Geschichte

Wie kam Schaching zu Deggendorf?
Schwarzweißaufnahme einer historischen Dorfstraße mit der Pfarrkirche von Schaching im Hintergrund, umgeben von Bäumen und landwirtschaftlichen Gebäuden.
Die Kirche in Schaching. Die Aufnahme wurde 1920 gemacht.

Von der selbständigen Gemeinde zum eigenständigen Ortsteil

Das jahr­hun­der­te lan­ge Ne­ben­ein­an­der von Deg­gen­dorf und Scha­ching war nicht im­mer har­mo­nisch. Zwar wa­ren bei­de Ge­mein­den wirt­schaft­lich auf­ein­an­der an­ge­wie­sen, doch gab es ge­nü­gend Rei­bungs­flä­chen die An­lass zu Strei­tig­kei­ten ga­ben. Am be­kann­tes­ten dürf­te die Aus­ein­an­der­set­zung um Wei­de­rech­te auf der Bo­gen­wie­se ge­we­sen sein. Die­ser Streit währ­te rund 250 Jah­re und wur­de erst 1855 durch ei­nen Ent­scheid der Re­gie­rung bei­ge­legt. Das En­de die­ser Zwis­tig­keit fei­er­te man mit dem „Wei­de­fes­t“, das durch sei­ne Wie­der­ho­lung schlie­ß­lich zum Deg­gen­dor­fer Volks­fest wur­de. Aber auch wäh­rend des Pro­zes­ses der Ein­ge­mein­dung von Scha­ching nach Deg­gen­dorf – der sich im­mer­hin auch über ins­ge­samt 76 Jah­re hin­zog – war das Ver­hält­nis zu Scha­ching nicht im­mer als herz­lich zu be­zeich­nen.

Deg­gen­dorf war in sei­ner Ge­schich­te mit zahl­rei­chen Pri­vi­le­gi­en aus­ge­stat­tet wor­den, die die Stadt zu ei­nem re­gio­na­len wirt­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und so­zia­len Zen­trum mach­ten. Im 19. Jahr­hun­dert wur­de die­se Stel­lung aus­ge­baut und ver­sucht, in­dus­tri­el­le Be­trie­be hier an­zu­sie­deln. Die Ein­woh­ner­zahl stieg in der Stadt von 3169 (1800) auf 6843 im Jah­re 1900. Die­se bei­den Um­stän­de führ­ten aber auch an die Gren­ze der Leis­tungs­fä­hig­keit der Stadt Deg­gen­dorf. Denn man ver­füg­te nicht mehr über den Platz für die An­sied­lung von Be­trie­ben bzw. man konn­te kaum mehr Bau­platz für die Ein­woh­ner fin­den. Wie ein Halb­ring hat­ten sich die Ort­schaf­ten, Wei­ler und Ein­öden der Ge­mein­de Scha­ching von Wes­ten über Nor­den nach Os­ten um die Stadt ge­legt. Die Ge­mein­de Scha­ching be­stand aus Alets­berg, Au, Bau­ern­müh­le, Bruck­hof, Brein­reut, Do­nau­län­de, Helf­kam, Him­mel­reich, Hir­zau, Hunds­buckl, Ko­bels­berg, Kohl­hof, Kreut, Krie­ger­müh­le, Lehm­berg, Neu­müh­le , Nie­der­kan­del­bach, Ober­dipp­ling, Ober­kandl­bach, Ober­per­las­berg, Scha­ching, Schal­ter­bach, Schedlhof, Scheue­ring, Schlei­berg, Schlut­ten­hof, Simm­ling, Tann­berg, Un­ter­dipp­ling, Un­ter­per­las­berg, Waf­fen­ham­mer und Woll­spinn­fa­brik, und stieß im Süd­os­ten an die Ge­mein­de­gren­ze von Deg­ge­nau. Ins­ge­samt um­fass­te die po­li­ti­sche Ge­mein­de Scha­ching ei­ne Flä­che von 1172 ha, wäh­rend sich Deg­gen­dorf auf le­dig­lich 446 ha er­streck­te. Für die Stadt war ei­ne Er­wei­te­rung von exis­ten­zi­el­ler Not­wen­dig­keit, vor al­lem die Grün­de ent­lang der Do­nau schie­nen da­mals in An­be­tracht der auf­kom­men­den Do­nau-Dampf­schiff­fahrt wert­volls­te Ge­bie­te zu wer­den.

Ers­ter gro­ßer Ein­ge­mein­dungs­ver­such

Schwarzweiße Luftaufnahme von Deggendorf-Schaching mit Wohnhäusern, Feldern, Straßen und den bewaldeten Höhen im Hintergrund.
Historisches Luftbild vom Stadtteil Schaching in Deggendorf um 1960.

Erst­mals ver­such­ten die Deg­gen­dor­fer 1859 ein Stück der Bo­gen­wei­de, die sich rechts des un­te­ren Bo­gen­ba­ches bis zu sei­ner Mün­dung in die Do­nau un­ter­halb der ehe­ma­li­gen Brü­cke er­streck­te in ihr Burg­ge­ding zu ho­len. Im Zu­sam­men­hang mit dem Streit um die­se Wei­de wur­de 1855 ei­ni­gen Deg­gen­dor­fern ein Teil der Bo­gen­wei­de zu Ei­gen­tum ge­ge­ben, der Grund ver­blieb je­doch wei­ter­hin in der Ge­mein­de Scha­ching und da­mit auch in de­ren Ju­ris­dik­ti­on und Steu­er­ho­heit. Doch ge­ra­de die­ser Teil er­schien den Deg­gen­dor­fern für die Zu­kunft äu­ßerst er­stre­bens­wert. Hier am Do­nau­ufer soll­ten die La­ger­häu­ser und Sta­pel­plät­ze von Do­nau­schif­fern ent­ste­hen, hier woll­te man die da­mals in Pla­nung be­find­li­che sta­bi­le Do­nau­brü­cke mit gleich­zei­ti­ger Ei­sen­bahn­brü­cke er­bau­en, und hier, auf die­sem 40 Tag­werk gro­ßen Grund, soll­te spä­ter auch der Deg­gen­dor­fer Bahn­hof er­rich­tet wer­den. Man (die „al­ler­un­tert­hä­nigst treu­ge­hor­sams­ten bür­ger­li­chen Wei­de­grund­be­sit­zer von Deg­gen­dor­f“) stell­te al­so die Bit­te „Eu­re kö­nig­li­che Ma­jes­tät wol­len al­ler­gnä­digst zu ge­neh­mi­gen ge­ru­hen, dass un­ser Wei­de­grund … von der Ge­mein­de Scha­ching los­ge­trennt und dem Burg­frie­den der Stadt Deg­gen­dorf ein­ver­leibt wer­de“. Die­ses Schrei­ben war na­tür­lich ganz im Sin­ne der Stadt und die­se be­stä­tig­te in ei­nem wei­te­ren Brief an die Re­gie­rung den Wahr­heits­ge­halt der Aus­sa­gen und dass die In­ten­ti­on der Wei­de­grund­be­sit­zer auch die der Stadt war. Ob­wohl Scha­ching sich ge­gen die­se Ab­sicht aus­sprach, ge­neh­mig­te das Staats­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz und des In­nern am 24. Mai 1860 das An­lie­gen der Deg­gen­dor­fer.

Es wa­ren Pri­vat­leu­te, die im Ju­li 1883 den ers­ten gro­ßen Ein­ge­mein­dungs­ver­such ein­lei­te­ten. 29 Scha­chin­ger Haus­be­sit­zer stell­ten ei­nen An­trag an die Stadt Deg­gen­dorf, man mö­ge Schrit­te zur Ein­ver­lei­bung von (der Ort­schaft)Scha­ching nach Deg­gen­dorf ein­lei­ten um da­mit ei­nen „schon längst exis­ten­ten Wunsch“ nach­zu­kom­men. Man ver­säum­te nicht die Vor­tei­le, wel­che ei­ne sol­che Ein­ge­mein­dung für die Stadt Deg­gen­dorf hät­te, her­aus­zu­stel­len, wie z. B. ei­ne Ab­run­dung des Ge­bie­tes, und die Ein­ver­lei­bung des Deg­gen­dor­fer Bahn­ho­fes und der Um­schlags­sta­ti­on der süd­deut­schen Do­nau-Dampf­schiff­fahrts-Ge­sell­schaft, die bei­de auf Scha­chin­ger Ge­mein­de­ge­biet stan­den. Und auch die Po­li­zei­ver­wal­tung hät­te Vor­tei­le von ei­ner sol­chen Ver­ei­ni­gung: Sie war mit der Be­treu­ung des Bahn­ho­fes be­auf­tragt, konn­te aber au­ßer­halb die­ses Ge­bäu­des (in Scha­ching) kei­ne Be­fug­nis­se aus­üben. Är­ger­lich für die Deg­gen­dor­fer war zu­dem, dass sie den Aus­bau der Bahn­hof­stra­ße auf Scha­chin­ger Ter­ri­to­ri­um über­nom­men hat­ten und für die Be­leuch­tung die­ser Stra­ße zu­stän­dig wa­ren, aber kei­ne Mög­lich­keit hat­ten die­se Stra­ße durch die städ­ti­sche Po­li­zei über­wa­chen zu kön­nen, nach­dem die Be­leuch­tung be­reits mehr­mals be­schä­digt wor­den war. Aber auch die Scha­chin­ger hät­ten Vor­tei­le von die­ser Fu­si­on, wür­de doch der läs­ti­ge Pflas­ter­zoll ent­fal­len, den die Scha­chin­ger Klein­gärt­ner an Deg­gen­dorf ent­rich­ten muss­ten, wenn sie ih­re Wa­ren in der Stadt ver­äu­ßer­ten.

1888: Ein wei­te­rer Ein­ge­mein­dungs­ver­such

Historische Schwarzweißansicht von Schaching mit Häusern, Kirche und dem Natternberg im Hintergrund
Postkarte mit den Stadtteilen Schaching und Natternberg in Deggendorf aus dem Jahre 1899.

Der Ma­gis­trat Deg­gen­dorf ver­schloss sich die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on nicht, und in­for­mier­te den Ge­mein­de­rat Scha­ching von die­sem Plan. Die­ser hielt je­doch von den Ex­pan­si­ons­ge­lüs­ten der Deg­gen­dor­fer nichts und be­schloss „dem An­tra­ge des Stadt­ma­gis­tra­tes Deg­gen­dorf um Ein­ver­lei­bung der Ort­schaft Scha­ching in den Stadt­be­zirk Deg­gen­dorf mit al­len ge­setz­lich er­laub­ten Mit­teln ent­ge­gen­zu­tre­ten, al­so die Zu­stim­mung zu ver­sa­gen“. In der am 22. Ok­to­ber 1883 an­be­raum­ten Ge­mein­de­ver­samm­lung koch­te der Scha­chin­ger Volks­zorn hoch und die 29 Un­ter­zeich­ner wur­den zum Teil als Nicht-Ge­mein­de­an­ge­hö­ri­ge ent­larvt (Simm­lin­ger, Eg­ger, Sand­we­ger und Deg­gen­dor­fer). An­de­re konn­ten sich nicht mehr an ih­re Un­ter­zeich­nung er­in­nern, wa­ren sich über die Trag­wei­te ih­res Han­delns nicht im Kla­ren oder wur­den bei ih­rer Un­ter­schrift über den wah­ren In­halt des Schrei­bens ge­täuscht. Im Üb­ri­gen war es nicht im Sin­ne der Ge­mein­de Scha­ching, dass sich das Ein­ge­mein­dungs­ge­such le­dig­lich auf die Ort­schaf­ten Scha­ching und Helf­kam be­zog, al­le an­de­ren Ort­schaf­ten und Dör­fer je­doch aus die­ser Mas­se her­aus­ge­hal­ten wur­den. Den­noch brach­te die Stadt Deg­gen­dorf den Pro­zess um die Ein­ge­mein­dung auf den Weg, muss­te sich letzt­lich je­doch be­leh­ren las­sen, dass ei­ne Ein­ge­mein­dung oh­ne die Zu­stim­mung ei­nes der Part­ner nur dann ge­sche­hen konn­te, wenn ein öf­fent­li­ches In­ter­es­se be­stand, wel­ches in die­sem Fal­le aber nicht be­stä­tigt wer­den konn­te.

Ge­nau nach die­sem Mus­ter wur­de 1888 ein wei­te­rer Ein­ge­mein­dungs­ver­such ge­star­tet. Dies­mal schrie­ben 30 „er­ge­bens­te An­we­sens­be­sit­zer von Scha­chin­g“ im Ju­li an die Stadt­ge­mein­de Deg­gen­dorf um im Staats­mi­nis­te­ri­um des In­ne­ren die Ein­ge­mein­dung Scha­chings in die Stadt­ge­mein­de Deg­gen­dorf zu be­trei­ben. Die Be­grün­dung war ge­gen­über der vor­he­ri­gen von 1883 le­dig­lich um das Ar­gu­ment zur Er­bau­ung ei­ner Was­ser­lei­tung durch die Stadt Deg­gen­dorf er­wei­tert. Es wur­de an­ge­führt, dass auf dem Ge­län­de des Bahn­hofs gro­ße Men­gen an Holz ge­la­gert wer­den und bei ei­nem even­tu­el­len Brand ganz Scha­ching in Flam­men auf­ge­hen könn­te. Das Pro­jekt wur­de tat­kräf­tig durch den „Deg­gen­dor­fer Do­nau­bo­ten“ un­ter­stützt, der die Ar­gu­men­te pro Ein­ge­mein­dung breit dar­leg­te. Den­noch wei­ger­te sich der Ge­mein­de­rat Scha­ching ei­ner Ein­ge­mein­dung zu­zu­stim­men. Die be­stim­men­de Ge­mein­de­ver­samm­lung hielt am 14. Ok­to­ber im Pro­to­koll fest, „es sei der Ein­ver­lei­bung der Ort­schaft Scha­ching in den Stadt­be­zirk Deg­gen­dorf nicht bei­zu­stim­men …“. Die­ser nüch­ter­ne Pro­to­kollein­trag gibt je­doch nicht die Stim­mung wi­der, die da­mals ge­herrscht ha­ben mag. Es han­del­te sich wie­der um den Ver­such le­dig­lich die Ort­schaf­ten Helf­kam und Scha­ching nach Deg­gen­dorf ein­zu­ge­mein­den, bei der Ge­mein­de­ver­samm­lung be­fand sich je­doch auch der ge­sam­te Ge­mein­de­aus­schuss, der aus al­len Ort­schaf­ten Ver­tre­ter hat­te und die na­tür­lich ge­gen ei­nen Zer­fall ih­rer Ge­mein­de wa­ren. Es konn­te je­den­falls kei­ne Ei­ni­gung pro Ein­ge­mein­dung er­zielt wer­den, „weil es gleich bei Be­ginn der Ver­samm­lung tu­mul­ta­risch her­ging und die An­stre­ber der Ein­ver­lei­bung bei der Er­regt­heit, die sich in der Ver­samm­lung ein­stell­te, es vor­zo­gen, die­sel­be zu ver­las­sen“. Al­le da­nach noch An­we­sen­den stimm­ten ge­gen den An­trag und un­ter­schrie­ben das an­ge­fer­tig­te Pro­to­koll. Auf­grund die­ser Sach­la­ge war auch der Ent­scheid der Staats­re­gie­rung ge­gen den von der Stadt Deg­gen­dorf auf den Weg ge­brach­ten An­trag auf Ein­ge­mein­dung der Ort­schaf­ten Scha­ching und Helf­kam vor­her­seh­bar und wur­de ab­ge­lehnt.

1906 stell­te der För­de­rer-Ver­ein Scha­ching ei­nen An­trag auf Ein­ge­mein­dung der Ort­schaf­ten Scha­ching und Helf­kam in die Stadt Deg­gen­dorf. Man woll­te da­bei je­doch ei­ni­ge Struk­tur ver­bes­sern­de Maß­nah­men für die Ort­schaft er­rei­chen wie z. B. die Er­rich­tung ei­nes Schlacht­hau­ses dort, die Ver­le­gung des Elek­tri­zi­täts­wer­kes nach Scha­ching, die Ab­ga­be von Was­ser und Elek­tri­zi­tät zu den glei­chen Be­din­gun­gen wie es die Deg­gen­dor­fer er­hal­ten, die Er­rich­tung der Re­al­schu­le in Scha­ching so­wie den Er­halt ei­ner Post­fi­lia­le. Im Stadt­rat Deg­gen­dorf wur­de be­schlos­sen, die­se An­re­gun­gen/For­de­run­gen nach sach­li­chen Grün­den je­weils zu ent­schei­den. Prin­zi­pi­ell war man na­tür­lich für ei­ne Ein­ge­mein­dung und kam auch so­weit mög­lich dem För­der­ver­ein mit Ab­sichts­er­klä­run­gen ent­ge­gen. Die­ses Mal be­für­wor­te­te auch der Ge­mein­de­rat Scha­ching mit 8:3 Stim­men die­ses Vor­ha­ben, be­hielt sich je­doch vor, über die Be­din­gun­gen noch ver­han­deln zu wol­len. Und auch in der am 22. April ein­be­ru­fe­nen Ge­mein­de­ver­samm­lung schie­nen die Be­für­wor­ter mit ih­ren Ar­gu­men­ten Ober­hand zu be­kom­men. Doch die Ab­stim­mung brach­te ein an­de­res Er­geb­nis: 62 An­we­sen­de spra­chen sich ge­gen ei­ne Ein­ge­mein­dung aus, le­dig­lich 34 Ge­mein­de­bür­ger woll­ten Deg­gen­dor­fer wer­den. Da­mit war, ob­wohl Deg­gen­dorf die­se An­ge­le­gen­heit wei­ter ver­folg­te, die Grund­la­ge für ei­ne er­folg­rei­che Ein­ge­mein­dung nicht mehr ge­ge­ben und wur­de auch ab­schlä­gig von der Re­gie­rung be­han­delt. Im Ge­gen­zug ver­wehr­te der Stadt­rat Deg­gen­dorf dem von Schrei­ner­meis­ter Si­mon Ren­ner ge­stell­ten An­trag, die Ort­schaft Scha­ching an die städ­ti­sche Was­ser­lei­tung an­zu­schlie­ßen die Ge­neh­mi­gung.

Nächs­ter Ver­such: 1926

Schwarzweißaufnahme einer historischen Kirche hinter einem weitläufigen Feld; im Vordergrund steht eine einzelne Person unter einem großen Baum.
Schaching um 1920: Immer noch keine Eingemeindung zu Deggendorf.

1926 erst konn­te der nächs­te Ver­such zur Ein­ge­mein­dung Scha­chings ge­macht wer­den. Das Pro­jekt der Bo­gen­bach­re­gu­lie­rung ver­deut­lich­te bei­den Ge­mein­den, wie eng das Schick­sal von Scha­ching mit dem der Stadt Deg­gen­dorf ver­knüpft war. Zu vie­le Hoch­wäs­ser hat­ten bei­de Ge­mein­den be­reits er­tra­gen müs­sen, und zu­dem droh­te die lang­sa­me aber ste­ti­ge Ver­sump­fung der Bo­gen­wei­de mit al­len denk­ba­ren ge­sund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die An­lie­ger. Nach zwei­jäh­ri­ger Pla­nungs­zeit schien auch die Fi­nan­zie­rung ge­si­chert und am 30. Ja­nu­ar 1926 si­gna­li­sier­te Scha­ching sei­ne Be­tei­li­gung an dem Pro­jekt. Die vie­len ge­mein­sa­men Be­rüh­rungs- und Rei­bungs­punk­te mach­ten aber auch deut­lich, wie sehr die un­ter­schied­li­chen Be­hand­lungs­wei­sen das Er­rei­chen ei­nes ge­mein­sa­men Zie­les er­schwer­ten.

Die Fra­ge ei­ner Ein­ge­mein­dung von Scha­ching in die Stadt Deg­gen­dorf war da­durch wie­der ak­tu­ell ge­wor­den. Erst­mals ging die In­itia­ti­ve jetzt von Deg­gen­dorf aus. Bür­ger­meis­ter An­ton Reus be­auf­trag­te Ma­gis­trats­rat A. We­ber zu er­kun­den, ob ein sol­cher Ver­such der­zeit aus­sichts­reich sei. In ei­nem ver­trau­li­chen Ge­spräch mit dem Scha­chin­ger Ge­mein­de­ober­se­kre­tär Lan­ger wur­de deut­lich, dass die Orts­tei­le Scha­ching und Helf­kam durch­aus für ei­ne Ein­ge­mein­dung nach Deg­gen­dorf stim­men wür­den, je­doch al­le an­de­ren Ort­schaf­ten, Wei­ler und Ein­öden im Ge­mein­de­be­reich Scha­ching die­se ab­leh­nen wür­den, so­fern sie nicht mit ein­ge­glie­dert wer­den. Zu­dem soll­te der An­stoß zu die­sem Akt von der Stadt Deg­gen­dorf aus­ge­hen. In ei­ner Denk­schrift fass­te We­ber das Für und Wi­der ei­ner Ein­ge­mein­dung zu­sam­men: Für Deg­gen­dorf war ei­ne wirt­schaft­li­che Aus­deh­nung un­be­dingt not­wen­dig, auf­grund der geo­gra­fi­schen Ge­ge­ben­hei­ten je­doch un­mög­lich, ob­wohl die Stadt durch die La­ge an der Do­nau und den Über­gang dar­über bes­te Vor­aus­set­zun­gen ge­habt hät­te. Für die Ein­ge­mein­dung Scha­chings wür­de nur die Tat­sa­che spre­chen, weil da­mit die Mög­lich­keit ge­schaf­fen wer­den wür­de aus pri­va­ter Hand Grün­de zu kau­fen und sie In­dus­trie und Han­del zur Ver­fü­gung zu stel­len. Nach­tei­le wür­den für bei­de Ge­mein­den ent­ste­hen: Die Scha­chin­ger müss­ten bei ei­ner Ein­ge­mein­dung mehr steu­er­li­che Ab­ga­ben ent­rich­ten (z. B. wies Kom­mer­zi­en­rat Voll­muth aus Scha­ching, In­ha­ber ei­ner Holz­wa­ren­fa­brik, ent­rüs­tet dar­auf hin, dass er nach ei­ner Ein­ge­mein­dung nach Deg­gen­dorf 3000 Mark mehr Ge­mein­de­um­la­ge zu zah­len hät­te), die Stadt Deg­gen­dorf wür­de Geld auf­brin­gen müs­sen um die sämt­li­che in pri­va­ter Hand be­find­li­chen in­ter­es­san­ten Grün­de auf­zu­kau­fen, man müss­te den Pflas­ter­zoll ge­gen­über Scha­ching fal­len las­sen müs­sen, man wür­de mit dem Er­werb Scha­chings kaum Ka­pi­tal be­kom­men son­dern sich die Ver­pflich­tung zu gro­ßen Leis­tun­gen ein­han­deln wie Bau­ten zur Be­he­bung der Woh­nungs­not, Ver­bes­se­rung der Ge­mein­de­we­ge, Bau der Was­ser­lei­tung und Ka­na­li­sa­ti­on, man wür­de die Be­leuch­tung und Elek­tri­fi­zie­rung in gro­ßem Ma­ße er­fül­len und so­zia­le (Kran­ken­haus, Ar­men­für­sor­ge) und po­li­zei­li­che Ver­pflich­tun­gen in Scha­ching über­neh­men müs­sen. Für die Ein­ge­mein­dung sprach le­dig­lich der Ge­dan­ke „ein Deg­gen­dorf zu schaf­fen, das wür­dig und in der La­ge ist, den an sie her­an­tre­ten­den Be­dürf­nis­sen ei­ner mäch­ti­gen Ent­wick­lung nach je­der Rich­tung zu ent­spre­chen um be­reit zu sein, In­dus­trie und Han­del in­ner­halb des dann ge­schaf­fe­nen gro­ßen Stadt­ge­bie­tes auf­zu­neh­men und ge­dei­hen zu las­sen“. „Nicht die Ab­wä­gung von Vor- und Nach­tei­len soll aus­schlag­ge­bend für Deg­gen­dorf sein, son­dern der gro­ße weit bli­cken­de Ge­dan­ke der Wirt­schafts- und Ent­wick­lungs­po­li­ti­k“. Ge­sell­schaft­lich wa­ren die Gren­zen zwi­schen Deg­gen­dorf und den um­lie­gen­den Ge­mein­den be­reits ge­fal­len. Ei­ni­ge Haus­hal­te be­zo­gen Strom und Was­ser aus Deg­gen­dorf, die Ort­schaft Scha­ching wur­de von der Deg­gen­dor­fer Feu­er­wehr be­treut, da Scha­ching ihr Feu­er­wehr­haus in Nie­der­kandl­bach hat­te und die An­fahrt von dort we­sent­lich län­ger dau­er­te als von Deg­gen­dorf aus. Auch wa­ren die Scha­chin­ger Kin­der in Deg­gen­dorf ein­ge­schult und die Be­woh­ner Scha­chings wa­ren Mit­glie­der in der Pfar­rei Ma­riä Him­mel­fahrt und wur­den im Fried­hof Deg­gen­dorf be­er­digt. Für die vie­len Klein­gärt­ner Scha­chings war der Markt in Deg­gen­dorf ihr fast al­lei­ni­ger Ab­satz­ort.

Eingemeindung 1934

Luftaufnahme von Deggendorf mit Wohnhäusern, einer Kirche, der Donau und der Landschaft im Hintergrund
Schaching und Natternberg 2009

Zu die­sem Zeit­punkt ent­schloss sich der Ge­mein­de­rat Scha­ching zum Bau ei­ner Hoch­druck­was­ser­lei­tung, die sie durch die be­reits 1922 ge­kauf­ten 18 Quel­len in Scheue­ring spei­sen woll­ten. Da­mit war für die Ge­mein­de­bür­ger Scha­chings ein we­sent­li­ches Ar­gu­ment für die Ein­ge­mein­dung nach Deg­gen­dorf weg­ge­fal­len.

Ob­wohl sich Deg­gen­dorf am 22. Ok­to­ber in ei­ner Stadt­rats­sit­zung al­le die­se Vor- und Nach­tei­le de­tail­liert vor Au­gen führ­te blieb nur der Ent­schluss üb­rig, dass die­se Ein­ge­mein­dungs­fra­ge „jetzt oder nie“ ent­schlos­sen an­ge­gan­gen wer­den müs­se. Denn ei­ne al­ter­na­ti­ve Er­wei­te­rung auf den Ge­mein­de­grund Deg­ge­n­aus schei­ter­te an den über­zo­ge­nen For­de­run­gen die­ser Ge­mein­de im Fal­le ei­ner Ein­ge­mein­dung. Doch die Ver­hand­lungs­part­ner in Scha­ching rück­ten mehr und mehr von dem Ver­ei­ni­gungs­ge­dan­ken ab, so dass Bür­ger­meis­ter Reus Ver­hand­lun­gen mit dem Staats­mi­nis­te­ri­um des In­ne­ren auf­nahm. Er er­klär­te, dass er von dort ei­ne ziem­lich be­stimm­te Zu­sa­ge er­hal­ten ha­be, dass die­se Fra­ge in sei­nem Sin­ne ent­schei­den wer­de. Als dies be­kannt wur­de, ent­rüs­te­ten sich die Scha­chin­ger und be­rie­fen am 4. Ja­nu­ar 1927 ei­ne Son­der­sit­zung des Ge­mein­de­ra­tes ein. Dort er­klär­ten sie ein­stim­mig, „dass wir nicht ge­willt sind uns in Deg­gen­dorf ein­ge­mein­den zu las­sen, da es we­der für uns noch für Deg­gen­dorf Vor­tei­le brin­gen kan­n“. Man ent­sand­te ei­ne De­le­ga­ti­on in das Staats­mi­nis­te­ri­um des In­nern nach Mün­chen um hier­über Be­richt zu er­stat­ten. Auch dort woll­te man nicht ent­ge­gen der ge­schlos­se­nen Pha­lanx der Ein­ge­mein­dungs­geg­ner ent­schei­den und wies den An­trag der Stadt Deg­gen­dorf letzt­lich ab.

1934 griff die Stadt Deg­gen­dorf das The­ma Ein­ge­mein­dung von Scha­ching er­neut auf. Sie teil­te der Ge­mein­de Scha­ching mit, dass auf An­re­gung der Kreis­lei­tung Deg­gen­dorf der NS­DAP ei­ne Be­spre­chung zu die­sem The­ma auf den 12. Mai an­be­raumt ist. Da­zu war ein Haus­halts­plan, ei­ne Ver­mö­gens- und Schul­den­auf­stel­lung, die Zah­len der Wohl­fahrts­be­las­tung und die Un­ter­la­gen zur Ge­mein­de­steu­er mit­zu­brin­gen. Be­reits in der fol­gen­den Scha­chin­ger Ge­mein­de­rats­sit­zung am 30. Mai 1934 – es war die ers­te Sit­zung un­ter der Lei­tung von Bür­ger­meis­ter Jo­sef Tref­fer – stimm­te man auf­grund der von den bei­den Fi­nanz­aus­schüs­sen ge­pflo­ge­nen Ver­hand­lun­gen mit 8:0 Stim­men da­für, dass man ei­ner Fu­si­on der bei­den Ge­mein­den grund­sätz­lich nicht ab­ge­neigt sei. Be­reits am 29. Ju­ni wa­ren die Ver­hand­lun­gen so­weit ge­die­hen, dass die Be­din­gun­gen ei­ner Ein­ver­lei­bung in die Stadt for­mu­liert wer­den konn­ten:
a) Die Durch­füh­rung ei­nes Stra­ßen­baus von der Eg­ger­stra­ße in Bahn­hof­stra­ße
b) Die Be­stal­lung von Schlos­ser­meis­ter Ja­kob Wein­beck zum Was­ser­wart für die ge­meind­li­che Was­ser­lei­tung
c) Die Auf­nah­me des ge­sam­ten Ge­mein­de­ra­tes in den Stadt­rat Deg­gen­dorf
d) Die Be­frei­ung von der Zwangs­pflicht zur Be­nut­zung des Deg­gen­dor­fer Lei­chen­hau­ses
e) Die Elek­tri­fi­zie­rung von Ober- und Nie­der­kandl­bach un­ter den glei­chen preis­li­chen Vor­aus­set­zun­gen wie das in Deg­gen­dorf der Fall ist. Nach­träg­lich wur­den die­se „An­trä­ge bzw. Be­din­gun­gen“ er­wei­tert um
f) Über­zug der Stra­ßen­de­cke mit ei­nem staub­frei­en Be­lag vom Krie­ger­denk­mal bis Helf­kam,
g) Über­nah­me des Ver­wal­tungs­in­spek­tors, des Ver­wal­tungs­as­sis­ten­ten und des In­zi­pi­en­ten in die Stadt­ver­wal­tung Deg­gen­dorf
h) Die Be­rück­sich­ti­gung der Wunsch­lis­te des Orts­aus­schus­ses von Alets­berg so­wie von Nie­der­kandl­bach.

Deg­gen­dorf war je­doch nicht be­reit sich Be­din­gun­gen dik­tie­ren zu las­sen. Es wur­de ein­stim­mig be­schlos­sen, dass man be­reit sei die Ge­mein­de in ih­rem gan­zen Um­fan­ge ein­zu­ge­mein­den. Da­zu soll

  1. Das gan­ze Ver­wal­tungs- und Fi­nanz­ver­mö­gen der Ge­mein­de Scha­ching mit al­len Rech­ten und Pflich­ten über­nom­men wer­den
  2. Der Ge­meind­einspek­tor und der Ge­mein­de­die­ner in städ­ti­sche Diens­te über­nom­men wer­den, so­wie die Hin­ter­blie­be­nen­be­zü­ge der Wit­wen des frü­he­ren Bür­ger­meis­ter und Ge­mein­de­se­kre­tärs wei­ter be­zahlt wer­den und
  3. die im ein­zu­ge­mein­den­den Ge­biet lie­gen­den Be­zirks­stra­ßen­tei­le zu Ei­gen­tum und Un­ter­halt zu über­neh­men.

Wei­te­re Pflich­ten wer­den nicht über­nom­men wer­den. Die Ge­mein­de Scha­ching gab dar­auf­hin klein bei und be­schloss am 21. No­vem­ber ein­stim­mig ih­ren al­ten Ge­mein­de­rats­be­schluss da­hin­ge­hend ab­zu­än­dern, „dass wir dem Be­schluss des Stadt­ra­tes Deg­gen­dorf vom 14. Sep­tem­ber 1934 oh­ne wei­te­re Vor­be­hal­te oder Be­din­gun­gen zu­stim­men und dass die in un­se­rem vor­ge­nann­ten Be­schlus­se ent­hal­te­nen Fest­stell­lun­gen nur ‚Wün­sche’ dar­stel­len von de­nen die Ein­ge­mein­dung nicht ab­hän­gig ge­macht wer­den wil­l“.

Von der Auf­he­bung der Ge­mein­de Scha­ching be­rich­te­te le­dig­lich ei­ne dürf­ti­ge kur­ze Nach­richt im Deg­gen­dor­fer Do­nau­bo­ten vom 2. April 1935:

„Scha­ching ein­ge­mein­det. Mit Ent­schlie­ßung des Staats­mi­nis­te­ri­ums des In­nern vom 30. März wur­de mit Wir­kung vom 31. III. 35 an die Ge­mein­de Scha­ching mit der krei­sun­mit­tel­ba­ren Stadt Deg­gen­dorf ver­ei­nigt. Die Ge­mein­de Scha­ching ist da­mit auf­ge­ho­ben.“

Themen in diesem Artikel

News zum Thema

Auch interessant