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330 Jahre ehemalige Waisenhausstiftung: Deggendorf erinnert an Caspar Aman
Vom Kriegswaisen zum Wohltäter der Stadt: ehemalige Waisenhausstiftung besteht bis heute fort
Text von Stadt Deggendorf|Foto von Stadt Deggendorf|Stand: 18.06.2026 16:30 Uhr|Lesedauer: 2 Minuten

Deggendorf erinnert 2026 an ein besonderes Jubiläum: Vor 330 Jahren, am 12.07.1696, errichtete der aus Deggendorf stammende kaiserliche Hofkontrollor Caspar Aman seine Waisenhausstiftung. Aus ihr entwickelte sich eine lange Tradition der Unterstützung von Kindern in Deggendorf. Heute lebt der Stiftungsgedanke in der Stiftung zur Förderung Deggendorfer Kinder, der ehemaligen Waisenhausstiftung, weiter.

Caspar Aman wurde am 03.01.1616 in Deggendorf geboren. Seine Eltern betrieben in der Stadt-Au eine Schwarzfärberei. Schon als Kind erlebte Aman schwere Schicksalsschläge: 1619 starb sein Vater, 1633 verlor er während der Kriegszeit des Dreißigjährigen Krieges auch seine Mutter. Nach seiner Tätigkeit in der Deggendorfer Stadtschreiberei gelang ihm der Aufstieg in Wien. Dort trat er in den Dienst des kaiserlichen Hofes und wurde schließlich Hofkontrollor – ein verantwortungsvolles Amt, das mit der Kontrolle und Organisation der kaiserlichen Hofwirtschaft verbunden war.

Sein am Wiener Hof erworbenes Vermögen verwendete Aman nicht nur für sich selbst. In seinem Testament und in mehreren Stiftungen bedachte er vor allem seine Heimatstadt Deggendorf. Besonders wichtig war ihm die Versorgung armer, elternloser oder bedürftiger Kinder. Die Waisenhausstiftung sollte zunächst sechs arme Bürgersknaben aufnehmen. Sie sollten Unterkunft, Kleidung, Nahrung, Schulunterricht, religiöse Erziehung und schließlich eine Grundlage für ein ehrliches Handwerk erhalten. Damit verband Aman Fürsorge, Bildung und Zukunftssicherung.

Das erste Waisenhaus befand sich am heutigen Luitpoldplatz 4, dem späteren Vanoni-Haus. Es ging im 18. Jahrhundert in den Wirren des Bayerisch-Österreichischen Erbfolgekrieges verloren. Später wurde die Stiftung an anderen Standorten fortgeführt, unter anderem im Bereich der späteren Amanstraße. Das dortige ehemalige Waisenhaus ist vielen Deggendorferinnen und Deggendorfern noch als Altbau der Volkshochschule bekannt.

Neben der Waisenhausstiftung prägte Aman auch das religiöse Stadtbild Deggendorfs. Zu seinen Stiftungen gehörten unter anderem die Heilig-Grab-Kapelle, der Kreuzweg auf den Geiersberg, liturgische Leuchter und weitere Ausstattungsstücke der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. In Deggendorf erinnert bis heute die Amanstraße an ihn.

Anlässlich des 330-jährigen Jubiläums bereitet das Stadtarchiv eine historische Aufarbeitung vor. Vorgesehen ist, Caspar Aman, seine Waisenhausstiftung und seine religiösen Stiftungen im Rahmen der Bürgerversammlung im Oktober auf mehreren Stelltafeln vorzustellen. Dabei soll auch historisches Bildmaterial gezeigt werden – darunter das Aman-Porträt, Karten zu den Waisenhausstandorten und Fotografien des späteren Waisenhausgebäudes in der Amanstraße.

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