ar­chäo­lo­gisch ei­ne ab­so­lu­te Aus­nah­me­er­schei­nung dar. Die­ser Fund zeigt am bes­ten, wie ein­sei­tig ar­chäo­lo­gi­sche Quel­len sein kön­nen und wie ge­fähr­lich ih­re In­ter­pre­ta­ti­on ist. Ist man auf Grund die­ses Schröpf­kop­fes und wei­te­rer Bunt­me­tall­fun­de, wie Buch­be­schlä­ge und Buch­schlie­ßen, in dem klei­nen, di­rekt an der Do­nau lie­gen­den Ort Met­ten­ufer und dem gleich­zei­ti­gen Feh­len sol­cher Fun­de in Deg­gen­dorf durch­aus ge­neigt, den dor­ti­gen Be­woh­nern ei­ne so­zi­al hö­he­re Stel­lung oder zu­min­dest mehr Ver­mö­gen ein­zu­räu­men, so be­leh­ren ei­nen die Nach­lassin­ven­ta­re der Stadt Deg­gen­dorf ei­nes Bes­se­ren. Na­he­zu in je­dem Haus­halt fin­den sich Schröpf­köp­fe aus Mes­sing. So be­sitzt der be­reits er­wähn­te Hans Ros­set 12 und der Wei­ß­ger­ber Bal­tha­sar Rei­chel al­lei­ne 22. Sie wa­ren All­ge­mein­gut wie das Him­mel­bett oder der Löf­fel. Trotz­dem feh­len sie im Deg­gen­dor­fer Fund­ma­te­ri­al.

Dass man schon früh ver­such­te die Seh­kraft der Au­gen durch Bril­len zu ver­bes­sern ist all­ge­mein be­kannt, doch ge­hö­ren auch Bril­len­fun­de zu den ar­chäo­lo­gi­schen Sel­ten­hei­ten. Um so auf­re­gen­der war das oben schon ge­nann­te Grab 45 von Scha­ching, in dem sich die zwei Glä­ser ei­ner Bril­le be­fan­den.

Bei der Krank­heits­be­kämp­fung ver­ließ man sich aber nicht nur auf den Me­di­cus oder den ört­li­chen Ba­der, in vie­len Fäl­len ver­trau­te man sich zu­dem oder viel­leicht auch bes­ser der Kir­che und den un­zäh­li­gen Hei­li­gen an. Das be­wei­sen Fun­de ei­ner ganz an­de­ren Ka­te­go­rie. Erst all­mäh­lich im Lau­fe des 16. Jahr­hun­derts, zur Haupt­sa­che im 17. Jahr­hun­dert ka­men Hei­li­gen­me­dail­len auf, die man sich um den Hals hän­gen, in der Ta­sche tra­gen oder an den Ro­sen­kranz mit­ein­bin­den konn­te. Vie­le die­ser Hei­li­gen gel­ten als Schutz­pa­tro­ne ge­gen Krank­hei­ten und so wird so man­che der Hei­li­gen­me­dail­len, wie sie in ba­ro­cken Fried­hö­fen im­mer wie­der ge­fun­den wer­den, in Ver­bin­dung mit ei­ner Krank­heit des Ver­stor­be­nen zu se­hen sein. Ganz deut­lich wird dies bei dem schon mehr­fach her­an­ge­zo­ge­nen Grab 45 des Scha­chin­ger Fried­ho­fes. Der schon we­gen sei­ner selt­sa­men zu­sam­men­ge­klapp­ten Hal­tung auf­fal­len­de To­te – er ging als das „Klappske­let­t“ durch die Pres­se - be­saß drei Me­dail­len, wo­bei die dar­ge­stell­ten Hei­li­gen im wei­tes­ten Sin­ne auch als Pa­tro­ne ge­gen Be­ses­sen­heit, Dä­mo­nie und Fall­sucht gel­ten. In­zwi­schen ist durch ei­nen ver­gleich­ba­ren Be­fund, wo der To­te so­gar na­ment­lich iden­ti­fi­ziert wer­den konn­te, ziem­lich ein­deu­tig, dass der Mann aus Scha­ching zu sei­nen Leb­zei­ten an „Veits­tan­z“ litt, ei­ner Krank­heit, die sich haupt­säch­lich durch un­kon­trol­lier­ba­re Ver­ren­kun­gen dar­stell­te. In bei­den Fäl­len, dort ein nach­ge­wie­se­ner, ge­ach­te­ter Pfar­rer, hier ein Mann, der Pfei­fe rauch­te, zum Le­sen ei­ne Bril­le be­nutz­te und zum Es­sen Mes­ser und Ga­bel ver­wen­de­te, nah­men die Kran­ken am nor­ma­len Le­ben teil und hat­ten si­cher­lich ei­ne her­aus­ra­gen­de Stel­lung in ih­rer Ge­mein­schaft in­ne. Dies ist al­les in al­lem ein äu­ßerst wich­ti­ger Be­fund für die Me­di­zin­ge­schich­te der Neu­zeit, denn er be­weist, dass man die­se Kran­ken nicht weg­ge­sperrt hat, son­dern dass sie in der Ge­mein­schaft in­te­griert und ge­ach­tet wa­ren.

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