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Schachings Geschichte

Von der selbständigen Gemeinde zum eigenständigen Ortsteil – Wie kam Schaching zu Deggendorf ?

Schachinger KIrche um 1920

Das jahr­hun­der­te lan­ge Ne­ben­ein­an­der von Deg­gen­dorf und Scha­ching war nicht im­mer har­mo­nisch. Zwar wa­ren bei­de Ge­mein­den wirt­schaft­lich auf­ein­an­der an­ge­wie­sen, doch gab es ge­nü­gend Rei­bungs­flä­chen die An­lass zu Strei­tig­kei­ten ga­ben. Am be­kann­tes­ten dürf­te die Aus­ein­an­der­set­zung um Wei­de­rech­te auf der Bo­gen­wie­se ge­we­sen sein. Die­ser Streit währ­te rund 250 Jah­re und wur­de erst 1855 durch ei­nen Ent­scheid der Re­gie­rung bei­ge­legt. Das En­de die­ser Zwis­tig­keit fei­er­te man mit dem „Wei­de­fes­t“, das durch sei­ne Wie­der­ho­lung schlie­ß­lich zum Deg­gen­dor­fer Volks­fest wur­de. Aber auch wäh­rend des Pro­zes­ses der Ein­ge­mein­dung von Scha­ching nach Deg­gen­dorf – der sich im­mer­hin auch über ins­ge­samt 76 Jah­re hin­zog - war das Ver­hält­nis zu Scha­ching nicht im­mer als herz­lich zu be­zeich­nen.

Deg­gen­dorf war in sei­ner Ge­schich­te mit zahl­rei­chen Pri­vi­le­gi­en aus­ge­stat­tet wor­den, die die Stadt zu ei­nem re­gio­na­len wirt­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und so­zia­len Zen­trum mach­ten. Im 19. Jahr­hun­dert wur­de die­se Stel­lung aus­ge­baut und ver­sucht, in­dus­tri­el­le Be­trie­be hier an­zu­sie­deln. Die Ein­woh­ner­zahl stieg in der Stadt von 3169 (1800) auf 6843 im Jah­re 1900. Die­se bei­den Um­stän­de führ­ten aber auch an die Gren­ze der Leis­tungs­fä­hig­keit der Stadt Deg­gen­dorf. Denn man ver­füg­te nicht mehr über den Platz für die An­sied­lung von Be­trie­ben bzw. man konn­te kaum mehr Bau­platz für die Ein­woh­ner fin­den. Wie ein Halb­ring hat­ten sich die Ort­schaf­ten, Wei­ler und Ein­öden der Ge­mein­de Scha­ching von Wes­ten über Nor­den nach Os­ten um die Stadt ge­legt. Die Ge­mein­de Scha­ching be­stand aus Alets­berg, Au, Bau­ern­müh­le, Bruck­hof, Brein­reut, Do­nau­län­de, Helf­kam, Him­mel­reich, Hir­zau, Hunds­buckl, Ko­bels­berg, Kohl­hof, Kreut, Krie­ger­müh­le, Lehm­berg, Neu­müh­le , Nie­der­kan­del­bach, Ober­dipp­ling, Ober­kandl­bach, Ober­per­las­berg, Scha­ching, Schal­ter­bach, Schedlhof, Scheue­ring, Schlei­berg, Schlut­ten­hof, Simm­ling, Tann­berg, Un­ter­dipp­ling, Un­ter­per­las­berg, Waf­fen­ham­mer und Woll­spinn­fa­brik, und stieß im Süd­os­ten an die Ge­mein­de­gren­ze von Deg­ge­nau. Ins­ge­samt um­fass­te die po­li­ti­sche Ge­mein­de Scha­ching ei­ne Flä­che von 1172 ha, wäh­rend sich Deg­gen­dorf auf le­dig­lich 446 ha er­streck­te. Für die Stadt war ei­ne Er­wei­te­rung von exis­ten­zi­el­ler Not­wen­dig­keit, vor al­lem die Grün­de ent­lang der Do­nau schie­nen da­mals in An­be­tracht der auf­kom­men­den Do­nau-Dampf­schiff­fahrt wert­volls­te Ge­bie­te zu wer­den.

Schaching aus der Luft (1960)

Erst­mals ver­such­ten die Deg­gen­dor­fer 1859 ein Stück der Bo­gen­wei­de, die sich rechts des un­te­ren Bo­gen­ba­ches bis zu sei­ner Mün­dung in die Do­nau un­ter­halb der ehe­ma­li­gen Brü­cke er­streck­te in ihr Burg­ge­ding zu ho­len. Im Zu­sam­men­hang mit dem Streit um die­se Wei­de wur­de 1855 ei­ni­gen Deg­gen­dor­fern ein Teil der Bo­gen­wei­de zu Ei­gen­tum ge­ge­ben, der Grund ver­blieb je­doch wei­ter­hin in der Ge­mein­de Scha­ching und da­mit auch in de­ren Ju­ris­dik­ti­on und Steu­er­ho­heit. Doch ge­ra­de die­ser Teil er­schien den Deg­gen­dor­fern für die Zu­kunft äu­ßerst er­stre­bens­wert. Hier am Do­nau­ufer soll­ten die La­ger­häu­ser und Sta­pel­plät­ze von Do­nau­schif­fern ent­ste­hen, hier woll­te man die da­mals in Pla­nung be­find­li­che sta­bi­le Do­nau­brü­cke mit gleich­zei­ti­ger Ei­sen­bahn­brü­cke er­bau­en, und hier, auf die­sem 40 Tag­werk gro­ßen Grund, soll­te spä­ter auch der Deg­gen­dor­fer Bahn­hof er­rich­tet wer­den. Man (die „al­ler­un­tert­hä­nigst treu­ge­hor­sams­ten bür­ger­li­chen Wei­de­grund­be­sit­zer von Deg­gen­dor­f“) stell­te al­so die Bit­te „Eu­re kö­nig­li­che Ma­jes­tät wol­len al­ler­gnä­digst zu ge­neh­mi­gen ge­ru­hen, dass un­ser Wei­de­grund … von der Ge­mein­de Scha­ching los­ge­trennt und dem Burg­frie­den der Stadt Deg­gen­dorf ein­ver­leibt wer­de“. Die­ses Schrei­ben war na­tür­lich ganz im Sin­ne der Stadt und die­se be­stä­tig­te in ei­nem wei­te­ren Brief an die Re­gie­rung den Wahr­heits­ge­halt der Aus­sa­gen und dass die In­ten­ti­on der Wei­de­grund­be­sit­zer auch die der Stadt war. Ob­wohl Scha­ching sich ge­gen die­se Ab­sicht aus­sprach, ge­neh­mig­te das Staats­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz und des In­nern am 24. Mai 1860 das An­lie­gen der Deg­gen­dor­fer.

Es wa­ren Pri­vat­leu­te, die im Ju­li 1883 den ers­ten gro­ßen Ein­ge­mein­dungs­ver­such ein­lei­te­ten. 29 Scha­chin­ger Haus­be­sit­zer stell­ten ei­nen An­trag an die Stadt Deg­gen­dorf, man mö­ge Schrit­te zur Ein­ver­lei­bung von (der Ort­schaft)Scha­ching nach Deg­gen­dorf ein­lei­ten um da­mit ei­nen „schon längst exis­ten­ten Wunsch“ nach­zu­kom­men. Man ver­säum­te nicht die Vor­tei­le, wel­che ei­ne sol­che Ein­ge­mein­dung für die Stadt Deg­gen­dorf hät­te, her­aus­zu­stel­len, wie z. B. ei­ne Ab­run­dung des Ge­bie­tes, und die Ein­ver­lei­bung des Deg­gen­dor­fer Bahn­ho­fes und der Um­schlags­sta­ti­on der süd­deut­schen Do­nau-Dampf­schiff­fahrts-Ge­sell­schaft, die bei­de auf Scha­chin­ger Ge­mein­de­ge­biet stan­den. Und auch die Po­li­zei­ver­wal­tung hät­te Vor­tei­le von ei­ner sol­chen Ver­ei­ni­gung: Sie war mit der Be­treu­ung des Bahn­ho­fes be­auf­tragt, konn­te aber au­ßer­halb die­ses Ge­bäu­des (in Scha­ching) kei­ne Be­fug­nis­se aus­üben. Är­ger­lich für die Deg­gen­dor­fer war zu­dem, dass sie den Aus­bau der Bahn­hof­stra­ße auf Scha­chin­ger Ter­ri­to­ri­um über­nom­men hat­ten und für die Be­leuch­tung die­ser Stra­ße zu­stän­dig wa­ren, aber kei­ne Mög­lich­keit hat­ten die­se Stra­ße durch die städ­ti­sche Po­li­zei über­wa­chen zu kön­nen, nach­dem die Be­leuch­tung be­reits mehr­mals be­schä­digt wor­den war. Aber auch die Scha­chin­ger hät­ten Vor­tei­le von die­ser Fu­si­on, wür­de doch der läs­ti­ge Pflas­ter­zoll ent­fal­len, den die Scha­chin­ger Klein­gärt­ner an Deg­gen­dorf ent­rich­ten muss­ten, wenn sie ih­re Wa­ren in der Stadt ver­äu­ßer­ten.

Schaching mit Natternberg (Postkarte, 1899)

Der Ma­gis­trat Deg­gen­dorf ver­schloss sich die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on nicht, und in­for­mier­te den Ge­mein­de­rat Scha­ching von die­sem Plan. Die­ser hielt je­doch von den Ex­pan­si­ons­ge­lüs­ten der Deg­gen­dor­fer nichts und be­schloss „dem An­tra­ge des Stadt­ma­gis­tra­tes Deg­gen­dorf um Ein­ver­lei­bung der Ort­schaft Scha­ching in den Stadt­be­zirk Deg­gen­dorf mit al­len ge­setz­lich er­laub­ten Mit­teln ent­ge­gen­zu­tre­ten, al­so die Zu­stim­mung zu ver­sa­gen“. In der am 22. Ok­to­ber 1883 an­be­raum­ten Ge­mein­de­ver­samm­lung koch­te der Scha­chin­ger Volks­zorn hoch und die 29 Un­ter­zeich­ner wur­den zum Teil als Nicht-Ge­mein­de­an­ge­hö­ri­ge ent­larvt (Simm­lin­ger, Eg­ger, Sand­we­ger und Deg­gen­dor­fer). An­de­re konn­ten sich nicht mehr an ih­re Un­ter­zeich­nung er­in­nern, wa­ren sich über die Trag­wei­te ih­res Han­delns nicht im Kla­ren oder wur­den bei ih­rer Un­ter­schrift über den wah­ren In­halt des Schrei­bens ge­täuscht. Im Üb­ri­gen war es nicht im Sin­ne der Ge­mein­de Scha­ching, dass sich das Ein­ge­mein­dungs­ge­such le­dig­lich auf die Ort­schaf­ten Scha­ching und Helf­kam be­zog, al­le an­de­ren Ort­schaf­ten und Dör­fer je­doch aus die­ser Mas­se her­aus­ge­hal­ten wur­den. Den­noch brach­te die Stadt Deg­gen­dorf den Pro­zess um die Ein­ge­mein­dung auf den Weg, muss­te sich letzt­lich je­doch be­leh­ren las­sen, dass ei­ne Ein­ge­mein­dung oh­ne die Zu­stim­mung ei­nes der Part­ner nur dann ge­sche­hen konn­te, wenn ein öf­fent­li­ches In­ter­es­se be­stand, wel­ches in die­sem Fal­le aber nicht be­stä­tigt wer­den konn­te.

Ge­nau nach die­sem Mus­ter wur­de 1888 ein wei­te­rer Ein­ge­mein­dungs­ver­such ge­star­tet. Dies­mal schrie­ben 30 „er­ge­bens­te An­we­sens­be­sit­zer von Scha­chin­g“ im Ju­li an die Stadt­ge­mein­de Deg­gen­dorf um im Staats­mi­nis­te­ri­um des In­ne­ren die Ein­ge­mein­dung Scha­chings in die Stadt­ge­mein­de Deg­gen­dorf zu be­trei­ben. Die Be­grün­dung war ge­gen­über der vor­he­ri­gen von 1883 le­dig­lich um das Ar­gu­ment zur Er­bau­ung ei­ner Was­ser­lei­tung durch die Stadt Deg­gen­dorf er­wei­tert. Es wur­de an­ge­führt, dass auf dem Ge­län­de des Bahn­hofs gro­ße Men­gen an Holz ge­la­gert wer­den und bei ei­nem even­tu­el­len Brand ganz Scha­ching in Flam­men auf­ge­hen könn­te. Das Pro­jekt wur­de tat­kräf­tig durch den „Deg­gen­dor­fer Do­nau­bo­ten“ un­ter­stützt, der die Ar­gu­men­te pro Ein­ge­mein­dung breit dar­leg­te. Den­noch wei­ger­te sich der Ge­mein­de­rat Scha­ching ei­ner Ein­ge­mein­dung zu­zu­stim­men. Die be­stim­men­de Ge­mein­de­ver­samm­lung hielt am 14. Ok­to­ber im Pro­to­koll fest, „es sei der Ein­ver­lei­bung der Ort­schaft Scha­ching in den Stadt­be­zirk Deg­gen­dorf nicht bei­zu­stim­men …“. Die­ser nüch­ter­ne Pro­to­kollein­trag gibt je­doch nicht die Stim­mung wi­der, die da­mals ge­herrscht ha­ben mag. Es han­del­te sich wie­der um den Ver­such le­dig­lich die Ort­schaf­ten Helf­kam und Scha­ching nach Deg­gen­dorf ein­zu­ge­mein­den, bei der Ge­mein­de­ver­samm­lung be­fand sich je­doch auch der ge­sam­te Ge­mein­de­aus­schuss, der aus al­len Ort­schaf­ten Ver­tre­ter hat­te und die na­tür­lich ge­gen ei­nen Zer­fall ih­rer Ge­mein­de wa­ren. Es konn­te je­den­falls kei­ne Ei­ni­gung pro Ein­ge­mein­dung er­zielt wer­den, „weil es gleich bei Be­ginn der Ver­samm­lung tu­mul­ta­risch her­ging und die An­stre­ber der Ein­ver­lei­bung bei der Er­regt­heit, die sich in der Ver­samm­lung ein­stell­te, es vor­zo­gen, die­sel­be zu ver­las­sen“. Al­le da­nach noch An­we­sen­den stimm­ten ge­gen den An­trag und un­ter­schrie­ben das an­ge­fer­tig­te Pro­to­koll. Auf­grund die­ser Sach­la­ge war auch der Ent­scheid der Staats­re­gie­rung ge­gen den von der Stadt Deg­gen­dorf auf den Weg ge­brach­ten An­trag auf Ein­ge­mein­dung der Ort­schaf­ten Scha­ching und Helf­kam vor­her­seh­bar und wur­de ab­ge­lehnt.

1906 stell­te der För­de­rer-Ver­ein Scha­ching ei­nen An­trag auf Ein­ge­mein­dung der Ort­schaf­ten Scha­ching und Helf­kam in die Stadt Deg­gen­dorf. Man woll­te da­bei je­doch ei­ni­ge Struk­tur ver­bes­sern­de Maß­nah­men für die Ort­schaft er­rei­chen wie z. B. die Er­rich­tung ei­nes Schlacht­hau­ses dort, die Ver­le­gung des Elek­tri­zi­täts­wer­kes nach Scha­ching, die Ab­ga­be von Was­ser und Elek­tri­zi­tät zu den glei­chen Be­din­gun­gen wie es die Deg­gen­dor­fer er­hal­ten, die Er­rich­tung der Re­al­schu­le in Scha­ching so­wie den Er­halt ei­ner Post­fi­lia­le. Im Stadt­rat Deg­gen­dorf wur­de be­schlos­sen, die­se An­re­gun­gen/For­de­run­gen nach sach­li­chen Grün­den je­weils zu ent­schei­den. Prin­zi­pi­ell war man na­tür­lich für ei­ne Ein­ge­mein­dung und kam auch so­weit mög­lich dem För­der­ver­ein mit Ab­sichts­er­klä­run­gen ent­ge­gen. Die­ses Mal be­für­wor­te­te auch der Ge­mein­de­rat Scha­ching mit 8:3 Stim­men die­ses Vor­ha­ben, be­hielt sich je­doch vor, über die Be­din­gun­gen noch ver­han­deln zu wol­len. Und auch in der am 22. April ein­be­ru­fe­nen Ge­mein­de­ver­samm­lung schie­nen die Be­für­wor­ter mit ih­ren Ar­gu­men­ten Ober­hand zu be­kom­men. Doch die Ab­stim­mung brach­te ein an­de­res Er­geb­nis: 62 An­we­sen­de spra­chen sich ge­gen ei­ne Ein­ge­mein­dung aus, le­dig­lich 34 Ge­mein­de­bür­ger woll­ten Deg­gen­dor­fer wer­den. Da­mit war, ob­wohl Deg­gen­dorf die­se An­ge­le­gen­heit wei­ter ver­folg­te, die Grund­la­ge für ei­ne er­folg­rei­che Ein­ge­mein­dung nicht mehr ge­ge­ben und wur­de auch ab­schlä­gig von der Re­gie­rung be­han­delt. Im Ge­gen­zug ver­wehr­te der Stadt­rat Deg­gen­dorf dem von Schrei­ner­meis­ter Si­mon Ren­ner ge­stell­ten An­trag, die Ort­schaft Scha­ching an die städ­ti­sche Was­ser­lei­tung an­zu­schlie­ßen die Ge­neh­mi­gung.

Schaching um 1920

1926 erst konn­te der nächs­te Ver­such zur Ein­ge­mein­dung Scha­chings ge­macht wer­den. Das Pro­jekt der Bo­gen­bach­re­gu­lie­rung ver­deut­lich­te bei­den Ge­mein­den, wie eng das Schick­sal von Scha­ching mit dem der Stadt Deg­gen­dorf ver­knüpft war. Zu vie­le Hoch­wäs­ser hat­ten bei­de Ge­mein­den be­reits er­tra­gen müs­sen, und zu­dem droh­te die lang­sa­me aber ste­ti­ge Ver­sump­fung der Bo­gen­wei­de mit al­len denk­ba­ren ge­sund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die An­lie­ger. Nach zwei­jäh­ri­ger Pla­nungs­zeit schien auch die Fi­nan­zie­rung ge­si­chert und am 30. Ja­nu­ar 1926 si­gna­li­sier­te Scha­ching sei­ne Be­tei­li­gung an dem Pro­jekt. Die vie­len ge­mein­sa­men Be­rüh­rungs- und Rei­bungs­punk­te mach­ten aber auch deut­lich, wie sehr die un­ter­schied­li­chen Be­hand­lungs­wei­sen das Er­rei­chen ei­nes ge­mein­sa­men Zie­les er­schwer­ten.

Die Fra­ge ei­ner Ein­ge­mein­dung von Scha­ching in die Stadt Deg­gen­dorf war da­durch wie­der ak­tu­ell ge­wor­den. Erst­mals ging die In­itia­ti­ve jetzt von Deg­gen­dorf aus. Bür­ger­meis­ter An­ton Reus be­auf­trag­te Ma­gis­trats­rat A. We­ber zu er­kun­den, ob ein sol­cher Ver­such der­zeit aus­sichts­reich sei. In ei­nem ver­trau­li­chen Ge­spräch mit dem Scha­chin­ger Ge­mein­de­ober­se­kre­tär Lan­ger wur­de deut­lich, dass die Orts­tei­le Scha­ching und Helf­kam durch­aus für ei­ne Ein­ge­mein­dung nach Deg­gen­dorf stim­men wür­den, je­doch al­le an­de­ren Ort­schaf­ten, Wei­ler und Ein­öden im Ge­mein­de­be­reich Scha­ching die­se ab­leh­nen wür­den, so­fern sie nicht mit ein­ge­glie­dert wer­den. Zu­dem soll­te der An­stoß zu die­sem Akt von der Stadt Deg­gen­dorf aus­ge­hen. In ei­ner Denk­schrift fass­te We­ber das Für und Wi­der ei­ner Ein­ge­mein­dung zu­sam­men: Für Deg­gen­dorf war ei­ne wirt­schaft­li­che Aus­deh­nung un­be­dingt not­wen­dig, auf­grund der geo­gra­fi­schen Ge­ge­ben­hei­ten je­doch un­mög­lich, ob­wohl die Stadt durch die La­ge an der Do­nau und den Über­gang dar­über bes­te Vor­aus­set­zun­gen ge­habt hät­te. Für die Ein­ge­mein­dung Scha­chings wür­de nur die Tat­sa­che spre­chen, weil da­mit die Mög­lich­keit ge­schaf­fen wer­den wür­de aus pri­va­ter Hand Grün­de zu kau­fen und sie In­dus­trie und Han­del zur Ver­fü­gung zu stel­len. Nach­tei­le wür­den für bei­de Ge­mein­den ent­ste­hen: Die Scha­chin­ger müss­ten bei ei­ner Ein­ge­mein­dung mehr steu­er­li­che Ab­ga­ben ent­rich­ten (z. B. wies Kom­mer­zi­en­rat Voll­muth aus Scha­ching, In­ha­ber ei­ner Holz­wa­ren­fa­brik, ent­rüs­tet dar­auf hin, dass er nach ei­ner Ein­ge­mein­dung nach Deg­gen­dorf 3000 Mark mehr Ge­mein­de­um­la­ge zu zah­len hät­te), die Stadt Deg­gen­dorf wür­de Geld auf­brin­gen müs­sen um die sämt­li­che in pri­va­ter Hand be­find­li­chen in­ter­es­san­ten Grün­de auf­zu­kau­fen, man müss­te den Pflas­ter­zoll ge­gen­über Scha­ching fal­len las­sen müs­sen, man wür­de mit dem Er­werb Scha­chings kaum Ka­pi­tal be­kom­men son­dern sich die Ver­pflich­tung zu gro­ßen Leis­tun­gen ein­han­deln wie Bau­ten zur Be­he­bung der Woh­nungs­not, Ver­bes­se­rung der Ge­mein­de­we­ge, Bau der Was­ser­lei­tung und Ka­na­li­sa­ti­on, man wür­de die Be­leuch­tung und Elek­tri­fi­zie­rung in gro­ßem Ma­ße er­fül­len und so­zia­le (Kran­ken­haus, Ar­men­für­sor­ge) und po­li­zei­li­che Ver­pflich­tun­gen in Scha­ching über­neh­men müs­sen. Für die Ein­ge­mein­dung sprach le­dig­lich der Ge­dan­ke „ein Deg­gen­dorf zu schaf­fen, das wür­dig und in der La­ge ist, den an sie her­an­tre­ten­den Be­dürf­nis­sen ei­ner mäch­ti­gen Ent­wick­lung nach je­der Rich­tung zu ent­spre­chen um be­reit zu sein, In­dus­trie und Han­del in­ner­halb des dann ge­schaf­fe­nen gro­ßen Stadt­ge­bie­tes auf­zu­neh­men und ge­dei­hen zu las­sen“. „Nicht die Ab­wä­gung von Vor- und Nach­tei­len soll aus­schlag­ge­bend für Deg­gen­dorf sein, son­dern der gro­ße weit bli­cken­de Ge­dan­ke der Wirt­schafts- und Ent­wick­lungs­po­li­ti­k“. Ge­sell­schaft­lich wa­ren die Gren­zen zwi­schen Deg­gen­dorf und den um­lie­gen­den Ge­mein­den be­reits ge­fal­len. Ei­ni­ge Haus­hal­te be­zo­gen Strom und Was­ser aus Deg­gen­dorf, die Ort­schaft Scha­ching wur­de von der Deg­gen­dor­fer Feu­er­wehr be­treut, da Scha­ching ihr Feu­er­wehr­haus in Nie­der­kandl­bach hat­te und die An­fahrt von dort we­sent­lich län­ger dau­er­te als von Deg­gen­dorf aus. Auch wa­ren die Scha­chin­ger Kin­der in Deg­gen­dorf ein­ge­schult und die Be­woh­ner Scha­chings wa­ren Mit­glie­der in der Pfar­rei Ma­riä Him­mel­fahrt und wur­den im Fried­hof Deg­gen­dorf be­er­digt. Für die vie­len Klein­gärt­ner Scha­chings war der Markt in Deg­gen­dorf ihr fast al­lei­ni­ger Ab­satz­ort.

Schaching mit Natternberg (2009)

Zu die­sem Zeit­punkt ent­schloss sich der Ge­mein­de­rat Scha­ching zum Bau ei­ner Hoch­druck­was­ser­lei­tung, die sie durch die be­reits 1922 ge­kauf­ten 18 Quel­len in Scheue­ring spei­sen woll­ten. Da­mit war für die Ge­mein­de­bür­ger Scha­chings ein we­sent­li­ches Ar­gu­ment für die Ein­ge­mein­dung nach Deg­gen­dorf weg­ge­fal­len.

Ob­wohl sich Deg­gen­dorf am 22. Ok­to­ber in ei­ner Stadt­rats­sit­zung al­le die­se Vor- und Nach­tei­le de­tail­liert vor Au­gen führ­te blieb nur der Ent­schluss üb­rig, dass die­se Ein­ge­mein­dungs­fra­ge „jetzt oder nie“ ent­schlos­sen an­ge­gan­gen wer­den müs­se. Denn ei­ne al­ter­na­ti­ve Er­wei­te­rung auf den Ge­mein­de­grund Deg­ge­n­aus schei­ter­te an den über­zo­ge­nen For­de­run­gen die­ser Ge­mein­de im Fal­le ei­ner Ein­ge­mein­dung. Doch die Ver­hand­lungs­part­ner in Scha­ching rück­ten mehr und mehr von dem Ver­ei­ni­gungs­ge­dan­ken ab, so dass Bür­ger­meis­ter Reus Ver­hand­lun­gen mit dem Staats­mi­nis­te­ri­um des In­ne­ren auf­nahm. Er er­klär­te, dass er von dort ei­ne ziem­lich be­stimm­te Zu­sa­ge er­hal­ten ha­be, dass die­se Fra­ge in sei­nem Sin­ne ent­schei­den wer­de. Als dies be­kannt wur­de, ent­rüs­te­ten sich die Scha­chin­ger und be­rie­fen am 4. Ja­nu­ar 1927 ei­ne Son­der­sit­zung des Ge­mein­de­ra­tes ein. Dort er­klär­ten sie ein­stim­mig, „dass wir nicht ge­willt sind uns in Deg­gen­dorf ein­ge­mein­den zu las­sen, da es we­der für uns noch für Deg­gen­dorf Vor­tei­le brin­gen kan­n“. Man ent­sand­te ei­ne De­le­ga­ti­on in das Staats­mi­nis­te­ri­um des In­nern nach Mün­chen um hier­über Be­richt zu er­stat­ten. Auch dort woll­te man nicht ent­ge­gen der ge­schlos­se­nen Pha­lanx der Ein­ge­mein­dungs­geg­ner ent­schei­den und wies den An­trag der Stadt Deg­gen­dorf letzt­lich ab.

1934 griff die Stadt Deg­gen­dorf das The­ma Ein­ge­mein­dung von Scha­ching er­neut auf. Sie teil­te der Ge­mein­de Scha­ching mit, dass auf An­re­gung der Kreis­lei­tung Deg­gen­dorf der NS­DAP ei­ne Be­spre­chung zu die­sem The­ma auf den 12. Mai an­be­raumt ist. Da­zu war ein Haus­halts­plan, ei­ne Ver­mö­gens- und Schul­den­auf­stel­lung, die Zah­len der Wohl­fahrts­be­las­tung und die Un­ter­la­gen zur Ge­mein­de­steu­er mit­zu­brin­gen. Be­reits in der fol­gen­den Scha­chin­ger Ge­mein­de­rats­sit­zung am 30. Mai 1934 – es war die ers­te Sit­zung un­ter der Lei­tung von Bür­ger­meis­ter Jo­sef Tref­fer – stimm­te man auf­grund der von den bei­den Fi­nanz­aus­schüs­sen ge­pflo­ge­nen Ver­hand­lun­gen mit 8:0 Stim­men da­für, dass man ei­ner Fu­si­on der bei­den Ge­mein­den grund­sätz­lich nicht ab­ge­neigt sei. Be­reits am 29. Ju­ni wa­ren die Ver­hand­lun­gen so­weit ge­die­hen, dass die Be­din­gun­gen ei­ner Ein­ver­lei­bung in die Stadt for­mu­liert wer­den konn­ten:
a) Die Durch­füh­rung ei­nes Stra­ßen­baus von der Eg­ger­stra­ße in Bahn­hof­stra­ße
b) Die Be­stal­lung von Schlos­ser­meis­ter Ja­kob Wein­beck zum Was­ser­wart für die ge­meind­li­che Was­ser­lei­tung
c) Die Auf­nah­me des ge­sam­ten Ge­mein­de­ra­tes in den Stadt­rat Deg­gen­dorf
d) Die Be­frei­ung von der Zwangs­pflicht zur Be­nut­zung des Deg­gen­dor­fer Lei­chen­hau­ses
e) Die Elek­tri­fi­zie­rung von Ober- und Nie­der­kandl­bach un­ter den glei­chen preis­li­chen Vor­aus­set­zun­gen wie das in Deg­gen­dorf der Fall ist. Nach­träg­lich wur­den die­se „An­trä­ge bzw. Be­din­gun­gen“ er­wei­tert um
f) Über­zug der Stra­ßen­de­cke mit ei­nem staub­frei­en Be­lag vom Krie­ger­denk­mal bis Helf­kam,
g) Über­nah­me des Ver­wal­tungs­in­spek­tors, des Ver­wal­tungs­as­sis­ten­ten und des In­zi­pi­en­ten in die Stadt­ver­wal­tung Deg­gen­dorf
h) Die Be­rück­sich­ti­gung der Wunsch­lis­te des Orts­aus­schus­ses von Alets­berg so­wie von Nie­der­kandl­bach.

Deg­gen­dorf war je­doch nicht be­reit sich Be­din­gun­gen dik­tie­ren zu las­sen. Es wur­de ein­stim­mig be­schlos­sen, dass man be­reit sei die Ge­mein­de in ih­rem gan­zen Um­fan­ge ein­zu­ge­mein­den. Da­zu soll

  1. Das gan­ze Ver­wal­tungs- und Fi­nanz­ver­mö­gen der Ge­mein­de Scha­ching mit al­len Rech­ten und Pflich­ten über­nom­men wer­den
  2. Der Ge­meind­einspek­tor und der Ge­mein­de­die­ner in städ­ti­sche Diens­te über­nom­men wer­den, so­wie die Hin­ter­blie­be­nen­be­zü­ge der Wit­wen des frü­he­ren Bür­ger­meis­ter und Ge­mein­de­se­kre­tärs wei­ter be­zahlt wer­den und
  3. die im ein­zu­ge­mein­den­den Ge­biet lie­gen­den Be­zirks­stra­ßen­tei­le zu Ei­gen­tum und Un­ter­halt zu über­neh­men.

Wei­te­re Pflich­ten wer­den nicht über­nom­men wer­den. Die Ge­mein­de Scha­ching gab dar­auf­hin klein bei und be­schloss am 21. No­vem­ber ein­stim­mig ih­ren al­ten Ge­mein­de­rats­be­schluss da­hin­ge­hend ab­zu­än­dern, „dass wir dem Be­schluss des Stadt­ra­tes Deg­gen­dorf vom 14. Sep­tem­ber 1934 oh­ne wei­te­re Vor­be­hal­te oder Be­din­gun­gen zu­stim­men und dass die in un­se­rem vor­ge­nann­ten Be­schlus­se ent­hal­te­nen Fest­stell­lun­gen nur ‚Wün­sche’ dar­stel­len von de­nen die Ein­ge­mein­dung nicht ab­hän­gig ge­macht wer­den wil­l“.

Von der Auf­he­bung der Ge­mein­de Scha­ching be­rich­te­te le­dig­lich ei­ne dürf­ti­ge kur­ze Nach­richt im Deg­gen­dor­fer Do­nau­bo­ten vom 2. April 1935:
„Scha­ching ein­ge­mein­det. Mit Ent­schlie­ßung des Staats­mi­nis­te­ri­ums des In­nern vom 30. März wur­de mit Wir­kung vom 31. III. 35 an die Ge­mein­de Scha­ching mit der krei­sun­mit­tel­ba­ren Stadt Deg­gen­dorf ver­ei­nigt. Die Ge­mein­de Scha­ching ist da­mit auf­ge­ho­ben."