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Bebauungsstruktur und Häuser

Leider konnten bei den Ausgrabungen bisher nur wenige Befunde zur mittelalterlichen Bebauungsstruktur gemacht werden, da nur selten die Gelegenheit gegeben war direkt im Häuserbereich zu graben. Diese Möglichkeiten eröffneten sich bisher nur in der Metzgergasse. Auf dem ehemaligen „Karstadt-Parkplatz“ hatte die in den 70-er Jahren abgebrochene Schneider-Brauerei alle älteren Baubefunde, sofern vorhanden, vernichtet. An der Stelle der Metzgergasse 13 aber stand, wie die Ausgrabung 1991 ergab, ursprünglich giebelseitig ein langrechteckiges Gebäude mit rechtsseitigem Korridor und linksseitigen hintereinanderliegenden Zimmern. Nur in den beiden vorderen Räumen befand sich eine sehr tiefreichende Auffüllung aus Bauschutt. Die darin aufgefundenen Fragmente von Bilderkacheln des 15./16 Jahrhunderts mit Szenen aus der Passion Christi verweisen auf einen qualitätsvollen Kachelofen und dieser wiederum auf ein wohlsituiertes Bürgerhaus.

Diese Grundrissform ist auch heute in Deggendorf noch häufig anzutreffen, als Beispiel sei hier nur das vor kurzem sanierte Haus Luitpoldplatz 11 genannt. Beschrieben wurde sie aber auch schon in den Nachlassinventaren des ausgehenden 17. Jahrhunderts, also vor der Zeit der verheerenden Stadtbrände von 1743 und 1822, bei denen ein Großteil des Baubestandes vernichtet wurde. Wohnstube, Stubenkammer, Kammer und Flez bezeichnen genau die Gegebenheiten, wie man sie in den rezenten Häusern vorfindet, aber auch in der Metzgergasse archäologisch nachweisen konnte. Bezeichnenderweise wurden die Überreste des Kachelofens im Bereich der ehemaligen Wohnstube aufgedeckt, was aus den Inventaren wiederum nur auf Umwegen zu erschließen ist, da er als fester Teil des Hauses galt und deshalb nicht aufgeführt wurde. Dieser Haustyp entstand also nicht erst im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts, sondern bereits im Lauf des Mittelalters, womit er zu einem der Urtypen des Deggendorfer Bürgerhauses gehört.

In der Metzgergasse 8, ein Grundstück, das nach Ausweis der Steuerbücher zumindest im 17. Jahrhundert noch nicht bebaut war, konnte ebenfalls ein Teil eines mittelalterlichen Grundrisses aufgedeckt werden. Er war allerdings von den verschiedenen Umbauphasen des neuzeitlichen Gebäudes so überdeckt, dass keine klare Struktur mehr zu erkennen war. Interessant war allerdings eine Eingangssituation mit Steintreppe. Das Material, das sich über die Steintreppe lagerte, war durchsetzt mit Keramik des 14./15. Jahrhunderts, was bedeutet, dass diese Treppe zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr genutzt wurde. Einen ähnlichen Befund erbrachte die Ausgrabung am Oberen Stadtplatz 20. Hier führte eine Treppe in einen tiefergelegenen, ebenfalls noch im Spätmittelalter zugeschütteten Raum.

Auch wenn mittelalterliche Grundrisse heute noch existieren bedeutet dies nicht, dass Häuser keine Umbauten erfahren hätten. Nach dem Mauergewirr in der Metzgergasse 8 und auf dem leider nur ausschnittsweise erfassten Grundstück Oberer Stadtplatz 20 ist von mehreren Um- oder auch Neubauten auszugehen. Ein beredtes Zeugnis liefert die unverputzte Seitenansicht des Gebäudes Metzgergasse 11, an der verschiedene An- und Umbauphasen zu erkennen sind.