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Gräber in und um Kirchen

Die Auf­de­ckung von Grä­bern in und um die Deg­gen­dor­fer Kir­chen war nicht nur ein Glücks­fall, ih­re Frei­le­gung er­folg­te mit Ab­sicht und sys­te­ma­tisch, weil sie im­men­sen Auf­schluss über vie­le Be­lan­ge des Le­bens und Ster­bens in der frü­hen Neu­zeit ge­ben kön­nen, aber auch weil sie von den meis­ten Ar­chäo­lo­gen bis­her mit Ab­sicht oder aus Un­kennt­nis ver­nach­läs­sigt wur­den.

Von den 296 in Scha­ching auf­ge­deck­ten Grä­bern war ei­ne gro­ße An­zahl mit Klei­dungs­be­stand­tei­len, re­li­giö­sen aber auch ganz pro­fa­nen Ge­gen­stän­den aus­ge­stat­tet. Zu den Klei­dungs­be­stand­tei­len zäh­len die so­ge­nann­ten „Haf­teln“ oder auch „Nes­teln“, Bunt­me­tall­häk­chen und -ösen, Knöp­fe und Schnal­len. An Schmuck sind Fin­ger­rin­ge zu nen­nen, an­ge­fan­gen von ein­fa­chen Blech­bän­dern bis hin zum mas­si­ven Ring aus Sil­ber, Haar­na­deln so­wie wei­te­rer Kopf­schmuck und ver­ein­zelt auch Per­len. Bei den re­li­giö­sen Bei­ga­ben steht an ers­ter Stel­le der Ro­sen­kranz in sei­nen ver­schie­de­nen Aus­prä­gun­gen, sel­ten da­ge­gen sind Hei­li­gen- oder Wall­fahrts­me­dail­len. Un­ter den ganz pro­fa­nen Bei­ga­ben ste­hen Mün­zen an ers­ter Stel­le, wo­bei vier bis neun Stück die Re­gel sind, in ei­nem Grab wa­ren es aber auch 40 Stück. Meist han­delt es sich um klei­ne No­mi­na­le, 1- oder 2-Kreu­zer, grö­ße­re Mün­zen blei­ben die Aus­nah­me. An­sons­ten er­schei­nen Mur­meln, Spiel­wür­fel, Spinn­wir­tel, Web­s­chiff­chen, Käm­me, Mes­ser, Ga­bel, Ta­schen­mes­ser, Ta­baks­pfei­fen. Da­zu kom­men schlie­ß­lich Amu­lett­kap­seln, Bre­verl so­wie Händ­chen und Fü­ßchen. Auf Grund der bei­ge­ge­be­nen Mün­zen kön­nen die Grä­ber in die Zeit zwi­schen dem be­gin­nen­den 17 und dem be­gin­nen­den 18. Jahr­hun­dert da­tiert wer­den. Mit die­sem Fun­din­ven­tar er­ge­ben sich ekla­tan­te Un­ter­schie­de zu dem mit glei­cher Gründ­lich­keit er­gra­be­nen Fried­hof im Pas­sau­er Dom­hof, wo Tracht­be­stand­tei­le und Bei­ga­ben re­li­giö­sen Cha­rak­ters mit den Aber­hun­der­ten von Wall­fahrts- und Hei­li­gen­me­dail­len über­wie­gen und pro­fa­ne Bei­ga­ben kaum ei­ne Rol­le spie­len. Ganz deut­lich wird da­bei der Un­ter­schied von länd­li­chem Fried­hof zum dom­städ­ti­schen, es zeigt sich aber auch, dass in der Ba­rock­zeit re­gio­na­le Be­stat­tungs­sit­ten und -bräu­che ge­gen­über über­re­gio­na­len vor­herrsch­ten.

Frü­her als die Scha­chin­ger Grä­ber sind ein Teil der Grä­ber in der Kir­che von Ret­ten­bach. Dort ste­hen vor al­lem die bei­den waf­fen­füh­ren­den Grä­ber 4 und 5 im Mit­tel­punkt. Wäh­rend in dem ei­nen Schwert und Spo­ren wa­ren, la­gen in dem an­de­ren ein De­gen, der üb­ri­gens noch heu­te funk­ti­ons­tüch­tig wä­re, ein Dolch und ein Mes­ser, da­mit al­so ein gan­zes „Be­steck“ so­wie eben­falls Spo­ren. Bei­de Grä­ber da­tie­ren durch ih­re Waf­fen ins aus­ge­hen­de 16. Jahr­hun­dert bzw. in die Zeit um 1600. Die Be­stat­te­ten er­wei­sen sich durch die Waf­fen­bei­ga­be als An­ge­hö­ri­ge des Adels, lei­der sind sie nicht zu iden­ti­fi­zie­ren, doch wä­re es nicht ver­wun­der­lich, wenn ein Zu­sam­men­hang mit der Burg auf dem Nat­tern­berg be­stün­de.

Ne­ben der Gei­ers­berg­kir­che ka­men nur drei Grä­ber zum Vor­schein. Zwei der Be­stat­te­ten wei­sen ei­ne Grö­ße von 1,9 m auf, ei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Grö­ße, die z.B. in Scha­ching in kei­nem Fal­le er­reicht wur­de. Die La­ge im Grab ver­rät au­ßer­dem, dass die bei­den To­ten zur glei­chen Zeit be­stat­tet wur­den. Durch den ar­chäo­lo­gi­schen Be­fund, vor al­lem aber durch die Aus­sa­ge der schrift­li­chen Quel­len sind sie in das 17. Jahr­hun­dert zu da­tie­ren. In die­ser Zeit ist näm­lich be­reits ei­ne Fried­hofs­mau­er be­legt, die sich ja nur auf die­se drei Be­stat­tun­gen be­zie­hen kann.

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